Neviges : Für Kleingärtner ist der Zug abgefahren

Künftiger Naturerlebnisraum am Schloss Hardenberg umfasst das Gelände des Ruhrverbandes und der Bahn-Landwirtschaft.

Das Hardenberger Schloss soll zum „Erlebniszentrum im Naturraum Neanderland“ werden. Nach dem Beschluss des Rates der Stadt Velbert arbeitet die Verwaltung an der Umsetzung dieses Konzepts. Bei der jüngsten Sitzung des Bezirksausschusses Neviges informierte Planungsamtsleiterin Heike Möller über den aktuellen Stand. Eine Bürgerbeteiligung soll in absehbarer Zeit stattfinden, ein Wettbewerb zur Gestaltung des Außenbereichs für Planungsbüros ist bereits ausgeschrieben. „Auch für die Flächen, die uns noch nicht gehören“, so Heike Möller. Der Sieger soll zwar nicht die Ausführungsplanung für diese Bereiche übernehmen, aber wertvolle Ideen beisteuern, deren Umsetzung angestrebt wird.

Nördlich des Herrenhauses mit seinen Wehrtürmen schließt sich das Gelände des Ruhrverbandes an, wo sich früher eine Kläranlage befand. Heute dient der Bereich der Hochwasserrückhaltung. Heike Möller weiß, dass der Bereich nur eingeschränkt genutzt werden kann. „Details müssen selbstverständlich mit dem Ruhrverband abgesprochen werden. Das gilt auch für den Bachlauf, das ist ein geschützter Naturraum. Hier muss mit der Unteren Naturschutzbehörde und den Nachbarschaftsverbänden gesprochen werden.“ Von dem Ideenwettbewerb werden Vorschläge erhofft, wie der Hardenberger Bach für aktive Naturerlebnisse genutzt werden kann.

Der zweite größere Bereich, der in das Konzept der Naturerfahrung einbezogen werden soll, betrifft den Bereich zwischen dem Bahngelände und dem Pilgerparkplatz. Das gehört seit Jahrzehnten der Bahn-Landwirtschaft, die es an acht Kleingärtner verpachtet hat. „Wir haben bereits mit der zuständigen Stelle bei der Deutschen Bahn gesprochen, die Kleingärtner sind informiert“, so Heike Möller im Gespräch mit der Westdeutschen Zeitung.

„Ich weiß davon seit zwei Monaten“, bestätigt Petra Fuchs, die Vorsitzende des Unterbezirks Langenberg des Bahn-Landwirtschaftsbezirks Essen. Neben den Gartenanlagen am Deilbach in Langenberg gehören auch die am Teimberg in Neviges und eben jene am alten Nevigeser Bahnhof dazu. Die Hobbygärtner müssen nicht sofort ihre Scholle verlassen. Petra Fuchs verweist auf den Ideenwettbewerb. „Das wird frühestens in fünf Jahren so weit sein. Zuerst wird der Parkplatz gemacht“, so ihre Information. „Das ist schon eine traurige Angelegenheit. Ausweichflächen wurden uns angekündigt, aber wir wissen nicht, wo das sein wird. Viele haben ihre Gärten seit 20 oder 25 Jahren und sind weit über 70 Jahre alt, da weiß man nicht, ob die noch einmal mit einem neuen Garten anfangen möchten.“

Die Bahn-Landwirtschaft ist fast so alt wie die Eisenbahn selbst. Sie begann mit dem Bau der ersten Schienenstrecken und dem damit verbundenen Erwerb von Grundstücken durch die Bahnverwaltungen. Vielfach blieben Flächen rechts und links der Gleise ungenutzt liegen. Durch deren Bestellung verschafften sich die teilweise kärglich entlohnten Eisenbahner ein kleines Zubrot. Unter dem Regime der Nationalsozialisten wurden die Aktivitäten der Reichsbahn-Landwirte derart gesteigert, dass sogar Betriebsküchen mit deren Erzeugnissen versorgt werden konnten. Nach dem Zweiten Weltkrieg entfiel immer mehr die Notwendigkeit der zusätzlichen Nahrungsmittelversorgung, dafür wuchs der Erholungswert durch die Beschäftigung im Kleingarten. Die Anpachtung eines Gartens setzt eine Mitgliedschaft bei der Bahn-Landwirtschaft voraus. Auch andere Berufsgruppen kamen zum Zug.