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Futter für das Damwild in der Kleinen Schweiz

Die harten Früchte, die jetzt fallen, sind ein wertvolles Futter für das Damwild der „Kleinen Schweiz“ : Sie sind Kastanien-Gourmets

Von Ulrich Bangert

In diesen Tagen fallen aus den Bäumen massenhaft Eicheln und Kastanien. Wegen ihres Glanzes sind letztere bei Kindern sehr beliebt. „Wir basteln damit Dekorationen und Türkränze“, sagt Silke Angenendt, die Leiterin der Kita „Das Kinderreich“. Kastanienmännchen werden eher weniger in den Kindertagesstätten zusammengesteckt. „Das ist sehr aufwändig, weil Löcher gebohrt werden müssen“, weiß Ulrike Fritz vom Kindergarten „Unterm Regenbogen“. „Das ist eher etwas für zu Hause, das gemeinsam mit Eltern gemacht wird.“ Eine weitere sinnvolle Verwendung der Baumfrüchte hat Frank Wiehoff, der Inhaber der „Kleinen Schweiz“. Er freut sich, wenn die gesammelten Schätze gebracht werden.

Seit neun Jahren befindet sich neben dem Restaurant ein Gehege mit Damwild. „Normalerweise bekommen die Gras und Heu sowie Möhren und Rübenschnitzel. „Wenn es im Januar und Februar richtig kalt wird, gibt es Eicheln und Kastanien“, beschreibt der Gastronom die Menuefolge seiner tierischen Gäste. Die kleinen, emsigen Früchtesammler, die jetzt ihre Ausbeute anschleppen, werden mit einem Eis belohnt. „Aber bitte nicht während der Essenszeiten vorbeikommen.“Die protein- und kohlehydratreichen Früchte werden getrocknet, damit sie nicht schimmeln. Zu dem Wildgehege kam die „Kleine Schweiz“, als der Parkplatz neugestaltet wurde. „Da war nebenan ein verwildertes Gelände.“

Frank Wiehoff, der das Traditionshaus in der vierten Generation führt, kann sich noch schwach daran erinnern, dass dort mal Ponys weideten. Bevor die ersten Damhirsche, die kleiner als Rothirsche, aber deutlich größer als Rehe sind, auf dem 1,2 Hektar großen Areal eine Heimat fanden, absolvierte Wiehoff beim Bildungszentrum Landwirtschaft Haus Riswick in Kleve einen Lehrgang in Sachen Gehegewild.

Die Rudeltiere fühlen
sich einzeln nicht wohl

„Jetzt habe ich ein paar Mädels mit einem Hirsch, der ist sehr fleißig und hat in diesem Jahr sieben Kälber hervorgebracht. Der Nachwuchs ist in den ersten Tagen nach der Geburt nicht zu sehen, der ist im Gebüsch oder in den Brennnesseln versteckt.“ Eine Einzelhaltung ist wenig sinnvoll: „Das sind Rudeltiere, die brauchen die anderen, sonst fühlen die sich nicht wohl“, weiß Wiehoff, der maximal 19 Tiere in seinem Gehege halten darf. Einige Hirschdamen sind ziemlich zahm und fressen Kindern durch den Zaun aus der Hand. Das tun im übrigen auch die sechs Ziegen auf einer anderen Wiese. „Aber nur mit dem Futter, dass man an der Theke erwerben kann, sonst werden die Tiere krank, schlimmstenfalls sterben sie.“ Damit der Bestand nicht zu groß wird, kommt gelegentlich ein Jäger aus Wülfrath. „Der hat eine Ausnahmegenehmigung der Kreispolizeibehörde, damit er im Gehege schießen darf.“

Das erlegte Damwild wird anschließend durch den Amtstierarzt untersucht und landet in der Küche der „Kleinen Schweiz“. „Ausweiden, zerlegen, dass machen wir alles selbst. Es wird fast alles verarbeitet. Das ist ein ganz zartes Fleisch aus fast natürlicher Haltung“, so Küchenchef Wiehoff, der selbst vom Ossobuco aus der Wildhaxe schwärmt. „Aber auch die Leber vom Damhirsch ist was ganz Feines.“ Auch wenn das Gehegewild am Ende auf dem Tisch landet, fühlen sich die Tiere in der Kleinen Schweiz wie im Paradies. „Im letzten Winter sind einige ausgebüxt, Nachbarn und Spaziergänger riefen an. Ich brauchte nicht viel zu machen, die kamen alle von allein wieder, so gut es denen hier.“