„Gemeinsam bewirkt man mehr“

Seit 50 Jahren setzt sich der Bürgerverein Düssel für seine Bürger ein. Im Laufe der Jahre hat sich der Verein eine gewisse Hartnäckigkeit angewöhnt.

Wülfrath. Eine Runde darf es noch sein für die rund zehn Mitglieder des Bürgervereins, die diesmal zum allmonatlichen Stammtisch in der alten Wasserburg erschienen sind. Es ist gemütlich, der Kamin knistert, draußen aber regnet es in Strömen. „Ich denke, das ist der Grund, warum heute nicht so viele gekommen sind, normalerweise kommen immer so 20 bis 30 Düsseler“, vermutet Vorstandsmitglied Klaus Koslick, lässt sich aber die Freude am Beisammensein im Kreise Gleichgesinnter nicht nehmen, „wir haben auch so genug zu bereden.“

Michael Becker, Vorsitzender

Denn eins ist den Mitgliedern ganz wichtig. „Wir sind kein Verein, der nur zum Trinken oder Feiern zusammenkommt“, betont Thomas Kaulfuß, der ab der kommenden Jahreshauptversammlung im März aller Voraussicht nach den Vorstandsvorsitz übernehmen und damit Michael Becker nach acht Jahren aus Altersgründen ablösen wird, „wir treffen uns, um uns über die Dinge, die die Düsseler bewegen, auszutauschen und uns gegebenenfalls für Ideen oder Verbesserungen im Rat und bei der Stadt einsetzen.“ Ihr bislang größter Erfolg, bedingt durch langes und hartnäckiges Engagement, ist die Anbindung Düssels an die bestehende S-Bahn-Linie Wuppertal — Essen.

Durchschnittlich 67 Jahre sind die 260 Mitglieder, das Jüngste ist unter 30, das Älteste 97 Jahre. „Die Meisten kommen zu uns, wenn sie 50 oder älter sind“, weiß Michael Becker „und es ist auch schwer, die ganz jungen Leute für eine Vereinsarbeit zu gewinnen, dazu haben sie schlicht zu viel zu tun. Arbeit, Kinder, ich weiß ja selbst noch, wie das früher war.“ Statt also Groll darüber zu hegen, dass es an Nachwuchs mangelt, zeigen auch die anderen Anwesenden Verständnis. „Wofür sollten die Jugendlichen sich hier auch einbringen? Für eine Disco? Die würde sich eh nicht halten können, wer kommt schon zum Feiern hier her, wenn Essen, Wuppertal oder Düsseldorf in 30 Minuten erreichbar sind“, mutmaßt Thomas Kaulfuß, „wir möchten uns mit realisierbaren und konstruktiven Inhalten auseinandersetzen.“

So können sich die Düsseler demnächst über eine neue Linde freuen, nachdem eine der drei alten Linden am Friedhof im vergangenen Herbst gefällt werden musste — die Zusage der Stadt hat der Bürgerverein erwirkt. Genauso soll auch das unter Denkmalschutz stehende Passionskreuz aufgearbeitet werden. „Das sind alles Erfolge, auf die wir stolz sind, denn gemeinsam kann man schlichtweg mehr bewirken als jeder Einzelne“, erklärt Thomas Becker. Überhaupt: Gemeinschaft spielt in Düssel eine große Rolle, die Verbundenheit untereinander ist zwar tief, sollte aber trotzdem weiterhin gestärkt werden. „Daher planen wir auch regelmäßig Feste, um möglichst alle zu erreichen und im Austausch zu bleiben. Nur so erfahren wir, was unsere Mitmenschen bewegt, wie wir uns einsetzen können, und man lernt neue Mitbewohner besser kennen“, ergänzt der 76-Jährige. Und davon wird es bald einige geben — sobald die neuen 23 Wohneinheiten auf dem alten Sportplatz bezugsfertig sind — darunter ganz sicher viele junge Familien, die neuen Wind in das kleine Dörfchen bringen.

Bis dahin wird es dann auch einen neuen Vorstandvorsitzenden, Thomas Kaulfuß, geben, der sich sehr auf sein neues Amt freut und ihm mit viel Engagement entgegenblickt. „Änderungen oder Verbesserungen sind natürlich langfristig geplant, aber vorerst bleibt alles beim Alten. Jetzt zum Beispiel, ohne Augenmaß, den Verein oder unsere Aktivitäten zu verjüngen, das wäre nicht sinnvoll und würde die Menschen eher verprellen.“