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Velbert: Entlassungen bei Firma Huf: Einigungsstelle wird angerufen

Velbert : Entlassungen bei Firma Huf: Einigungsstelle wird angerufen

Automobilzulieferer will 2020 seine Gießerei in Velbert schließen.

Die Leitung des Huf-Werks in Velbert hatte die Entscheidung kürzlich auf einer Mitarbeiterversammlung für den betroffenen Betriebsteil verkündet. Um angesichts des weiter verschärften Kostendrucks in der Automobilindustrie wettbewerbsfähiger zu werden, optimiere die Huf Group im Rahmen eines Restrukturierungsprogramms ihr weltweites Produktionsnetzwerk, so die Begründung. Für die Gießerei, die Gussteile für Schließgarnituren, Lagerbügel und Lenkschlösser produziert, seien verschiedene Optionen analysiert wurden, einschließlich eines möglichen Verkaufs.

Die Auslastung der Gießerei
ist nach wie vor rückläufig

„Unser Ziel war es, nicht nur eine optimale Belieferung unserer Kunden zu gewährleisten, sondern auch möglichst viele Arbeitsplätze in der Gießerei zu erhalten“, erläuterte Tom Graf, Huf-Finanzchef und für die Restrukturierung verantwortlich. „Trotz intensiver Verhandlungen mit verschiedenen Interessenten ergab sich aber weder eine wirtschaftlich tragfähige noch im Hinblick auf die Arbeitsplätze in Velbert nachhaltige Lösung, was wir sehr bedauern.“ Angesichts der weiter rückläufigen Auslastung der Gießerei sehe man sich gezwungen, die Produktion bis Ende 2020 schrittweise zu verlagern“, so Graf – dem Vernehmen nach wird künftig in Spanien gegossen.

Die Verlagerung ins Ausland stellt indessen für Hakan Civelek, Erster Bevollmächtigter der IG Metall, die aus Velberter Sicht schlechteste Lösung dar. Seiner Ansicht nach könne man die Gießerei outsourcen, wie Huf dies schon mit der Kunststoffabteilung praktiziert habe. Der Gewerkschafter nahm auf Anfrage der WZ zum aktuellen Stand der Verhandlungen Stellung, nachdem Unternehmen und Betriebsart gemeinsam sozialverträgliche Lösungen für die Gießerei-Mitarbeiter suchen wollten: „Es ist eine offene, sehr vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit“, betonte Civelek. Die inhaltlichen Differenzen seien allerdings so groß, dass Arbeitgeber und Betriebsrat sich vor einigen Tagen darauf verständigt haben, die Verhandlungen zum Abschluss eines Interessenausgleichs und eines Sozialplans für gescheitert zu erklären.

Vorsitz führt der ehemalige Direktor des Amtsgerichts Bonn

Im September soll nun im Rahmen einer Einigungsstelle weiter verhandelt werden. Das Gremium setzt sich aus je vier Vertretern von Arbeitnehmern und Arbeitgebern sowie von beiden Seiten benannten Fachleuten unter dem Vorsitz eines ehemaligen Richters – in diesem Fall der einstige Direktor des Amtsgerichts Bonn – zusammen. Was dabei herauskomme, sei völlig offen, so Civelek, der befürchtet, dass beim Personalabbau das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Bereits im Juni hatte das Unternehmen ein Freiwilligen-Programm aufgelegt, um 50 Stellen abzubauen.

Die Huf Group entwickelt und produziert mechanische und elektronische Schließsysteme sowie Zugangs- und Berechtigungssysteme für die globale Automobilindustrie. Das Familienunternehmen verfügt über Standorte in Europa, Amerika und Asien und beschäftigte weltweit rund 10 000 Mitarbeiter, davon rund 1500 am Standort Velbert, der die zentrale Verwaltung, Entwicklung und Produktion umfasst.