Velbert: „Großes Feld“: Schlagabtausch der Befürworter und Gegner

Velbert : „Großes Feld“: Schlagabtausch der Befürworter und Gegner

Die gemeinsame Termin dreier Ausschüssen im Forum Niederberg stieß auf reges Interesse.

Nachdem die Demonstranten ihre Transparente gestellt hatten, konnte die Sondersitzung von gleich drei Ausschüssen beginnen. Wegen des großen Publikumsinteresses fand die gemeinsame Sitzung des Umwelt- und Planungsausschusses, des Bezirksausschusses Velbert-Mitte und des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing im großen Saal des Forum Niederberg statt. Es geht um das „Große Feld“: Auf der 27 Hektar großen, landwirtschaftlich genutzten Fläche südlich der Langenberger Straße zwischen Bleibergstraße und Bökenbuschstraße soll ein neues Gewerbegebiet entstehen, das der Stadt Velbert zusätzliche Arbeitsplätze und Gewerbesteuer bringen soll.

„Wegen wesentlicher Änderungen musste der Entwurf des Bebauungsplanes und des Flächennutzungsplanes erneut offen gelegt werden“, informierte Björn Leißner aus dem Planungsamt die rund 150 Zuhörer. So wurde der Plan um 0,5 Hektar verkleinert, eine Planstraße wurde verschwenkt, damit zur Entwässerung keine Fremdgrundstücke betroffen sind. Daneben wurden die Grundstücke des denkmalgeschützten Stüpershof aus dem Plangebiet genommen.

Bei der Vorstellung der Ergebnisse zum Schutz von Umwelt und Natur gab es Gelächter und Unmutsäußerungen der Zuhörer, die sich sich der Umweltausschussvorsitzender Manfred Bolz verbat. Die Umsetzung des Gewerbegebietes hat zwar negative Auswirkungen auf einzelne Schutzgüter, aber es handelt sich nach Ansicht der Gutachter um einen ausgleichbaren Eingriff. Artenschutzrechtliche Belange gibt es nicht, Schutzgründe für ein Naturdenkmal gibt es nicht. Unzulässige Lärmimmissionen sind nicht zu befürchten, die verkehrstechnische Erschließung ist leistungs- und funktionsfähig. Das von den Gegner vorgebrachte Argumente der schwierigen Topografie und des Untergrundes wurde entkräftet: „Das Industriegebiet Röbbeck auf der andern Seite hat gezeigt, das eine Gewerbenutzung dort möglich ist“, fasste Leißner
zu­sammen.

Grüne werfen der Stadt eine rückwärtsgewandte Politik vor

Für das Klima von bereits besiedelten Flächen hat der Acker keine Bedeutung, weil Kaltluft reliefbedingt in einen Freiraum fließt. Auch in Sachen Entwässerung konnten keine negative Auswirkungen festgestellt werden. Der Verlust von Acker fällt auch nicht ins Gewicht, weil in Velbert-Mitte seit Jahren keine landwirtschaftlichen Flächen in Anspruch genommen wurden.

Wolfgang Beckröge (Bündnis 90/Die Grünen) warf der Stadt eine rückwärtsgewandte Politik vor. „Auf der Fläche von 36 Fußballfeldern wird wertvolle Ackerfläche vernichtet. Das Mikroklima wird durch ein paar begrünte Dachflächen nicht verbessert, die Kosten für die Erschließung bewegen sich um einen zweistelligen Millionenbetrag. Blasen Sie das Große Feld ab!“ Thomas Küppers von den Piraten bezieht sich auch auf die hohen Erschließungskosten: „Velbert ist nicht gerade mit viel Geld bestückt. Dieses Gewerbegebiet brauchen wir nicht, es wird von den Bürgern nicht gewünscht.“ Can Kulakci (Die Linke) befürchtet, dass minderwertige Arbeitsplätze entstehen. August-Friedrich Tonscheid stellte fest, dass diese Planung auf dem Boden des Bundesbaugesetzes steht und, dass der Rat die Pflicht hat, eine Bodenvorratspolitik für Gewerbebauten zu betreiben. „Wir haben nichts anderes“, so der Vertreter von Velbert anders. Er verweist auf den Mehrwert für die Stadt, der sich erst mit der Zeit einstelle. „Ich habe Verständnis für diejenigen, die die Bebauung nicht wollen, aber auch für diejenigen, die Bewegung auf dem Arbeitsmarkt wollen.“ Er fühle mich den Lebensgrundlagen verpflichtet, konterte der Grüne Beckröge, der Klimaschutz und Ausgleichsmaßnahmen für sehr fragwürdig hält. Die ansonsten wirtschaftsfreundliche FDP lehnt das Baugebiet ab. „Die Erträge aus dem Verkauf des Großen Feld werden das Investitionsaufkommen nicht decken“, so der Liberale Thorsten Hilgers. „Wir brauchen Zukunftsarbeitsplätze, da geht es kleinteilig zu, dafür müssen wir unsere Natur nicht opfern.“ Man sei Eigentümer, „wer da hinkommt, bestimmen wir“, stellte SPD-Fraktionschef Rainer Hübinger klar. „Wir haben uns für dieses Gewerbegebiet für die Menschen entscheiden, die Arbeits- und Ausbildungsplätze wollen.“

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