Wülfrath : Ein Baufeld für bis zu 800 Neu-Düsseler

Die Planungen befinden sich in einem ganz frühen Stadium, aber die Stadt möchte die Voraussetzungen dafür schaffen, dass der Ortsteil seinen Beitrag für das Wachstum Wülfraths leisten kann.

„Die Gäste von der Stadtverwaltung haben richtig Schwung in den Abend gebracht“, freute sich Vorsitzender Thomas Kaulfuß (61) im Gespräch mit der WZ über eine lebhafte und informative Jahreshauptversammlung des Bürgervereins Düssel, zu der am Dienstagabend rund 70 Mitglieder in das Pfarrheim an der Dorfstraße gekommen waren. Der Technische Dezernent Martin Barnat und Planungsamtsleiter Stefan Holl berichteten den Düsselern über den Stand der den Stadtteil betreffenden Planungen und beantworteten Fragen zur Wohnbebauung des Sportplatzes, zur möglichen Radweganbindung des Bahnhofs Hahnenfurth-Düssel und zum Vorhaben der Stadt, durch eine Änderung im Regionalplan langfristig eine Bebauung für bis zu 800 Neu-Düsseler zu ermöglichen. Letzteres löste bei der Dorfgemeinschaft auch Unmutsäußerungen aus.

„Düssel hat für Wülfrath eine besondere Bedeutung, es ist ein Pfund, mit dem wir auch touristisch wuchern können. Wir wollen hier das Vereinsleben, die Kirchengemeinden unterstützen, aber die Stadt hat derzeit nur sehr begrenzt Möglichkeiten, auf die Bautätigkeit Einfluss zu nehmen“, führte Martin Barnat zunächst zur mit der Bezirksregierung abzustimmenden Regionalplanänderung aus. Konkret geht es um zehn Hektar Ackerfläche westlich der Düsseler Straße und nördlich des Hahnenfurther Weges. Düssel solle ein Kleinod bleiben, aber durch ein behutsames Wachstum könne die Gastronomie im Ort dauerhaft funktionieren und wahrscheinlich auch leichter ein Nahversorger gewonnen werden, so der Dezernent.

„Der dörfliche Charakter ist dann futsch. Sie argumentieren scheinheilig“ und „Der Bürgerverein sollte sich gegen den Plan stellen, weil die neuen Einwohner Düssel nicht helfen werden“ bekam Barnat aus dem Auditorium zu hören. „Sich einfach gegen eine Idee zu stellen, ist nicht in Ordnung. Es geht doch darum, eine Zukunftsplanung in Gang zu setzen. Man kann doch nicht die Käseglocke über Düssel stülpen“, warb dagegen Michael Becker, der ehemalige Vorsitzende des Vereins, dafür, weiter den Dialog zu suchen.

„Die Bebauung kommt nicht auf einen Schlag und sie muss eine gute Qualität haben, ähnlich der Bauten, die gegenüber der Wasserburg entstanden sind. Wir wollen uns an einem Ideenwettbewerb beteiligen“, betonte Martin Barnat. Düssels Beitrag zur Wachstumsstrategie „Wülfrath 22 plus“ könnte im Zuge des Wettbewerbs „Europan 15“ konkreter werden, bei dem junge Architekten städtebauliche Entwürfe für verschiedene Regionen entwickeln. Wülfrath beteiligt sich mit Solingen, Hilden, Ratingen und dem Düsseler Areal am Wettbewerb.

Doch erst einmal sollen auf dem Sportplatz 25 Wohneinheiten, Einzel- und Doppelhäuser, entstehen. „Das Bauleitverfahren und die Änderung des Flächennutzungsplans stehen auf unserer Prioritätenliste für 2019. Aufgrund unserer personellen Situation kann ich aber über keine neuen Erkenntnisse berichten“, so der Dezernent. Es sei weiter offen, wie die Häuser anzufahren sein sollen. Der Entwurf sieht die Zufahrt auf die Anwohner-Sackgasse durch den Grubenbereich neben der Tillmannsdorfer Straße vor. Dass das Einfahren auf die viel befahrene Landstraße im Kurvenbereich nicht unproblematisch ist, darauf hatte der Bürgerverein bereits hingewiesen. Diese Einschätzung teilen laut Barnat nun auch Polizei und Landesbetrieb Straßen NRW. „Denkbar ist eine Lösung über einen Kreisel, eine Ampel oder die Verschiebung der Zufahrt an den Dorfermühlenweg. Das müssen wir alles noch prüfen. Wenn sich Änderungen ergeben, stellen wir sie Ihnen selbstverständlich vor“, versprach Barnat.

„Wie steht es um die Bodenuntersuchung des Sportplatzes?“, wollte ein Zuhörer wissen. „Ja, wir haben die Tragfähigkeit und das verwendete Material analysieren lassen. Aber die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen“, antwortete Barnat.

Die Verlängerung des Radweges vom Hohlweg zum neuen Haltepunkt der S 28 ist schon lange eine Forderung des Bürgervereins. Stefan Holl berichtete jetzt: „Wir können den Gehweg entlang der Tillmannsdorfer- und Dornaper Straße mit einfachen Mitteln auf 2,50 Meter verbreitern. Der wird dann mit dem blauen Schild bergauf für Radfahrer freigegeben.“ Radler können, aber müssen ihn nicht nutzen. Mit den Fahrradverbänden sei abgestimmt, dass es bergab keinen Weg geben muss. „Radfahrer sind dort fast genauso schnell unterwegs wie die Autos“, erklärte Holl. Auch auf Wuppertaler Stadtgebiet sei die Verbreiterung unter Inanspruchnahme des Schutzgrünstreifens beziehungsweise eines Wassergrabens möglich. „Die Stadt Wuppertal dürfte wenig Interesse an der Verbreiterung haben, aber könnte dem Vorhaben zustimmen. Wir gehen davon aus, dass wir alles zahlen müssen“, prognostizierte der Planungsamtsleiter.

Im Gespräch sei die Stadt zudem mit den Nahverkehrsplanern des Kreises Mettmann über die Taktung der Busse der Linie 641 auf die S 28. „Unser Ziel ist es, dass dreimal in der Stunde die ankommenden Züge erreicht werden. Fahrplantechnisch würde das funktionieren. Derzeit fahren die Busse zweimal pro Stunde. Daher werden auch die Kosten für die Stadt um ein Drittel steigen“, erklärte Martin Barnat.

Das letzte Wort zu beiden Projekten hat der Stadtrat, die politische Diskussion soll im Juni beginnen.