Wülfrath : Hilfe für Schuldner bei der Tafel

Am 1. Juli feiert die Schuldnerberatung der Bergischen Diakonie in Wülfrath ihr einjähriges Bestehen. Im vergangenen Jahr übernahm Ralf Schwarzbach (Fachleitung Schuldnerberatung) gemeinsam mit seinem Team die Aufgabe, nachdem das Deutsche Rote Kreuz die Beratungsstelle im Frühjahr aufgegeben hat.

Als zentraler Beratungsort sind seitdem Räumlichkeiten im Seniorenstift Haus August von der Twer eingerichtet worden. Eine Anlaufstelle, die mit der Pandemie und dem damit einhergehenden Betretungsverbot der Einrichtung, wegfiel.

„Wir haben die Beratungen in der Zwischenzeit entweder in unserer Beratungsstelle in Velbert oder telefonisch angeboten“, berichtet Ralf Schwarzbach, der ab Donnerstag, 2. Juli, eine einfachere Lösung für die Wülfrather gefunden hat. „Wir werden mit der Schuldnerberatung vorrübergehend in die Räume der Tafel Niederberg in der Wülfrather Kulturkirche ziehen“, sagt Schwarzbach.

Pfarrer Thomas Rehrmann hatte offenes Ohr für das Anliegen

Pressereferentin Renate Zanjani hat den Kontakt zwischen Kirche und Beratungsteam hergestellt und ist mit ihrem Anliegen bei Pfarrer Thomas Rehrmann auf offene Ohren gestoßen. „Die Räume der Tafel-Ausgabe bleiben unberührt, die Beratung wird in dem angrenzenden Aufenthaltsraum stattfinden, in dem eigentlich Sprachkurse und das Sprachcafé angeboten werden“, sagt Rehrmann, der aufgrund der Corona-Pandemie diese Sprachangebote derzeit nicht vorhalten kann.

Wie wichtig die Schuldnerberatung besonders in der aktuellen Corona-Zeit ist, erklärt Schwarzbach, der eine höhere Nachfrage verzeichnet. „Besonders für Menschen mit einer Geringfügigen Beschäftigung bricht eine wichtige finanzielle Säule weg. Auch Familien sind stark betroffen, wenn ein Elternteil in Kurzarbeit wechseln muss. Da fehlen im Monat mitunter zwischen 200 und 300 Euro.“ Mit den Räumen der Tafel hofft Schwarzbach, dass die Hemmschwelle für einen Besuch bei der Schuldnerberatung niedrig ist. Finanziert wird das kostenfreie Beratungsangebot vom Kreis Mettmann und der Kommune. „Eigentlich zahlt der Kreis zwei Drittel der Beratungen, ein Drittel übernimmt die Stadt“, erläutert der Fachleiter. Anders sieht das jedoch in Wülfrath aus. „Hier werden 25 Beratungen vom Kreis und 40 Beratungen von der Stadt übernommen. Das Beratungsangebot ist für die Verwaltung und die Politik wichtig, weshalb sie sich für die Aufstockung entschieden haben“, erläutert Schwarzbach.

Anfragen sollen nicht aus Geldmangel abgelehnt werden

Im vergangenen Jahr hat die Finanzierung ausgereicht. Ob diese jedoch mit zunehmenden Zahlen in Bezug auf die finanziellen Corona-Schäden gewährleistet ist, kann Ralf Schwarzbach nicht sagen. „Wir müssen abwarten, wie sich die Zahlen in der Zukunft entwickeln.“ Letztlich gilt für den Fachleiter jedoch, dass keine Anfrage aufgrund von ausgeschöpften Finanzmitteln abgewiesen wird. Auch wird bei einer Beratung nicht auf die Uhr geschaut. „Mit jeder Verschuldung sind Schicksale und Geschichten verbunden“, sagt Schwarzbach, der gemeinsam mit seinem Team auch psychologische Hilfestellung gibt. „Wir möchten den Menschen wieder neue Perspektiven aufzeigen. Meist liegt ein langer Leidensweg hinter den Menschen, bevor sie zu uns in die Beratung kommen.“

Froh ist Ralf Schwarzbach auch für das seit Jahren funktionierende Netzwerk zwischen seiner Beratungsstelle, Banken und anderen zuständigen Anlaufstellen, wie etwa dem Amtsgericht. Kurze Wege und der persönliche Austausch bieten für das Beratungsteam schnelle Lösungen. Und davon profitiert letztlich jeder Schuldner.

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