Neviges : „Für Besonderes steht man gerne an“

Trotz des Schnees und Regens kamen die treuen Stammkunden zum ersten Wochenmarkt des neuen Jahres.

Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, dazu leichter Schneefall. Obwohl das Wetter am Donnerstag nicht zum einem gemütlichen Bummel über dem Wochenmarkt einlud, waren etliche Menschen auf der Elberfelder Straße unterwegs, vor einigen Ständen warteten die Kunden mit Abstand geduldig, bis sie dran kamen. So wie Stefan Sondhaus, der sich vor dem der Bäckerei eingereiht hatte und sich die Schneeflocken auf die Mütze rieseln ließ. „Hier gibt es Sachen, die es in anderen Geschäften nicht gibt, wie den Kirschstreuselkuchen für die Schwiegermutter“, so der regelmäßige Besucher des Nevigeser Marktes. „Anschließend gehe ich zu dem Stand mit den Nüssen. Für Gemüse gibt es in der Stadt einen guten Händler“, so der Nevigeser, der für das neue Jahr einen vielfach geäußerten Wunsch hat: „Corona soll zu Ende gehen und die Politik sollte dafür sorgen, dass es schneller geht.“
Andere Kunden kommen gerade wegen des großen Angebotes an Obst und Gemüse sogar aus den Nachbarorten ins Zentrum des Wallfahrtsortes. „Hier ist es immer total frisch“, lautet die Erfahrung von Christel Mendig aus Langenberg. Sie sucht sich die Zutaten für einen Auflauf zusammen und zeigt auf die großen, grünen Zucchini. „Nehmen Sie die Mini-Zucchini dazu, die schmecken viel besser“, so der Ratschlag von Köse Diren: „Bei uns in der Türkei nimmt man fast nur diese Sorte.“ Daneben konnte der Händler einen besonders guten Preis für die Möhren machen, die Nachfrage blieb gering. „Es könnten mehr Kunden unterwegs sein, das Wetter ist einfach schlecht.“

Vor Weihnachten liefen
die Geschäfte noch gut

„Es ist kalt und nass, da gehen die Menschen nicht so gerne raus, aber wir sind da“, stellt Händlerkollegin Eva Kühn fest. Gefragt sind Vitamine in Form von Äpfeln, Clementinen und Apfelsinen. Dazu kommt Gemüse für einen deftigen Eintopf: „Die Leute wollen etwas Warmes.“

Der Fischhändler Patrick de Witte hat jetzt recht wenig zu tun. „Vor Weihnachten liefen die Geschäfte gut, da wurde viel gegessen. Der Januar und Februar sind immer ruhig, das liegt auch daran, dass das Wetter nicht so gut ist.“ Obwohl wegen des Shutdowns alle Gaststätten und Cafés geschlossen sind, müssen sich die Marktbeschicker ihre Notdurft nicht verkneifen: „Wir dürfen die Toilette beim Service Center benutzen“, dankt der Niederländer und kritisiert die Marktgilde: „Die müssten sich da drum kümmern.“

Kritik in Richtung der Marktorganisatoren hat auch Mailis Honig: „Es fehlt ein Käsestand und noch ein Metzger. Früher war noch einer da, da war es ganz gut.“ Generell wünscht sich die treue Marktkundin mehr Stände: „Das zieht mehr Leute an.“

Nach dem ersten Donnerstag im Dezember hat Lothar Peters zum zweiten Mal seinem kleinen Stand in Neviges aufgebaut: Der Hobby-Imker bietet neben seinem eigenen Honig solchen aus Akazien- und Lindenblüten von einem Kollegen aus Brandenburg an, dazu Met, Bärenfang und Propolistinkturen aus eigener Herstellung. Von der Nachfrage war er am Donnerstag enttäuscht: „Im vorigen Monat lief es besser.“ Im Gegensatz zu dem Marktneuling ist der „Kartoffel-Kaiser“ zufrieden. „Die Leute schauen schon auf das Wetter, besonders in Neviges. Anderseits ist zum Monatsanfang noch mehr Geld in der Haushaltskasse.“

„Essen muss man immer“, so die nüchterne Feststellung von Margarethe Karkus, die schlesische Wurstwaren aus eigener Produktion und aus polnischem Import anbietet. „Natürlich kann man die Sachen auch im Discounter kaufen. Ich kann nicht sagen, dass die da schlecht sind, aber unsere Kunden sind mit uns zufrieden und kommen immer wieder.“