Frauenchor Neviges `84: Wie die Herren der Schöpfung

Neviges : Wie die Herren der Schöpfung

Einige Ehefrauen und Töchter von Mitgliedern des Quartettvereins Liederkranz wollten auch singen und gründeten 1984 den Frauenchor Neviges.

„Anfangs waren wir eine ganz kleine Truppe“, erinnert sich Ingrid Fachin. Die Damen trafen sich, während die Ehegatten beim Liederkranz die Stimmen trainierten und beschlossen, selber auch zu singen. So wurde im Januar 1984 der Frauenchor Neviges ’84 im Schützenhaus aus der Taufe gehoben, berichtet die Velberterin. Durch Mund-zu-Mund-Propaganda und eine Zeitungsanzeige war aus ursprünglich zehn Interessentinnen in kürzester Zeit ein Ensemble von 28 Sängerinnen geworden. Der Chorleiter des Liederkranz gab Starthilfe: „Michael Hochmuth hat die ersten Proben unentgeltlich übernommen“, berichtet Fachin. Er stellte sich dann, wie die Chor-Chronik berichtet, gegen ein bescheidenes Honorar der schwierigen Aufgabe: „Nach einem Jahr waren wir 40 Frauen!“, so Fachin.

Für den Namen des Chores habe es zunächst verschiedene Vorschläge gegeben. Dass es beim „Arbeitstitel“ Frauenchor Neviges ’84 blieb, hatte durchaus einen Grund, sollte der Chor doch anfangs an den Quartettverein angegliedert werden – dabei aber trotzdem selbständig sein. Dazu kam es jedoch nie, zum Jahresende 2015 hat sich der Quartettverein Liederkranz gar nach 68 Jahren wegen Überalterung aufgelöst. Der Frauenchor ist dagegen mit aktuell 30 Damen und einem modernen, breit aufgestellten Repertoire quer durch alle Sparten – vom Volkslied und Gassenhauer über Popsongs und Gospel bis zu klassischen Liedern – quicklebendig: „Wir haben nicht nur Spaß an der Musik, wir treffen uns auch zu gemeinsamen Unternehmungen“, sagt Chor-Sprecherin Gabriele Pohley.

Seit zwölf Jahren steht Thomas Bartel den Damen als Dirigent kreativ und geduldig zur Seite: „Viele Bearbeitungen unserer Chorstücke stammen von Ihm“, so Pohley. Der Wuppertaler sieht den Chor nicht nur stimmlich – Alt sowie Sopran I und II sind breit besetzt – gut aufgestellt: „Man muss sich heute was einfallen lassen“, sagt der Chorleiter, und das sei den Damen mit dem modernen Repertoire gelungen. Nach dem Chorsterben, das ausgangs der siebziger Jahre einsetzte, stoße Singen wieder auf großes Interesse. Casting-Shows, Wettbewerbe und das beliebte „Rudelsingen“ habe einen Anschub gegeben. Die Zahl der Kinderchöre habe deutlich zugelegt. „Die Entwicklung ist bei den Erwachsenen-Chören aber noch nicht angekommen“, so Bartel. Nachwuchs ist daher auch beim Frauen-Chor immer willkommen. Ohnehin sei Singen gesund – gut für Atmung, Kreislauf, Bewegung und nicht zuletzt für das seelische Gleichgewicht, betont der Chorleiter.

Vom Volkslied und Gassenhauer über Popsongs und Gospel

Für das Jubiläumskonzert haben die Damen ein „Best of“ zusammengestellt – ein buntes und flottes Programm mit vielen bekannten Melodien. „Conquest of Paradise“ von Vangelis, das als Einmarschlied von Henry Maske berühmt wurde ist ebenso vertreten wie Paul McCartneys „Mull of Kintyre“ oder „Sailing“ von Rod Stewart. Echte Klassiker sind „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ von Bill Ramsey oder Hildegard Knefs „Für mich soll‘s rote Rosen regnen“. Nicht fehlen darf „Die Rose“, quasi die Hymne des Ensembles – „ein Lied das sehr einfühlsam das breite Spektrum menschlicher Gefühle schildert und am Beispiel der Rose die Liebe erklärt“, so Pohley: „Darum haben wir als Motiv für die Plakate eine rote Rose gewählt.“ Unterstützt werden die Damen durch Elena Fuchs (Sopran), Ingo Roza (Dudelsack) und die Band „Living Pearls“. Außerdem wird das Ensemble im neuen Outfit auftreten, gesponsert von der Sparkasse HRV aus dem Zweckertrag des PS-Sparens: „Schwarze Blusen und pinkfarbene Loops, passend zur Rose“, erläutert Pohley.

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