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Wülfrath: Gegensteuern oder Fall für Eingemeindung

Wülfrath : Gegensteuern oder Fall für Eingemeindung

Wolfgang Peetz, Fraktionsvorsitzender der WG, ist besorgt über die Prognose zur Einwohnerentwicklung von IT NRW.

. „Das Hauptthema für Wülfrath ist die Einwohnerentwicklung der Stadt. IT NRW hat dazu erschreckende Zahlen veröffentlicht.“ Wolfgang Peetz, Fraktionsvorsitzender der Wülfrather Gruppe (WG), zeigt sich im WZ-Sommergespräch sehr besorgt über die vorgelegten Prognosen. Laut Prognose von IT NRW würde bis zum Jahr 2040 die Zahl der 19- bis 65-Jährigen in der Kalkstadt um mehr als 20 Prozent sinken, die der Altersgruppe 80 plus um 27 Prozent steigen. Dies habe sowohl sehr negative Konsequenzen für die Einkommenssteuerentwicklung als auch für die Kosten im Pflegebereich. Und: „Nach dieser Statistik unterschreiten wir bereits in zehn Jahren die 20 000-Einwohner-Marke“, so Wolfgang Peetz weiter.

Wenn die Zahl der Menschen, die den Kostenapparat finanzieren, immer weiter sinkt, könne dies nicht gut gehen. Zwar sei Wülfrath in dem Korridor von 20 000 bis 50 000 Bürgern immer schon an der Untergrenze gewesen, doch nun drohe der Verlust des Status einer mittleren kreisangehörigen Gemeinde mit deren Aufgabenkatalog. Dies habe weitreichende Konsequenzen. „Zum Beispiel das Jugendamt, die Bauaufsicht und das Rettungswesen müssten in diesem Fall vom Kreis Mettmann übernommen werden.“ Wülfrath sei die einzige Stadt im Kreis, der dieses Schicksal drohen könnte. „Wenn wir nicht gegensteuern, sind wir ein Fall für eine Eingemeindung“, warnt der WG-Fraktionsvorsitzende.

„Wir brauchen dringend neue Einwohner“, sagt Wolfgang Peetz. Wie das gehen soll? „Es gibt zum Beispiel viele ältere Bürger mit Häusern am Stadtrand, die lieber in eine Wohnung in der Innenstadt ziehen würden. Das brächte Platz für Familien.“ Daher sei erst eine innerstädtische Verdichtung notwendig, um die dort fehlenden Wohnungen auszugleichen. Natürlich sei auch der Regionalplan von großer Bedeutung, allerdings sei es der WG zunächst nicht wichtig, ob die Baumöglichkeiten in Düssel oder etwa auf dem Flehenberg verwirklicht würden. „Wir haben bereits gültige, genehmigte Bebauungspläne im Bereich Hundertwassersiedlung und auf dem Bunkerareal. Dort herrscht seit Jahren Stillstand. Da funktioniert das Zusammenspiel zwischen GWG und Baudezernat nicht“, sagt der WG-Vorsitzende. Ihm sei es lieber, dass diese Grundstücke an Investoren verkauft würden, die dann zügig für Bebauung sorgen, statt weiterhin den Stillstand zu akzeptieren.

Hinter dieses Thema fallen für die WG alle anderen zurück. Klimaschutz? „Das Thema wurde nie sachlich diskutiert“, meint Wolfgang Peetz. Man müsse dieses Thema in das Europawahlergebnis einordnen. „Die großen Parteien haben etwas auf die Nase bekommen und alle sind den Schülern hinterhergelaufen.“ Die Grünen wiederum seien stumm vor Freude. „Ich bin froh, dass wir auf WG-Antrag eine pragmatische Lösung hinbekommen haben“, sagt Wolfgang Peetz. In Wülfrath hatte es eine überparteiliche Einigung über Klimaziele gegeben, die Ausrufung des Klimanotstandes wurde abgelehnt (die WZ berichtete ausführlich).

Mit Sorge sieht der WG-Fraktionsvorsitzende die Schaffung oder Sicherung von Arbeitsplätzen in der Kalkstadt. Nicht zuletzt mit Blick auf die Schließungspläne von Knorr-Bremse. Aber: „Wenn das Unternehmen geht, steht dort eine große Industriefläche zur Verfügung.“ Wolfgang Peetz. Vielleicht gebe es dann die Möglichkeit, produzierendes Gewerbe anzusiedeln.

Die Digitalisierung sieht er als „laufendes Geschäft der Verwaltung“. Die Strategie Wülfrath 22 plus liege vor und daher sei die Digitalisierung nicht Tagesgeschäft der Politik.

Die Überlegungen, die Volkshochschule eventuell wieder in ihrem ehemaligen Gebäude am Ware-Platz unterzubringen, sieht Wolfgang Peetz auf der Habenseite der WG. „Wir haben das Thema mit einem Kompromissvorschlag gerettet, eine Ertüchtigung des Gebäudes mit 70 Prozent Fördermitteln sei eine positive Aussicht. „Die Verwaltung hat den Auftrag zu beweisen, dass es sich rechnet, sonst wird das Gebäude verkauft“, betont der WG-Fraktionsvorsitzende.

Mit einer Frage beschäftigt sich die WG, auch wenn die ­dazugehörige Wahl erst in einem Jahr stattfindet. Wie steht die WG zum Thema Bürgermeister? „Es hat ein erstes Gespräch mit Bürgermeisterin Claudia Panke gegeben, nach den Sommerferien setzen wir uns erneut zusammen“, lässt Wolfgang Peetz sich nicht in die Karten ­schauen.