Geplantes Gewerbegebiet an der Langenberger Straße in Velbert

Velbert : Sehr teure Gewerbegebiet-Erschließung

Umweltschützer wollen Politiker überzeugen, auf die geplante Bebauung an der Langenberger Straße zu verzichten.

Zu einem Familienspaziergang in den „Velberter Allgäu“ mit Dudelsackklängen laden für Sonntag Gaby und Bernd Caspers ein, Treffpunkt ist um 15 Uhr die Langenberger Straße/Ecke Bleibergstraße, anschließend ist ein gemütliches Beisammensein mit alkoholfreien Punsch und Naschwerk geplant. Das Ehepaar Caspers, Mitglied in der Bürgerinitiative Große Feld Velbert, hat Kommunalpolitiker eingeladen, um sie zu überzeugen, dass die 27 Hektar große, landwirtschaftlich genutzte Fläche sich nicht für ein neues Industriegebiet eignet.

„Velbert anders“ befürwortet
Idee des neuen Gewerbegebiets

Eine Ratsmehrheit von CDU und SPD macht sich für das neue Industriegebiet stark, damit mehr Gewerbesteuer in die Stadtkasse gespült wird und damit heimische Firmen nicht abwandern, weil keine Gewerbeflächen mehr vorhanden sind. Während Grüne, Linke, FDP und Piraten den massiven Eingriff in die Landschaft ablehnen, spricht sich nun auch „Velbert anders“ dafür aus. Die Wählergemneinschaft sieht darin die Zukunftssicherung für die Stadt, damit die vorhandene Infrastruktur gesichert und ausgebaut werden kann.

Neidisch geht der Blick nach Ratingen, das nur wenig größer als Velbert ist, aber ein doppelt so hohes Gewerbesteueraufkommen aufweist. Der Unternehmer-Verein Schlüsselregion trommelt heftig für das neue Gewerbegebiet. Der Lobbyverband verweist auf die Bedeutung der Industrie für Velbert und berichtet von expansionswilligen Mitgliedsfirmen, die seit Jahren keinen passenden Standort finden und auf dem Großen Feld am liebsten sofort bauen wollen.

Die Bürgerinitiative bezeichnet die hügelige Landschaft zwischen Bleibergstraße als ein „wunderschönes Stück Natur“ und „einladende Visitenkarte der Stadt“ zwischen Velbert-Mitte, Langenberg und Neviges, mit wichtigen Aufgaben: Das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz hat eine Luftschneise festgestellt, die zwischen den Stadtteilen wesentlich zu einem guten Stadtklima beiträgt. In den umgebenden Landschaftsschutzgebieten leben viele Wildtiere, darunter Fledermäuse, Kleinsäuger, Insekten, Sing- und Greifvögel, der Rotmilan jagt dort ebenfalls.

Dazu kommt die Topographie, die eine Erschließung sehr teuer macht: „Damit das Oberflächenwasser Langenberg nicht überschwemmt, sind große Rückhaltebecken notwendig“, weiß Bernd Caspers. „Die Abwässer müssen mit großem Aufwand über den Berg ins bestehende Industriegebiet gepumpt werden. Zu dem Kosten-Nutzen-Verhältnis traut sich bisher keiner der Befürworter eine Zahl zu sagen“, ärgert sich Caspers.

Geologische Untersuchung
weisen auf Tunnelerosionen hin

Für die Landwirtschaft, die seit Jahren unter dem steigenden Flächenverbrauch leidet, ist die hochwertige Ackerkrume mit einem Bodenpunktwerk von 80 besonders wichtig. Neben der Fruchtbarkeit weist der Untergrund noch eine Besonderheit aus: Bei geologischen Untersuchungen wurden Tunnelerosionen gefunden. Es handelt sich um unterirdisch komplexe und verzweigte Kanalsysteme, die sich bei Wassereinwirkung laufend verändern. Aus mauselochgroßen Öffnungen können große tunnelartige Löcher entstehen, die teilweise an der Oberfläche sichtbar sind. „Überraschungen für Bauherrn sind ziemlich sicher, während des Baus und noch danach“, prophezeit der Bonner Bodenkundler Johannes Botschek.