Velbert : Drogen – ein wachsendes Problem

Der Jugendhilfeausschuss wollte einen runden Tisch zum Thema Betäubungsmittel diskutieren, doch dann kam alles anders.

Der Drogenkonsum unter Jugendlichen werde in Velbert zunehmend zum Problem sagt Torsten Cleve: Um dessen Umfang zu erfassen und angemessene Maßnahmen planen zu können, möchte die CDU einen runden Tisch einrichten.

Im Gespräch mit der WZ erläutert Cleve, der sich seit mehr als 20 Jahren politisch im Bereich Jugendhilfe engagiert, dass das Thema von verschiedenen Seiten an ihn herangetragen worden sei: „Es gibt offenbar einige brisante Stellen insbesondere in Langenberg, aber auch in den anderen Stadtteilen, wo man leicht an Drogen kommen kann.“ Jugendliche wüssten recht genau, wo sie bei Bedarf Drogen erhalten, so Cleves Einschätzung nach diversen Gesprächen: „Aus unserer Sicht besteht Handlungsbedarf, gegebenenfalls stadtweit.“ Wichtig seien ein effektives und informelles Zusammenspiel sowie ein intensiver Austausch von Stadtteilzentren und Schulen, Polizei, Ordnungsbehörde und Jugendgerichtsbarkeit – Cleve will insbesondere die Funktionsträger zusammenbringen, die von Amts wegen zur Verschwiegenheit verpflichtet sind und sich im fachlichen Austausch untereinander in die Tiefen des Themas begeben können.

„Ich finde es schade, wenn man wieder Zeit verstreichen lässt“

Dem Gremium sollen keine Politiker angehören, es soll aber dem Jugendhilfeausschuss umfänglich berichten, damit dieser Beschlüsse fassen und Maßnahmen in die Wege leiten kann. Man benötige ein Gesamtbild und ein Konzept, um dem Problem zu begegnen.

Zum Beschluss, den runden Tisch auf den Weg zu bringen, kam es jedoch nicht – schon im Vorfeld hatte Michael Schmerler (Grüne) mit Blick auf die Corona-Lage sowie die Vorgabe, Sitzungen der Ratsgremien kurz zu halten und auf zwingend notwendige Punkte zu beschränken, beantragt, den Punkt zu verschieben. Bis dahin sollten das Jugendamt und die Fachberatung der Bergischen Diakonie fachliche Informationen liefern. Cleve folgte dem Ansinnen nach kurzer Diskussion, war darüber aber nicht glücklich: „Ich finde es schade, weil man nun wieder Zeit verstreichen lässt.“

Es gehe im ersten Aufschlag nicht darum, die Beteiligten sofort zusammenzutrommeln, sondern Kontakte herzustellen und organisatorische Vorbereitungen zu treffen, damit die eigentliche Arbeit umgehend beginnen könne, wenn es die Pandemie wieder zulasse. Letztlich blieb es bei der Verschiebung. Anschließend nahm sich der Ausschuss fast eine Dreiviertelstunde Zeit, um einen Vortrag zur „Realisierung von Effektivitäts- und Effizienzpotentialen im Bereich der Hilfen zur Erziehung“ anzuhören und zu diskutieren.

Eine Vorstellung zwar nicht vom Drogenkonsum, aber von der Anzahl der Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz vermittelt die Statistik der Polizei. Danach nahmen die Drogendelikte in Velbert von 161 in 2017 auf 213 im Jahr 2018 zu, sanken dann um zehn auf 203. Eine klare Tendenz, wohin die Reise geht, ist noch nicht erkennbar: „Die aktuellen Zahlen für 2020 befinden sich zur Zeit in der Auswertung“, erläutert Polizeisprecherin Diane Dulischewski. Allerdings gebe es zum einen eine hohe Dunkelziffer, zum anderen kämen Drogendelikte nicht selten als „Beifang“ bei anderen Straftaten ans Licht, so dass die Zahlen im Vergleich schnell variieren können.

Den zahlenmäßig größten Einzelposten stellen in Velbert Delikte um Cannabis mit 94 (2017), 140 (2018) und 120 (2019) Fällen, während Heroin, Kokain und Crack in der Statistik durchgängig nur im einstelligen Bereich auftauchen. Was die erfahrene Polizistin, die vor ihrer Tätigkeit in der Pressestelle über 20 Jahre mit Drogendelikten befasst war, insbesondere bei Jüngeren feststellt, ist eine zunehmende Verharmlosung von Drogenkonsum, angefangen beim Alkohol: Aufklärung, Prävention seien daher die wichtigsten Maßnahmen im Kampf gegen Drogen aller Art.