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„Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“

„Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“

Der katholische Pfarrer Jürgen Arnolds teilt seine Gedanken über das Weihnachtsfest mit den Lesern der Westdeutschen Zeitung.

Wülfrath. Weihnachtsmärkte hinter Betonpollern, ein beklemmendes Gefühl bei Menschenmassen, jeden Tag Schreckensnachrichten. Ich könnte einstimmen in den Chor des Lamentierens, will es aber nicht. Ich will einstimmen in den Chor der Engel auf den Hirtenfeldern von Betlehem: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“

„Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“
Foto: Bahrmann

Ist das nicht eine einfache, ja billige Durchhalteparole? Ich glaube das nicht, ich glaube vielmehr, dass Weihnachten in diesem Jahr sehr ähnlich dem ersten Weihnachtsfest ist, als Jesus dort im Stall geboren wird. Auch die damalige Zeit ist keine ruhige, besinnliche Zeit. Das Land, in das hinein der Sohn Gottes geboren wird, ist politisch aufgeheizt, es gibt Gewalt und Unsicherheit. In diese Zeit hinein sendet Gott seinen Sohn und er sendet ihn auf eine anrührende, ja geradezu zärtliche Weise. Gottes Sohn kommt als wehrloses Kind, in der ganzen Macht der Ohnmacht. Und dennoch ist das die Zeitenwende, seitdem berechnen wir die Jahre „nach Christi Geburt“.

Die Menschwerdung Gottes ist eine Botschaft der Liebe. „Erschienen ist die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes“, schreibt der Apostel Paulus an seinen Mitarbeiter Titus. Die Güte und Menschenfreundlichkeit Gottes ist das größte Geschenk zu Weihnachten. Der Engel, der den Hirten auf den Feldern von Betlehem die Freudenbotschaft der Menschwerdung Gottes verkündet, sagt: „Heute ist euch der Retter geboren.“ Die Botschaft von Weihnachten ist eine Botschaft für unser „heute“.

Gott liebt seine Schöpfung, er will nicht die Zerstörung, die Ungerechtigkeit, er will nicht Krieg, Hass, Gewalt, den Tod. Unsere Antwort darauf soll die Hinwendung zu Gott sein, denn ein Mensch, der Gott aus dem Blick verliert, verliert auch den Frieden; eine Gesellschaft, die Gott aus dem Blick verliert, verliert ihre Mitte.

Die ersten, die das erkannt haben und sich auf den Weg zum Sohn Gottes machen, sind die Hirten. Sie haben die Botschaft verstanden und eilen nach Betlehem und erfahren dort große Freude. Die nächsten, die kommen, sind die Sterndeuter aus dem Osten. Auch sie haben sich auf den Weg zu Gottes Sohn gemacht, auch sie erfahren große Freude. Der Chor der Engel auf den Feldern von Betlehem jubelt: „Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade.“

In diesen Chor will ich einstimmen. Ehre sei Gott in der Höhe, der uns Menschen liebt und deswegen nicht in der Höhe bleibt, sondern uns nahe kommt als ein Mensch wie wir. „Frieden auf Erden“ ist möglich, wo Menschen sich wieder Gott zuwenden und sich durch seine Güte und Menschenfreundlichkeit verändern lassen.

So wünsche ich allen Leserinnen und Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest mit der Einladung: „Mach es wie Gott, werde Mensch!“