Wülfrath : Ein Ort für besondere Kinder

Die Bergische Diakonie bietet Kindern mit besonderem Förderbedarf einen sicheren Anlaufpunkt.

. Eins haben die zehn KInder des Fuchsbaus gemeinsam: In der klassischen Schule war für sie kein Platz, zu besonders sind ihre Bedürfnisse, zu individuell ihr Förderbedarf. Ein sicheres Auffangnetz haben die vier Mädchen und sechs Jungs aber bei der Bergischen Diakonie gefunden. In der Heilpädagogisch-therapeutischen Tagesgruppe lernen sie schulische Strukturen kennen, mit viel Ruhe und Geduld. Leslie Kampmann ist Teamleiterin des bunten Haufens, der aus eben zehn Kindern zwischen sechs und 14 Jahren sowie vier weiteren Personalkräften besteht. Darunter Pädagogen und Sonderpädagogen.

Die Kinder werden individuell nach ihren Fährigkeiten betreut

Von Montag bis Freitag findet im Fuchsbau ein etwas anderer Alltag statt, der zunächst mit einem gemeinsamen Frühstück und einer Gesprächsrunde beginnt. „Denn wenn bei den Kindern etwas Außergewöhnliches vorgefallen ist, beispielsweise wenn ein Haustier verstorben ist oder sich die Eltern gestritten haben, dann können wir darauf ganz gezielt reagieren“, erklärt Leslie Kampmann. Nach dem Tagesstart geht es für die Kinder in den Klassenraum. Und dort wird, je nach Entwicklungsstand, Unterricht angeboten. „Es kann dann auch mal passieren, dass ein Kind sowohl den Stoff für Deutsch der vierten Klasse bearbeitet, aber nur den der zweiten Klasse in Mathe. So individuell können wir arbeiten“, erklärt Lehrer Ralf Schmitz.

Er hat sich ganz bewusst für eine Anstellung an der Evangelischen Förderschule beworben. Die Tagesgruppe ist der schulischen Einrichtung angegliedert, die sich ebenfalls auf dem Gelände befindet. „Man hat sich ebenso bewusst für mich entschieden. Und das hat mir gezeigt, dass ich hier richtig bin. Auch wenn ich jeden Tag einen längeren Anfahrtsweg habe“, so Ralf Schmitz, der verrät, dass nicht der Lernzuwachs im Vordergrund steht. „In erster Linie geht es darum, dass die Kinder wieder Spaß am Lernen entwickeln. Viele Kinder, die hier ankommen, verbinden die Schule mit etwas Schlechtem.“

Während der Schulblöcke können die Kinder Murmeln sammeln und somit die Erfolge des eigenen Tages gut einschätzen. Anschließend findet ein gemeinsames Mittagessen statt, bevor es entweder in weitere Angebote oder in ein Freispiel geht. „Alle Kinder haben eine emotional soziale Entwicklungsstörung, die durch ganz unterschiedliche Ursachen entstehen kann. Diese Entwicklungsstörung ist ausschlaggebend, um in unsere Tagesgruppe zu kommen“, erklärt Leslie Kampmann, die auch eine enge Zusammenarbeit mit den Familien fokussiert. „Denn die Familien müssen ebenfalls unterstützt werden. Sie halten noch weiter durch und geben sich und die Kinder nicht auf. Das ist vorbildlich“, berichtet sie weiter.

Ziel ist es, alle Kinder irgendwann wieder in ein normales Schulsystem einzugliedern. Bis es aber soweit ist, können mehrere Jahre vergehen. Unter Druck wird niemand gesetzt. Im Gegenteil. „Hier wird jeder so angenommen, wie er ist“, so die Teamleiterin, die beispielsweise von einem zwölfjährigen Jungen berichtet, der seit dem Wechsel in ihre Einrichtung nicht mehr spricht. „Er kommuniziert mit einer Zaubertafel mit uns. Wir können ihn verstehen und das ist die Hauptsache. Wenn er nicht sprechen möchte, dann ist das für uns in Ordnung.“

Die Kinder danken es ihren Betreuern mit großer Herzlichkeit, aber auch mit Offenheit. Denn Ehrlichkeit ist ein Grundstein des Konzeptes. „Ich finde es hier schön, weil ich mich endlich wieder auf die Schule hier freue. Nur nicht auf Mathematik“, gibt die Schülerin Sarafina mit einem Grinsen im Gesicht wieder.

Im Fuchsbau hat sie Freunde gefunden, mit denen sie auch gerne auf dem Außengelände spielt und Zeit verbringt. „Oder wir fahren Inliner. Das macht mir besonders viel Spaß“, erklärt ihre Freundin Melina. Und Adil, der freut sich jeden Tag aufs Neue darauf, wieder in die Gruppe zu kommen.

Nachmittags wird zudem auch gemeinsam gekocht. „Dann gibt es ganz oft Pizza und Nudeln“, verraten die Kinder im Chor. Und in den Schulferien? Auch dann ist die Einrichtung größtenteils geöffnet. „Schule haben wir dann nicht“, erklärt Sarafina. „Dafür machen wir gemeinsame Unternehmungen, fahren in Freizeitparks oder in das Irrland“, berichtet Sarafina abschließend.