Neviges : Hoffnung auf trockenen Keller

Der Bereich um die Hölzerstraße, Lukasstraße und Zum Jahnsportplatz gleicht in diesen Wochen einer Großbaustelle. Dort werden Versorgungsleitungen und Kanäle und anschließend die Straßen erneuert.

„Das läuft alles weitgehend unkompliziert“, lautet die erste Zwischenbilanz von Bernhard Wieneck, dem Geschäftsbereichsleiter Tiefbau bei den Technischen Betrieben Velbert (TBV). In gut einem halben Jahr wird im historischen Zentrum von Neviges eine weitere Kanalbaustelle in Angriff genommen, die jedoch größere Herausforderungen an Planung und Durchführung stellt: Der Kanal im Rommelssiepen muss erneuert werden, das Rohr ist undicht.

„Das gestaltet sich sehr aufwändig, das Problem dort ist die Enge“, präzisiert Olaf Rakowski. „Die angrenzenden Häuser müssen unterfangen werden. Wir legen die Fundamente frei und unterfüttern sie mit Beton, damit es nicht zu Setzungen kommt“, begründet der TBV-Sachgebietsleiter den großen Aufwand in der Altstadt, wo die meisten Häuser mehrere Hundert Jahre alt und denkmalgeschützt sind. Die Grundstückseigentümer wurden bereits informiert, zusätzlich wird das Ganze von einem Baugutachter begleitet. Olaf Rakowski rechnet mit viel Handarbeit und dem Einsatz von kleinen Maschinen. „Da können wir nicht mit Riesengeräten rangehen, wir wollen unnötige Erschütterungen vermeiden. Die Standsicherheit der Gebäude ist nicht gefährdet, einstürzen wird da nichts“, garantiert der Tiefbauingenieur.

Neben dem eigentlichen Kanal steht die Erneuerung von Gas- und Wasserleitungen an. „Normalweise werden die bei einer Kanalsanierung von der linken auf die rechte Seite verlegt. Wegen der beengten Verhältnisse ist das nicht möglich, weshalb eine Umleitung gelegt werden muss. Zum Schluss kommen die Leitungen wieder über dem Kanal.“

Die Baustelle wird sich in fünf bis zehn Meter langen Abschnitten bewegen. „Das wird mit der ausführende Baufirma abgesprochen.“ Der Rommelssiepen erhält einen Mischwasserkanal mit einer zusätzlichen Drainageleitung. „Damit wird das Hangwasser aufgefangen. Das wird zunächst in den Kanal geleitet, später soll es mal in den Hardenberger Bach fließen“, beschreibt der Planer die Perspektive des weitgehend unbelasteten Schichtenwassers, das den Hang hinunterläuft.

Anwohner Georg Schmidt erhofft sich von der Kanalerneuerung einen trockenen Keller. „Seit Januar 2017 habe ich ein Problem mit dem Wasser im Keller. Große Wassermassen kommen von oben, ich muss mehrere Pumpen einsetzen.“ Der Metzgermeister im Ruhestand vermutet stark einen Zusammenhang mit den Baumaßnahmen am alten Rathaus und der alten Post. „Da ist ein alter Bach geöffnet worden“, so sein Verdacht. „Alte Nevigeser berichteten mir von einem Weiher im Stadtgarten, wo sie als Kinder drin gebadet haben.“ Es handelt sich um klares Wasser, dass munter in der Grube seines Kellers hineinplätschert. Die Menge ist durch die Trockenheit der vergangenen Jahre geringer geworden. „Es läuft aber immer.“ Der Keller von Georg Schmidt wird an den neuen Kanal angeschlossen. „Ich erhoffe mir eine Verbesserung, so dass ich auch einen trockenen Keller habe, falls die Pumpen mal wegen Stromausfall nicht funktionieren sollten.“

Derzeit wird bei den Technischen Betrieben die Ausschreibung vorbereitet, die Vergabe erfolgt im Oktober. Olaf Rakowski ist sich ziemlich sicher, dass die Arbeiten noch im vierten Quartal diesen Jahres beginnen können. Die erste Schätzung für die Herstellungskosten liegt bei rund 700 000 Euro.