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Historiker soll umstrittene Namensgeber überprüfen

Historiker soll umstrittene Namensgeber überprüfen

Die Verwaltung durchforstet nach sieben Monaten die Stadt immer noch nach historisch belasteten Straßennamen.

Velbert. Mehr als sieben Monate sind mittlerweile vergangen, seit der Stadtrat den klaren Beschluss des Nevigeser Bezirksausschusses kassiert hat, drei Straßen auf dem Wimmersberg umzubenennen. Grund: die wegen ihrer NS-Vergangenheit umstrittenen Namensgeber Ina Seidel, Hermann Stehr und Agnes Miegel.

Auf Antrag von SPD, CDU und Velbert anders sollte stattdessen die Verwaltung prüfen, ob es im Stadtgebiet weitere Straßen gibt, „die nach Personen benannt wurden, deren Nähe zur nationalsozialistischen Einstellung oder zum NS-Regime selbst kritisch hinterfragt werden müsse“.

„Wir sind noch mittendrin in der Arbeit“, sagte Stadtsprecher Hans-Joachim Blißenbach. Wann das Ergebnis vorliegt, könne er noch nicht sagen. Inzwischen zeichnet sich ab, dass ein weiterer Name in den Fokus der Diskussion rücken könnte: Hans Karl Glinz. Nach dem Langenberger Unternehmer und Initiator des dortigen Tunnels ist die Dr.-Hans-Karl-Glinz-Straße benannt.

Derzeit wird geprüft, ob und inwieweit Glinz in der NS-Zeit Schuld auf sich geladen hat. In seinen Fabriken sollen hunderte KZ-Häftlinge als Zwangsarbeiter beschäftigt worden sein. „Dabei soll es auch Tote gegeben haben“, hieß es aus dem Rathaus.

In den 1980er-Jahren war schon ein ähnlicher Fall ruchbar geworden: Bei den Recherchen zu einer Ausstellung „Velbert unterm Hakenkreuz“ kam heraus, dass Dr. Gerhard Knickmeyer, einst Chefarzt des Städtischen Krankenhauses, Mitglied der NSDAP gewesen war. Die nach ihm benannte Straße wurde nach einer hochemotionalen Debatte in Günther-Weisenborn-Straße umbenannt.

Dass die Untersuchung der Straßennamen sich auf NS-belastete Personen beschränkt, wird im Rathaus nicht unkritisch gesehen: Es wäre auch denkbar gewesen, den Zeitrahmen der Untersuchung bis ins 19. Jahrhundert auszudehnen und auch Personen in den Blick zu nehmen, die sich klar antisemitisch geäußert haben. Dann wäre die Liste aber bestimmt noch länger geworden.

Wie geht es jetzt weiter? Wenn die Straßenuntersuchung abgeschlossen ist, will die Stadt eine „historisch belastbare Expertise“ von einem Historiker zu eventuell belasteten Straßennamen fertigen lassen, sagte Blißenbach.

Welcher Historiker damit beauftragt werde, stehe noch nicht fest. Bei der Auswahl soll das Stadtarchiv Vorschläge unterbreiten. Wann dann die Expertise fertig sein wird, sei überhaupt noch nicht absehbar.