Wülfrath : Falschparker behindern oft die Feuerwehr

Testfahrt: Das Ordnungsamt schaute sich jetzt die Situation aus der Sicht der Brandbekämpfer an.

Das Löschfahrzeug wiegt 14,5 Tonnen, ist 7,50 Meter lang, 3,30 Meter hoch und 2,50 Meter breit. Sieht aus wie neu, ist aber tatsächlich schon seit 15 Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr Wülfrath im Einsatz. „Wir pflegen unsere Sachen“, stellt Sven Salomon, der stellvertretender Wehrleiter, fest. Mit diesem und weiteren schweren Lkws rücken die ehrenamtlichen Helfer aus, wenn sie gebraucht werden. Immer wieder kommt es allerdings vor, dass die Brandbekämpfer nicht so schnell den Einsatzort erreichen, wie es möglich wäre. „Die Straßen sind unpassierbar, weil Personenwagen falsch abgestellt werden. Das ist abends besonders schlimm“, klagt der Stadtbrandinspektor.

Aus diesem Grund gab es im Rahmen des wöchentlichen Übungsdienstes eine Rundfahrt durch die Wohngebiete, wo es immer wieder durch Falschparker Probleme für die Löschfahrzeuge gibt. Wehrleiter Guido Großmann nahm selbst das Steuer in die Hand und zirkelte den schweren MAN durch das abendliche Wülfrath.

Die Sicherheit der Menschen
im Notfall gewährleisten

Mit an Bord waren Ordnungsleiter Sebastian Schorn und eine Mitarbeiterin des Kommunalen Ordnungsdienstes, die aus gegebenen Anlass Verwarnungen schrieb. „Wir machen das nicht, damit das Ordnungsamt viele Knöllchen kriegt, sondern um die Sicherheit der Menschen im Notfall zu gewährleisten“, sagt Schorn. „Wenn Menschenleben in Gefahr sind, schieben wir mit dem Löschfahrzeug auch schon mal ein Auto weg“, stellt Sven Salomom klar. „Es ist schon lange her, da habe ich das mal bei einem Brand an der Tiegenhöfer Straße erlebt. Für den Schaden am Wagen muss der Autobesitzer dann selbst aufkommen, denn er hat ja falsch geparkt.“

Währenddessen zirkelt Guido Großmann routiniert das schwere Feuerwehrfahrzeug durch enge Wohnstraßen, haarscharf vorbei an den Außenspiegeln der parkenden Pkws, manche Mauer kommt bedenklich nahe, gelegentlich peitschen die noch kahlen Äste gegen die Karosserie. „Von unseren aktiven 85 Mitgliedern haben 30 einen Führerschein für einen schweren Lkw, nur einer ist Berufskraftfahrer. Alle sind auf die einzelnen Fahrzeuge eingewiesen“, versichert Sven Salomon. „Regelmäßig sind die Fahrer mit den großen Autos unterwegs, um im Training zu bleiben.“

Heute sei gar nicht so viel los, wundert sich Guido Großmann über disziplinierte Autofahrer. Doch dann will das Abbiegen von der Ernst-Moritz-Arndt-Straße in die Havemannstraße nicht klappen: Ein japanischer Kleinwagen steht verbotenerweise im Einmündungsbereich, Großmann muss mehrmals zurück- und vorziehen, damit die knapp 15 Tonnen um die Ecke kommen.

Die Breite der Fahrbahn muss mindestens drei Meter betragen

Während der Kommunale Ordnungsdienst eine Verwarnung ausstellt, macht sich Schorn Notizen. „Mit den anderen Ämtern werden wir schauen, wie wir die Situation verbessern können.“ Weiter geht’s, an der Tannenbergstraße wird es wieder sehr eng: Links steht ein Kastenwagen, rechts verhindert eine Mauer das Ausweichen. „Die Fahrbahnbreite muss mindestens drei Meter sein“, verweist Schorn auf die Vorschriften, während die Mitarbeiterin das Maßband ausrollt. Es sind nur 2,90 Meter. Bevor ein Knöllchen geschrieben werden kann, ist der der Besitzer des Fahrzeugs auf die Situation aufmerksam geworden. „Ich habe den Wagen doch schon so nahe wie möglich an die Hecke gesetzt“, so sein Argument. „Dann suche ich jetzt einen anderen Parkplatz.“ Die Einsicht ersparte ihm eine Zahlung an die Stadtverwaltung. Der Halter eines weißen Kia im Wohngebiet Karlshaus kam nicht so glimpflich davon, er bekommt demnächst Post von der Stadtverwaltung.

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