Einziges Angebot im Kreis Mettmann Helios Klinikum Niederberg: Frühchenversorgung fällt Neustrukturierung zum Opfer

Velbert · Die einzige spezialisierte Versorgung von Früh- und Neugeborenen im gesamten Kreis Mettmann fällt aufgrund von Umstrukturierungen des Landes NRW weg. Beim Helios Klinikum Niederberg sorgt das für Unverständnis.

 Seit mehr als 30 Jahren ist das Klinikum Niederberg bekannt für die exzellente Versorgung von Schwangeren und Frühgeborenen.

Seit mehr als 30 Jahren ist das Klinikum Niederberg bekannt für die exzellente Versorgung von Schwangeren und Frühgeborenen.

Foto: dpa/Guido Kirchner

Die Neustrukturierung der Frühgeborenversorgung in Nordrhein-Westfalen betrifft auch das Helios Klinikum Niederberg an der Robert-Koch-Straße.

Für den Kreis Mettmann bedeutet dies den Verlust der spezialisierten Versorgung von Früh- und Neugeborenen vor Ort, die künftig auch im Rahmen eines perinatologischen Schwerpunktes nicht mehr im bisherigen Umfang angeboten werden darf. „Dass die Krankenhausrahmenplanung geänderte Versorgungsstrukturen vorsieht, war bekannt.

Warum unsere Bemühungen um den Erhalt des Versorgungsangebotes, etwa durch eine Ausnahmeregelung für den Standort oder zumindest in Form einer adäquaten Übergangsregelung, nicht aufgegriffen wurden, ist hier bei allen Beteiligten auf großes Unverständnis gestoßen“, erklärt Klinikgeschäftsführer Niklas Cruse.

Das Velberter Klinikum übernehme bereits seit mehr als 30 Jahren als einziges Krankenhaus im Kreisgebiet die Versorgung von Schwangeren und Frühgeborenen, in einem Maße, das deutlich über dem der geburtshilflichen Regelversorgung liegt (Level II). Die dafür erforderlichen Qualitätsanforderungen wurden erfüllt und jährlich nach Vorgabe der Qualitätssicherungs-Richtlinie „Früh- und Reifgeborene“ (QFR-RL) bescheinigt.

„Dass wir Schwangeren in Zukunft unser Versorgungsangebot nicht mehr im gewohnten Umfang anbieten können, obwohl alle Voraussetzungen dafür gegeben sind, macht uns sehr betroffen“, sagt Sören Lutz, Chefarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin. „Wir werden die krankenhausplanerische Entscheidung zu akzeptieren haben, wodurch auch unsere neonatologische Intensivstation nicht mehr vorgehalten werden darf und eine Versorgung nur noch ab der Schwangerschaftswoche 36 plus 0 möglich ist.“

Da dem Klinikum Niederberg nach dem jetzigen Stand der Bemühungen auch eine Übergangsfrist nicht gewährt wird, ist das Haus gezwungen, die gebotenen Maßnahmen zeitnah zu ergreifen und bereits in der kommenden Woche umzusetzen. „Natürlich hoffen wir, dass uns das hochspezialisierte Team auch künftig für den Standort erhalten bleibt und wir den betroffenen Kollegen eine adäquate Perspektive bieten können“, sagt Pflegedirektor Gerd Bloemertz und ergänzt: „In Abstimmung mit dem Betriebsrat, der Personalabteilung und Pflegedirektion werden wir dazu jetzt mit allen, die von den planungsrechtlich bedingten Neuerungen betroffenen sind, individuelle Einzelgespräche führen.“

Parallel dazu arbeite der Führungsstab der Klinik weiter mit Hochdruck daran, die spezialisierte Versorgung von Früh- und Neugeborenen künftig wieder im Rahmen eines peritonealen Schwerpunktes anbieten und die spezialisierten Mitarbeiter wieder in ihrem gewohnten Bereich einsetzen zu können.

Im Rahmen der geburtshilflichen Versorgung stehe das Helios Klinikum Niederberg werdenden Müttern weiter zuverlässig zur Seite. Das Angebot des hebammengeleiteten Kreißsaals sowie der hebammengeleiten Wöchnerinnenstation bleibt erhalten und auch die notfallmäßige Versorgung von Säuglingen sowie Notkaiserschnitte werden unverändert durchgeführt. Durch die angeschlossene Kinderklinik ist eine rundum Betreuung von Mutter und Kind – von Geburt an bis zum 18. Lebensjahr – auch in Zukunft gesichert, das gilt auch für das Vorbereitungsangebot der Elternschule.

Darüber hinaus komme die Klinik für Kinder- und Jugendmedizin mit dem Schwerpunkt Neuropädiatrie (Neurologie des Kindes- und Jugendalters) ihrem Versorgungsauftrag für Kinder mit Ausnahme onkologischer Erkrankungen in vollem Umfang nach. Erkrankungen des Herzens werden in Kooperation mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Wuppertal betreut. Durchgeführt werden auch weiterhin neurophysiologische Untersuchungen sowie sämtliche diagnostische apparative und laborchemische Verfahren. Überregional bekannt ist die monatlich stattfindende Westdeutsche Down-Ambulanz. In Velbert vorgehalten wird eine Chefarzt-Sprechstunde für neuropädiatrische Fragestellungen.