Velbert-Neviges : Neue Schule nimmt eine weitere Hürde

Der Haupt- und Finanzausschuss hat grünes Licht für die zweite städtische Gesamtschule an zwei Standorten in Neviges gegeben

Die Fronten waren schon vorher geklärt: Ohne große Diskussionen votierte der Haupt- und Finanzausschuss mit acht Stimmen für die Errichtung der vierzügigen Gesamtschule Velbert-Neviges zum Schuljahr 2019/20. Fünf Gegenstimmen gab es von der CDU, August Friedrich Tonscheid (Velbert anders) enthielt sich, da er die Abstimmung aufgrund der bisher getroffenen Beschlüsse für überflüssig hielt.

Während die CDU die zweite Gesamtschule und insbesondere die ebenfalls beschlossene Auflösung der Martin-Luther-King-Hauptschule in Velbert-Mitte ablehnte, traten die anderen Fraktionen angesichts zahlreicher Kinder, die jedes Jahr an der bisher einzigen städtischen Gesamtschule an der Poststraße abgelehnt werden müssen, noch einmal vehement für die Gesamtschule ein.

Geplant ist, die Klassen fünf bis acht im derzeit noch von der Heinrich-Kölver-Realschule genutzten Gebäude An der Maikammer unterzubringen. Die Jahrgänge neun und zehn sowie die gymnasiale Oberstufe sollen in der ehemaligen Hardenbergschule am Waldschlößchen ihre Heimat finden. Allerdings bedarf es bei dem im Februar geplanten Anmeldeverfahren mindestens 100 Kinder, um die neue Schule, die als Ganztagsschule mit dem Schwerpunkt Sport angelegt ist, überhaupt starten zu können.

Die Stadt müsste Millionen
in die Hand nehmen

Für die Herrichtung der Gebäude muss die Stadt einige Millionen Euro in die Hand nehmen. Während für die im Rahmen des Konjunkturpaketes II durchsanierte Tönisheider Schule lediglich Kosten von rund 500 000 Euro für die schulische Ausstattung veranschlagt werden – unter anderen für die Erneuerung von Fachräumen, Verkabelung, insbesondere W-Lan, Mensa und Schulmöbel – steht die bautechnische Überholung für die ehemalige Nevigeser Hauptschule noch an. Die dafür angesetzten 9,3 Millionen Euro decken jedoch nur die reine Bestandssanierung, Kosten für Umbauten oder Modernisierungen sind laut Verwaltungsvorlage noch nicht berücksichtigt. Hinzu kommen am Waldschlößchem 950 000 Euro für die schulische Ausstattung, so dass die Gesamtkosten mit 10,75 Millionen Euro prognostiziert werden. Basierend auf den Zahlen von 2012 – zu diesem Zeitpunkt waren beide Schulen noch im Vollbetrieb – hat die Verwaltung die Betriebskosten für beide Teilstandorte mit mehr als 365 000 Euro pro Jahr veranschlagt. Nach Ansicht von Stadtkämmerer Christoph Peitz seien die notwendigen Investitionen nach derzeitiger Finanzplanung finanzierbar, binden jedoch in erheblichem Umfang Mittel, die für eventuell notwendige andere Maßnahmen in den nächsten vier Jahren ohne Netto-Neuverschuldung nicht mehr zur Verfügung stehen.

Hauptausschuss fasst
einen Vorratsbeschluss

Unmittelbar nach dem Votum für die Errichtung der Gesamtschule hat der Ausschuss mit acht zu sechs Stimmen die sukzessive Auflösung der Martin-Luther-King-Hauptschule ab dem Schuljahr 2019/20 beschlossen – vorausgesetzt, die neue Gesamtschule erreicht die erforderliche Zahl Anmeldungen. Für diesen Fall hat das Gremium zudem den sofortigen Vollzug der Auflösung beschlossen. Anfechtungsklagen gegen die Schließung hätten damit keine aufschiebende Wirkung.

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