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Wülfrath: Effert: Ein „Weiter so“ ist falsches Signal

Wülfrath : Effert: Ein „Weiter so“ ist falsches Signal

Eigentlich liefern die WZ-Sommergespräche einen Rückblick auf das vergangene Jahr. Axel Effert, Fraktionsvorsitzender der CDU, blickt jedoch noch weiter zurück. „Wir müssen im Jahr 2018 beginnen.

Dieses Jahr hat uns durch enorme Gewerbesteuerausfälle die Augen geöffnet, und uns wurde klar, dass wir nicht mehr ausschließlich auf diese Finanzmittel setzen können. Wir brauchen mehr Bürger – die Strategie 22 plus war geboren“, so Effert, der noch immer von dem Gedanken, mehr Menschen nach Wülfrath zu locken, überzeugt ist.

„Unsere Verwaltung kann heute schon ihre Leistungen auch für mehr Bürger vorhalten. Die Corona-Krise hat unser Konzept bestätigt. Wir stehen wieder vor großen Gewerbesteuerausfällen, die durch eine größere Bürgerschaft aufgefangen werden kann“, argumentiert der Christdemokrat. Unumgänglich sei daher auch die Schaffung neuer Wohnbebauung. „Und dabei muss jede Wohnform berücksichtigt werden. Wir benötigen sozial geförderten Wohnraum ebenso wie normalen Geschosswohnungsbau, Reihen- und Einfamilienhäuser.“

Dass eben diese Wohnbebauung nur mit einem gesunden Haushalt realisiert werden kann, gibt Effert zu bedenken und erinnert sich gleichzeitig an eine Untersuchung aus dem Jahr 2018.

„Vom Frühjahr bis Sommer 2018 hat die Verwaltung nach Einsparpotential gesucht. Das Ergebnis hat jedoch enttäuscht. Offensichtlich haben wir es mit einer Verwaltung zu tun, die keinerlei Optimierungsbedarf hat“, so Effert sarkastisch. Kritik übt dieser auch an der Kommunikationspolitik zwischen Politik und Verwaltung. „Uns wird immer nur gesagt, warum etwas nicht funktioniert. Das frustriert und macht es für uns Hobbypolitiker nicht einfacher, Entscheidungen für die Zukunft der Stadt zu treffen.“

Lob hingegen hat Axel Effert für die Bürgerinitiative übrig, die sich gemeinschaftliche für die Zukunft des ehemaligen VHS-Gebäudes einsetzt. „Zunächst waren wir skeptisch. Der Beginn war holprig, doch jetzt sind wir von dem Gedanken überzeugt“, gibt der Politiker wieder und hofft zeitgleich, dass der Umzug der Vereine in das zentral gelegene Gebäude auch einen Mehrwert für die Innenstadt bereithält. Dass sich ein solches Konzept auch auf andere Ebenen spiegeln lässt, davon ist Effert überzeugt. „Ich würde beispielsweise auch gerne die Sporthallen in die Hände der Vereine geben. Dort gäbe es verlässliches Personal aus den Vereinsreihen“, fasst der CDU-Politiker das zusammen.

An anderen Stellen mangelt es an diesem Engagement, daran ist letztlich auch die Idee eines Bürgerbusses bislang gescheitert, der – nach dem Wunsch der CDU – die einzelnen Ortsteile miteinander verbinden sollte. „In anderen Städten gibt es solche Bürgerbusse, die teilweise durch Pensionäre der Verkehrsbetriebe unterstützt werden. Das wäre auch in Wülfrath wünschenswert, leider haben wir diesen Gedanken verwerfen müssen.“ Und so setzt die CDU weiterhin auf den Ausbau des Schienen- und Busnetzes. „Die Gleise ab den Kalkwerken sind noch vorhanden, werden aber nicht für den Personenverkehr benutzt. Vielleicht kann man auch diese ausbauen“, mutmaßt Effert, der diesen Gedanken gerne weiter verfolgen möchte. Dass besonders die Taktverdichtung im Öffentlichen Personennahverkehr nicht an den Wülfrather Finanzmitteln scheitert, sondern schlichtweg die Verkehrsbetriebe kein Interesse an einer breiteren Zusammenarbeit haben, ärgert den Wülfrather. „Wülfrath ist diesbezüglich sprichwörtlich abgeschnitten, und wir können nichts ändern, weil die Befugnis nicht bei uns liegt.“

Axel Effert wagt im Sommergespräch auch einen Blick in die Zukunft und zeigt sich optimistisch. „Wir wollen: Mehr für Wülfrath“, fasst er mit dem Wahlslogan seiner Partei zusammen. Mit Andreas Seidler setzt die CDU auf einen Kandidaten aus dem Herzen der Stadt. „Unser Kandidat ist durch die Generationen mit dieser Stadt verbunden und hier bestens vernetzt“, ist sich der Fraktionsvorsitzende sicher. „Er hat sein gesamtes Leben in Wülfrath verbracht, interessiert sich für die Vereinswelt und kennt die Probleme der Stadt.“ Effert räumt dem CDU-Spitzenkandidaten gute Chancen ein. Und auch für die Fraktion prognostiziert er eine hohe Erfolgsquote. Derzeit hat die CDU 13 Sitze im Stadtrat. „Wir würden gerne alle 16 Wahlkreise gewinnen.“ Dass sich der Wahlkampf in Corona-Zeiten nicht einfach gestaltet, dessen ist sich der Wülfrather Politiker bewusst. Und doch möchte die CDU mit Info-Ständen in allen Stadtteilen für Präsenz sorgen. „Und wir werden auch in den Wahlkreisen an den Haustüren vorbeigehen. Natürlich mit Sicherheitsabstand!“