Hier erfüllen sich Bastelträume

Jede Woche treffen sich im Gymnasium leidenschaftliche Bastler — und werkeln geduldig an ihren Modellschiffen. Der Verein besteht seit 40 Jahren.

Wülfrath. Schon wenn man die Stufen zu den Kellerräumen des Wülfrather Gymnasiums hinunter geht, steigt einem ein leichter Geruch von Lösungsmitteln und Bastelkleber in die Nase. Nähert man sich der Tür, hört man es schon sägen und schleifen. Klar ist: Hier wird gebastelt und gewerkelt. Jeden Samstag treffen sich hier die begeisterten Bastler des Wülfrather Schiffs-Modellsportclubs (SMC), um an ihren Modellschiffen zu arbeiten.

Foto: Carolin Scholz

Einer von ihnen ist Jürgen Schmiedecke. Momentan arbeitet er an der „Fairplay IX“, einem Hochseebergungsschlepper. „Der ist berühmt. Das Schiff wurde in den 80er-Jahren mal entführt“, sagt Schmiedecke. Außerdem habe er selbst einmal für die Reederei gearbeitet — aber auf einem anderen Schiff. Die Vorlage für sein Modell hat er aus einer Fachzeitschrift. Seit einem knappen Jahr arbeitet er bereits an diesem Schiff. Gerade hat er die Spanden geklebt — alles einzeln aus Holz ausgesägt. Nun kommt die richtige Fummelarbeit.

Seit 40 Jahren gibt es den SMC. Entstanden ist er aus einer Bastelgruppe der Volkshochschule. Als die nicht mehr stattfand, entschlossen sich die Modellbau-Liebhaber, einen Verein zu gründen, um weiter zu basteln. „Die meisten machen Schiffe — erlaubt ist aber alles“, sagt der Vereinsvorsitzende Wolfgang Arndt. Manch einer baue auch mal ein Vogelhäuschen für den Garten — oder auch ganz andere Sachen. Schiffe seien aber besonders interessant, so Arndt. Wegen der vielen Details.

In den Regalen der Kellerräume stehen die fertigen Modelle. Frachter, Löschboote, Flugzeugträger, Barkassen — jeder baut, worauf er Lust hat. Inspiration gibt es in Zeitschriften oder auf der Modellbaumesse in Dortmund. „Da haben wir auch einen Stand“, sagt Arndt. Ist erstmal ein Modell ausgesucht, geht es in den Baumarkt: Sperrholz kaufen. Werkzeug und Maschinen gibt es in den Räumen im Gymnasium — Tipps von den Routiniers. „Der Jüngste ist elf Jahre alt, der Älteste 82“, sagt Arndt. Die meisten liegen wohl irgendwo dazwischen.

Über die Räume im Gymnasium ist der Verein sehr froh. „Man kann hier auch einfach alles stehen und liegen lassen und an einem anderen Tag weiter machen“, sagt Arndt. Anders als zuhause. Auch wenn Samstag der offizielle Treff für die Modellbauer ist, kämen viele auch an anderen Tagen in die Schule. Auch Jürgen Schmiedecke. Seit er in Rente gegangen ist, hat der 74-Jährige auch mehr Zeit zum Basteln. Deswegen komme er auch schneller voran, als viele andere. Zwei bis drei Mal die Woche sitzt er an seinem Schlepper. Und achtet dabei auf die vielen Details. Am Ende sehen die Modelle aber nicht nur schön aus, sondern sind auch fahrtüchtig. Damit geht es im Sommer regelmäßig zum Kraps Teich — dem „Hausgewässer“ des Vereins. Dort zeigen die Modellbauer, was ihre Schiffchen können. Licht anschalten, Dampf aus den Schornsteinen blasen, Musik spielen. Vorwärts, rückwärts und seitwärts fahren. Rettungsboote ablassen und wieder einholen. Was Details und Funktionen angeht, nehmen es die Modellbauer beim SMC Wülfrath ganz genau.