Neviges : Firma blockt Infektionswege

Der Verarbeiter von Kunststoff Kreideweiss stellt sich auf das Coronavirus ein.

Praktisch von jetzt auf gleich musste sich die Firma Kreideweiss wegen der Corona-Pandemie umstellen. Bei dem Unternehmen, das Acrylglas in alle möglichen Formen bringt, ließ die Nachfrage nach Vitrinen, Displays, Regalen, Tischen und Theken schlagartig nach, weil Messen und Ausstellungen abgesagt werden mussten. Ebenso kamen weniger Aufträge aus der Werbewirtschaft und dem Maschinenbau herein. Dennoch stand das Telefon nicht still: „Supermärkte, Ärzte, Apotheken, Kioske, Tankstellen und Verwaltungen wollten ganz schnell einen Schutz vor Tröpfcheninfektion für die Mitarbeiter haben“, berichtet Anne Rosza-Kreideweiss. „In den meisten Fällen in einer Größe so um die 150 Zentimeter Breite und 80 Zentimeter Höhe mit einem Ausschnitt zum Durchgreifen“, beschreibt die geschäftsführende Gesellschafterin den durchschnittlichen Formatwunsch.

Der Schutz ist nur ein kurzfristiges Geschäft

„Oft konnten wir am Telefon beraten, meistens reichte eine Handskizze mit den Maßen aus. Nur in seltenen Fällen sind wir raus gefahren, das hätten wir bei der großen Anzahl nicht überall geschafft. Wir hatten im letzten Monat über die Maßen zu tun, wir arbeiteten in zwei Schichten. Es war sehr chaotisch, aber das war nur eine Welle. Die Mitarbeiter haben es gut mit getragen, jetzt wird es deutlich ruhiger“, sagt Anne Rosza-Kreideweiss. „Der Schutz war nur ein kurzfristiges Geschäft, nichts für permanente Aufträge, man weiß nicht, wie es weiter geht.“

Für den kurzfristigen und flexiblen Einsatz der Kreideweiss-Belegschaft in Sachen Seuchenvorsorge gab es viele positive Rückmeldungen von den Kunden. „Unser Mitarbeiter fühlen sich jetzt hinter den Scheiben sicher“, hieß es da. „So ein Lob spornt an. Dazu haben wir Berge von Süßigkeiten durch Ärzte und Apotheken erhalten – das hebt die Stimmung“, freut sich die Geschäftsführerin über die Anerkennung für ihre 27 Angestellten.

Dabei gab es zeitweise Schwierigkeiten, das glasklare Material aus Erdöl zu erhalten. „Die Lieferanten hatten die Produktion hochgefahren, wir haben gekauft, was wir kriegen konnten. Neben unseren deutschen Lieferanten bestellten wir in Spanien und England.“ Die durchsichtige Rohware wird in der Stärke zwischen 0,75 bis 150 Millimetern in Platten von drei mal zwei Metern in die Fertigungsräume an der Ringstraße gebracht. Der umfangreiche Maschinenpark wird durch Fachleute bedient, um das Plexiglas zu kanten, schneiden, gravieren, erwärmen und um es zu verkleben.

Das Nevigeser Unternehmen Kreideweiss verarbeitet neben dem durchsichtigen Kunststoffglas weitere technische Kunststoffe. Hier macht sich Corona ebenfalls bemerkbar: So werden im Tiefziehverfahren Teile für Seifenspender hergestellt, deren Produktion hochgeschnellt ist. „Wir haben im ersten Vierteljahr die Menge produziert, die sonst in zwei Jahren bearbeitet“, berichtet Rosza-Kreideweiss.

Die Volljuristin hatte ursprünglich eine Karriere im Rechtswesen geplant, dann übernahm die 40-jährige die Geschäftsführung des 1909 gegründeten Familienunternehmens. Großvater Erich Kreideweiss begann 1952 mit einer Handelsvertretung für die Firma Röhm, dem Erfinder und Hersteller von Plexiglas. Vater Peter weitete das Geschäftsfeld auf die Verarbeitung des Materials aus, 1971 zog das Unternehmen von Wuppertal nach Neviges, 2012 übernahm Anne Rosza-Kreideweiss die Unternehmensführung: „Ein sehr interessante Aufgabe.“