Wülfrath : Düsseler Reitschule ringt um Existenz

Der „Kleinen Tinker Reitschule“ in Düssel droht die Schließung, sollte der Lockdown nicht bald enden oder sich genügend Unterstützer finden.

. Seit 2019 betreibt Eva von Danwitz die „Kleine Tinker Reitschule“ in Düssel. Mit dem Lockdown begann für die junge Unternehmerin eine harte Zeit, die mittlerweile auch Auswirkungen auf ihre Pferde hat. „Wenn wir nicht bald wieder starten könne, dann werde ich Ponys verkaufen müssen“, gibt sie wieder. Eigentlich trainieren in der Woche rund 40 Kinder und Jugendliche in der Reitschule, die mitten in der grünen Landschaft des Stadtteils Düssel gelegen ist. Eltern-Kind-Angebote, aber auch Longen-Training und Gruppenstunden bietet Eva von Danwitz an.

Ein paar wenige Kunden zahlen aus Solidarität ihren Beitrag

Die Nachfrage vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie war groß, der Wegbruch der zahlenden Besucher schmerzt daher umso mehr. „Die Fixkosten für die Pacht, aber auch für Futter und Versicherung laufen weiter. Ein paar wenige Kunden bezahlen aus Solidarität ihren Beitrag, aber das setze ich natürlich nicht voraus“, so Eva von Danwitz, die daher einen Spendenaufruf gestartet hat. Gerne möchte sie auch nach dem anhaltenden Lockdown wieder mit dem gleichen Angebot starten. Und das geht nur, wenn die Tiere bleiben. Acht Ponys der Rasse Tinker, die sich durch ihre robuste und liebevolle Art auszeichnen, gehören der Reitschule an. Ebenso ist das Rentnerpony Peggy festes Stallmitglied.

Eine Lkw-Ladung Heu kostet rund 3000 Euro. „Damit komme ich 40 Tage aus. Dann ist das Futter weg. Auch der Schmied kommt weiterhin zu uns. Das sind Kosten, die ich irgendwann nicht mehr stemmen kann“, macht die Betreiberin auf ihre dramatische Situation aufmerksam. Und noch ein weiterer, negativer Nebeneffekt der anhaltenden Schließung macht sich bemerkbar. Die Tiere, die ansonsten mehrmals täglich ans Laufen gekommen sind, werden aktuell nur noch notbetreut. Heißt, sie werden nur noch einmal am Tag bewegt.

„Das ist für die Ponys, die regelmäßiges Arbeiten gewohnt sind, nicht gut. Unser Blacky hat mittlerweile Probleme mit einem Fuß. Von Bekannten habe ich gehört, dass ihre Pferde Probleme mit Koliken haben. Das ist bei uns zum Glück noch nicht der Fall, aber auch diese Sorge ist da“, so Eva von Danwitz, die sich um jedes ihrer Vierbeiner sorgt. Sollte es wirklich zu einem Verkauf einzelner Ponys kommen, wüsste sie aktuell nicht, wer zuerst den Stall verlassen muss. „Man hat zu jedem Tier eine ganz eigene Bindung. Es würde dann sicher eines der Tiere werden, die noch nicht so lange bei uns sind. Aber daran will ich aktuell noch gar nicht denken.“

Die Nachfrage der kleinen und großen Reitgäste reißt bei der Kleinen Tinker Reitschule nicht ab. Immer wieder klingelt das Handy der Reitlehrerin, die gerne positive Nachrichten für ihre Kunden bereithalten würde. Doch bisher gibt es kein Datum für eine Wiedereröffnung. „Wir gelten als Individualsport und mussten schließen. Dabei sind die Kinder und Jugendlichen bei uns immer an der frischen Luft. Unsere Reithalle ist teilgeöffnet und auch auf unserer Stallgasse sind alle Fenster offen. Wenn ich am Wochenende die Spaziergänger an unserem Stall vorbeilaufen sehe, dann halten diese weniger Abstand, als es bei mir der Fall wäre“, ärgert sich die Unternehmerin.

Zwei Spendenboxen hat sie am Außengeländer ihres Stalls aufgehängt. Die ersten 200 Euro sind von einem Spaziergänger auch schon gespendet worden. „Mit dem Hinweis, dass er die Ponys auch gerne weiterhin bei seinen Spazierrunden auf der Weide sehen möchte. Das hat mich wirklich sehr gefreut“, bedankt sich Eva von Danwitz. Für einen sorgenfreien Weiterbetrieb in der Corona-Zeit genügt diese Spende aber noch nicht. Die Wülfrather Initiative Foodsharing ist auf die Situation der Stallbesitzerin aufmerksam geworden und bringt regelmäßig Äpfel und Möhren vorbei. Eine Geste, der auch manche Reitgäste nachkommen. Manchmal fallen sogar ein paar Gurken für die beiden auf dem Hof lebenden Schweine an. „Für solche Spenden sind wir natürlich auch dankbar“, versichert  Eva von Danwitz, die jede Art der Solidarität begrüßt und dankbar annimmt. Irritiert ist die Stallbetreiberin zudem, dass es in anderen Bundesländern andere Regeln gibt. „In Niedersachsen beispielsweise dürfen Reitschulen geöffnet haben. Dieses Hin und Her ist nicht nachvollziehbar.“