Ford-Pensionäre blicken ohne Groll zurück

Der Verein hält Kontakt zwischen den ehemaligen Kollegen des Autokonzerns. Rentner veranstalten regelmäßig Feiern und Ausflüge.

Wülfrath. Auch wenn Herbert Buckard und Heinz Bäse schon lange nicht mehr für Ford arbeiten, dem Auto mit dem oval-blauen Logo fühlen sich die beiden Rentner weiter verbunden. „Der Marke bleiben wir treu“, sagt Bäse, Beisitzer des Ford-Pensionärsvereins Wülfrath, mit einem leichten Schmunzeln. Der ehemalige Kollege Buckard, der lange Jahre Vorsitzender des Pensionärsvereins war, kann dieser Aussage nur zustimmen. Auch er fährt heute noch einen Ford, obwohl es das Unternehmen unter diesem Namen schon seit dem Jahr 2000 nicht mehr in Wülfrath gibt.

Foto: Bosse

Damals hatte der US-Autokonzern sein Komponentengeschäft ausgegliedert, unter dem Namen Visteon wurde die Produktion von Zuliefererteilen — unter anderem für Lenksysteme — eigenständig. Buckard und Bäse waren zu dem Zeitpunkt schon aus dem Unternehmen ausgeschieden; gegen Zahlung einer Abfindung sagten sie dem Unternehmen nach fast 40 Jahren Betriebszugehörigkeit 1998 beziehungsweise 1999 „Adieu“. Ein Schritt, der ihnen sicher nicht leicht fiel, der aber angesichts der wechselvollen Geschichte, die nach 2000 am ehemaligen Ford-Standort folgte, wohl richtig war. Heute sind beide 79 Jahre alt und treffen sich regelmäßig mit ehemaligen Kollegen von Ford und dem Nachfolgeunternehmen Visteon — der Ford-Pensionärsverein Wülfrath macht es möglich.

Karl-Heinz Todisco, Vorsitzender des Ford-Pensionärsvereins

Erst vor Kurzem feierten 69 Mitglieder des Vereins im Restaurant „Kleine Schweiz“ in Tönisheide ihr Sommerfest. Derzeit hat der Verein noch rund 100 Mitglieder, Vorsitzender ist aktuell Karl-Heinz Todisco, immerhin 34 Jahre bei Ford unter Vertrag. Ende Januar 2003 kassierte er ebenfalls eine Abfindung und ging wie etliche andere Kollegen in den frühzeitigen Ruhestand.

Auch wenn der Abschied etwas erzwungen wurde, schaut er nicht mit Groll zurück: „Ford war unsere Mutter. Ohne Ford hätten wir nicht das, was wir heute haben“, sagt er. Dieser Einschätzung können auch Buckard und Bäse zustimmen, das Trio hat sich an einem Tisch in der „Kleinen Schweiz“ zusammengefunden, um einen Blick zurückzuwerfen. Alle drei sind froh, dass es den Pensionärsverein gibt. „Hier kann man alte Kameraden noch mal treffen“, freut sich Buckard, der als Versandleiter bei Ford gearbeitet hatte.

Noch heute erinnert ein Schild auf dem Gelände des ehemaligen Ford-Standortes an seine Tätigkeit: „Für Ordnung und Sauberkeit verantwortlich: Herbert Buckard“ ist dort immer noch zu lesen. Ein Umstand, der unter den Pensionären immer wieder für Flachs sorgt. Ansonsten verfolgen die drei Rentner das weitere Schicksal am ehemaligen Ford-Standort — Visteon firmierte zu Tedrive Steering um, mittlerweile wurde es von dem Konzern Knorr-Bremse übernommen — aber mit unterschiedlich viel Leidenschaft.

Während Todisco die Nachrichten um das Unternehmen mit Interesse begleitet („Man fühlt sich Ford immer noch verbunden“), haben Bäse und Buckard deutlich mehr Abstand zu dem Geschehen. Allerdings räumen auch beide ein, dass sie an dem Unternehmen weiterhin hängen. Insofern können alle froh sein, dass es den Pensionärsverein gibt.

Am 2. Oktober 1986 wurde der Verein gegründet: 44 Mitarbeiter des Ford-Werks Wülfrath trafen sich damals in der Kantine, um nach dem Vorbild des Ford-Pensionärsvereins Köln einen Rentnertreff zu organisieren. Ähnliche Vereine gibt es unter anderem auch noch in Saarlouis und Düren. Im Wülfrather Pensionärsverein reicht die Alterspalette von 65 bis 91 Jahren. Neben den ehemaligen Mitarbeitern von Ford gehören auch einstige Beschäftigte von Visteon dazu. Übrigens dürfen auch Ehepartner und Freunde der Mitglieder in den Verein eintreten. Einzige Voraussetzung: Sie müssen schon im Rentenalter sein oder zumindest den Vorruhestand erreicht haben.

Dafür bietet der Pensionärsverein unter anderem viermal im Jahr eine Tages- sowie einmal im Jahr eine mehrtägige Reise. In diesem Jahr fuhren die Mitglieder Ende Mai für acht Tage über den Rhein - von Köln nach Basel und zurück. Im zweiten Halbjahr 2017 steht für den 16. August noch ein Ausflug in den Duisburger Hafen mit einer zweistündigen Hafenrundfahrt und einer Besichtigung einer Brauerei auf dem Programm. Am 6. Dezember folgt eine Fahrt zum Weihnachtsmarkt am Schloss Dyck bei Mönchengladbach. Zudem gibt es ein Oktoberfest, ein traditionelles Grünkohlfest im November und — zum Jahresabschluss — die Weihnachtsfeier am 14. Dezember.