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Velbert: Hertie-Gelände: Künftig nicht ohne Kino

Velbert : Hertie-Gelände: Künftig nicht ohne Kino

Die Ratsgremien bringen die Vermarktung des ehemaligen Kaufhaus-Standortes in Velbert-Mitte auf den Weg.

Das ist auch eine Art Jubiläum: Zehn Jahre ist es her, dass das 1973 von Karstadt eröffnete und später von Hertie übernommene Kaufhaus mitsamt dazugehörigem Parkhaus geschlossen wurde. Die Jahre des Leerstandes ließen die Gebäude verfallen und verwandelten den einstigen Top-Standort in einen städtebaulichen Schandfleck. Mehrere Investoren hatten seither verschiedene Ideen für das Objekt entwickelt, scheiterten aber aufgrund der sehr schwierigen Konstellation mit drei Eigentümern und zwei Erbbaurechtsgrundstücken sowie den jeweiligen
Kaufpreisvorstellungen.

Bei den zum Teil sehr konkreten Ideen – sowohl in Richtung einer Mischnutzung aus Wohnen, Büros und untergeordnetem Einzelhandel als auch für ein Kino – bestand und bestehe weiterhin Interesse seitens verschiedener Investoren, heißt es von der Stadt. Diese hatte schließlich Anfang 2018 die gesamte 7491 Quadratmeter große Immobilie gekauft, um endlich eine nachhaltige und positive Entwicklung sicherzustellen. Nun soll das ganze Objekt im Rahmen eines Investorenauswahlverfahrens vermarktet werden, für das zunächst ein externer Dienstleister in Form eines den Prozess begleitenden Büros und eines Juristen beauftragt werden soll. Die Bewertungsmatrix zur Ermittlung des Gewinners in diesem Investorenauswahlverfahren sollen die politischen Gremien festlegen.

„Dabei ist das Kino ein Pflichtanteil“, betonte Jörg Ostermann im Umwelt- und Planungsausschuss vor dem Hintergrund, dass ein Kino bei den Velbertern seit Jahren einen hohen Stellenwert hat. Das habe auch das kürzlich formulierte Bürgerbegehren für ein Kino im Forum Niederberg verdeutlicht. Mindestausstattung seien vier Kinosäle mit einer Gesamtkapazität von rund 500 Sitzplätzen, so der Baudezernent. Damit sei eine gute Bespielung möglich, wie es sich auch in Gesprächen mit interessierten Kinobetreibern gezeigt habe.

Im Bereich der Offerstraße sollen auch Wohnanteile möglich sein

Ausgehend von der Kinonutzung soll ein gemischt genutztes Quartier mit Orientierung zur Friedrichstraße entstehen, bei dem im Bereich zur Offerstraße auch Wohnanteile möglich sind. Städtebaulich soll an der Friedrichstraße eine geschlossene Bebauung mit drei bis vier Vollgeschossen wiederhergestellt werden, während das Erdgeschoss neben dem Zugang und Foyer des Kinos beispielsweise durch Einzelhandel, Gastronomie, Hotel und/oder Dienstleistung zusätzlich belebt wird. Neben der Stadt-Galerie, die laut Frequenzmessung bereits zehn Prozent mehr Besucher in die Innenstadt zieht, soll mit dem Projekt auf dem Hertie-Areal ein zweiter frequenzbringender Pol am anderen Ende der Fußgängerzone geschaffen werden.

Ein großer Vorteil dieses Projektes sei für Investoren, dass die Lichtspiele frei in ihr Gesamtkonzept eingehen könne und eine Mischkalkulation ermögliche. Das könne eventuell zu Lasten des Preises gehen, den ein Investor zu zahlen bereit wäre, dieser sei jedoch kein alleiniges Kriterium der Bewertungsmatrix: „Es muss auch architektonisch und städtebaulich passen“, betonte Ostermann. Er schätzte das Investitionsvolumen auf mehr als 50 Millionen Euro: „Das erfordert ein qualitativ und rechtlich absolut sauberes Arbeiten, deshalb der Vorschlag, ein Beratungsbüro und einen Juristen ins Boot zu holen, die den Prozess organisieren.“ Für die dadurch anfallenden Kosten von rund 90 000 Euro wurden im Rahmen der Städtebauförderung im Februar Mittel beantragt (Förderquote 80 Prozent). Die Bewilligung des vorzeitigen Maßnahmenbeginns wird für diesen Sommer erwartet.

Auf Nachfrage aus dem Ausschuss erklärte Ostermann, dass es zwar einen Plan B gebe, sollte sich kein Investor finden, der das Projekt mit Kino realisiert. Der Beigeordnete zeigt sich aber fest überzeugt, dass es unter den nun neuen Bedingungen entsprechende Angebote mit Kino geben werde.

Nach den Ausschüssen für Umwelt und Planung sowie Wirtschaftsförderung, die das Konzept einstimmig verabschiedeten, stand das Thema gestern auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses. Das schlussendliche Abstimmungsergebnis lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor.