Neviges Einzel- oder Online-Unterricht

Neviges · . Manfred Hagling steht die Musik buchstäblich ins Gesicht geschrieben: Wenn der Musikpädagoge seine Schützlinge in die Geheimnisse der Tonkunst einführt, sind Mund und Nase passenderweise unter einen Notensystem verschwunden.

 Musikuntericht unter Masken: Manfred Hagling (l.) unterweist im Musikalischen Erlebniszentrum Max Bolte in gebührendem Abstand in der Handhabung des Keyboards.

Musikuntericht unter Masken: Manfred Hagling (l.) unterweist im Musikalischen Erlebniszentrum Max Bolte in gebührendem Abstand in der Handhabung des Keyboards.

Foto: Ulrich Bangert

„Die Maske hat mir meine Frau besorgt“, so der bekannte Nevigeser Chorleiter, dessen Sing- und Chorschule auch Keyboard-Unterricht anbietet. Letzterer ist seit Dienstag unter stark eingeschränkten Bedingungen wieder möglich. „Normalerweise habe ich vier Keyboards und das Masterkeyboard besetzt, jetzt ist nur Einzelunterricht erlaubt. Beim Hereinkommen reiben wir uns die Hände mit Desinfektionsmittel ein, der Abstand ist sichergestellt, und der Schüler trägt auch eine Maske.“ Manfred Hagling bedauert es sehr, das Singen derzeit nicht möglich ist. „Chöre dürfen sich nur im Abstand von 1,50 Meter aufstellen, es gibt deshalb keine Proben, weil wir keine ausreichend großen Räume haben. Wir hoffen, dass wir das Konzert zum ersten Advent veranstalten können.“

Der Bundesverband hat ein Hygienekonzept entwickelt

Bei den anderen privaten Musikschulen hat der Betrieb inzwischen ebenfalls begonnen. „Wir setzen das Hygienekonzept des Bundesverbandes der Musikschulen um“, stellt Knuth Kornatz dar, Geschäftsführer von „Music’s cool“ in Neviges fest. „Es gibt Mund-Nasen-Schutz für Schüler und Lehrer, die Raumfläche muss größer als zehn Quadratmeter sein, wenn sich zwei Personen darin aufhalten. Beim Singen oder Blasen müssen pro Person zehn Quadratmeter vorhanden sein.“

Während der Schließung hatten Knuth Kornatz und Kollegin Annika Gaida ein Angebot mit Online-Videos vorbereitet. „Das war sehr viel Arbeit.“ Neben den populären Programmen Skype und Zoom hatte der Musiker eine Gamer-Plattform als geeignet entdeckt, die besonders kurze Reaktionszeiten hatte. Dennoch ist der Musikvermittler froh, dass er zumindest mit dem Einzelunterricht wieder anfangen konnte: „Vieles ist über Video nicht möglich. Das kann ich nicht einfach sagen: ,Gib mal kurz, die Gitarre, die muss ich mal eben stimmen.’“ Kornatz dankt der „Super-Kundschaft“, weil Abmeldungen in der unterrichtsfreien Zeit gegen Null tendierten.

Ulrich Chudobba von der Musikschule Fröhlich in Tönisheide hatte überraschend positive Erfahrungen über die Bildschirme gemacht: „Das funktionierte ganz gut, das hätte ich nicht gedacht. Am Montag beginnt der Einzelunterricht, natürlich mit Maske und Abstand. Auch wenn das hauseigene Akkordeonorchester mit dem des Elberfelder Bayer-Werks fusioniert hat, wird noch auf Tönisheide geprobt, weil von dort viele Nachwuchsspieler kommen.

Bei der städtischen Musik- und Kunstschule herrscht zwar keine Maskenpflicht im Unterricht, aber der Gesichtsschutz muss in den Fluren getragen werden. „Wir haben in unserem Gebäude an der Kaiserstraße alles ausgeschildert, am Haupteingang geht es rein und am Nebeneingang wieder raus“, beschreibt Heile Jorzig die Abstandsregelungen, die man auch im Gebäude der Heinrich-Kölver-Schule einhält, wo ebenfalls der Einzelunterricht wieder begonnen hat. „Masken, Seife und Desinfektionsmittel haben wir uns teilweise selber besorgt“, hebt die stellvertretende Musikschulleiterin das Engagement der Kollegen hervor. Die hielten in der Zeit der ganz strengen Restriktionen online oder per Telefon Kontakt zu den Schülern. „Da haben wir viele interessante Erfahrungen gesammelt und viel gelernt. Das möchten wir auch gerne in Zukunft anbieten, regulär, oder wenn jemand krank ist. Corona hat dazu den Anstoß gegeben, den Schülern macht es Spaß, und bei den meisten ist es gut angekommen.“