„Düssel hat eigenen Charme“

Mit einem historischen Kirchweihfest feiert die katholische Gemeinde den 900. Geburtstag der Kirche St. Maximin.

Wülfrath. 900 Jahre thront sie bereits auf dem kleinen Hügel am Düsseler Dorfplatz. Doch nicht nur als Gebäude bildet die katholische Kirche St. Maximin den Mittelpunkt von Düssel — auch im Leben der Menschen spielt sie eine zentrale Rolle. Das war im Mittelalter so, und das ist heute noch der Fall. Deshalb wollten auch alle in Düssel an dem großen Kirchweihfest Samstag und Sonntag teilnehmen.

„Zusammen das Kirchweihfest feiern und auch allgemein zusammenzurücken in Düssel, das ist uns wichtig“, sagte Wolfgang Daldrup, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats. Bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen schlenderten die Besucher am Samstagnachmittag zwischen Wurstständen, Kuchenbuffet und Bierwagen durch das Dorf. Heitere Musik schallte von einem Kinderkarussell über den Vorplatz des katholischen Pfarrheims. „Aus dem traditionellen Kirchweihfest entwickelte sich im Laufe der Zeit die heutige Kirmes“, erklärte Pastor Heinz-Otto Langel. Nur spiele heute bei der Veranstaltung einer Kirmes der christliche Hintergrund oftmals keine Rolle mehr.

Das Kirchweihfest in Düssel hingegen stand ganz in der Tradition der damaligen Volksfeste. Wie zur Grundsteinlegung der Kirche Anfang des 12. Jahrhunderts zogen Menschen in mittelalterlichen Kutten über den Düsseler Dorfplatz. „Den historischen Aspekt wollen wir den Besuchern auch etwas nahe bringen“, so Daldrup.

Der gelernte Wachszieher Sven Ibsch von der Kerzenfabrik Schlösser aus Köln demonstrierte direkt neben dem historischen Gemäuer die Kunst der Kerzenherstellung. „Das Wachs stammte früher aus Bienenwaben oder auch von Walen. Der Walfang war an Deutschlands Küsten sehr verbreitet“, sagte Ibsch, während er zwei Mädchen bei dem Einfärben ihrer Kerzenrohlinge half.

Vor dem Restaurant „Armer Ritter“ hatten die Georgsritter ihr Lager aufgeschlagen. Ab und zu mischten sie sich unter die Besucher des Kirchweihfestes und musizieren auf ihren historischen Instrumenten.

Rund um das Thema Reformation ging es an dem Stand der evangelischen Gemeinde Düssel. Neben einer Bibelausstellung und einer originalgetreu nachgebaute Druckpresse von 1450 kann auch eine ökumenische These an eine Tür angeschlagen werden. „95 Thesen sollen zusammenkommen, so wie sie Luther damals an die Kirchentür in Wittenberg nagelte“, erläuterte Pfarrer Jochen Lütgendorf. Berthold und Susanne Boom schrieben als erstes ihre Thesen auf kleine Zettel und befestigten sie an der Tür. „Ein gemeinsames Abendmahl. Das würde ich mir wünschen“, so Susanne Boom. Die Wuppertalerin ist mit ihrem Mann Mitglied in der katholischen Gemeinde Wülfrath und empfindet das Abendmahl als etwas sehr Trennendes.

Nebenan druckte Ulrich Schmickler den Psalm 23, 1-3, auf ein gelblich gefärbtes Papier mit der alten Druckpresse. „Meine Frau und ich wohnen in Velbert-Neviges, aber sonntags kommen wir immer nach Düssel, um in die Kirche zu gehen“, berichtete der Rentner. „Düssel hat seinen ganz eigenen Charme und ist ein besonderes Fleckchen hier in der Umgebung.“

Mit einem professionellen Feuerwerk ging der erste Tag des Kirchweihfestes eindrucksvoll zu Ende. Die glitzernden Funken und Sternenregen sind teilweise auch in Wülfrath am Himmel zu sehen.

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