Die Zwei vom Jugendhaus dürfen ruhig Klartext sprechen

Die Zwei vom Jugendhaus dürfen ruhig Klartext sprechen

Meggie Hahn und Reiner Schmidt suchen die Heranwachsenden an ihren Treffpunkten auf, sprechen mit ihnen und werden akzeptiert.

Wülfrath. Die Hip-Hop-Musik scheppert blechern aus dem Handylautsprecher. Die Jugendlichen stehen cool in einer Gruppe bei einander. Der Ton ist rau, ab und zu klirrt eine Bierflasche. Gerade die älteren Leute machen einen großen Bogen um sie, schütteln verständnislos den Kopf. „Jugendlichsein ist ein Zwischenalter, für das es keine Lobby gibt — höchstens bei Mc Donalds“, sagt Reiner Schmidt, der mit Meggie Hahn inmitten der Teenager Platz nimmt.

Das Team der Fachgruppe Kinder- und Jugendförderung betreibt seit einem Jahr zusätzlich zur Arbeit im Jugendhaus die „Aufsuchende Arbeit“. Sie treten mit Jugendlichen auf öffentlichen Plätzen in Kontakt, sprechen mit ihnen über ihre Wünsche und über Regeln. „Wir sehen uns als Botschafter zwischen den Erwachsenen und den Jugendlichen“, sagt Reiner Schmidt, der mit seinen 52 Jahren bei den Teenagern gut ankommt.

„Klar kennen wir den“, sagt Dennis (16). „Wer kennt den nicht?“ Nervig seien die zwei Jugendarbeiter nicht, erzählen die Jungs und Mädchen, die sich gerade auf dem Schulhof der Angerschule zusammengefunden haben. Schon von weitem wird gewunken — scherzhaft geflachst. Man kennt sich mit Vornamen. „Mit Meggie und Reiner reden wir über alles, auch über Privates“, sagt Kevin (17), „oder wenn es Ärger mit Anwohnern gab.“

Das nämlich lässt auch die Jugendlichen nicht unberührt: „‘Scheiß Alkoholiker‘ hat ein Mann letztens zu mir gesagt, nur weil ich eine Bierflasche in der Hand hielt“, erzählt Nico (16). Reiner Schmidt und Meggie Hahn nehmen die Probleme der Jugendlichen ernst — und wollen selbst ernst genommen werden. „Wir klären sie über ihre Rechte, aber auch über ihre Pflichten auf“, sagt Meggie Hahn. „Der öffentliche Raum ist ein Angebot, das auch von Jugendlichen genutzt werden darf. Nur müssen die sich an die Regeln halten“, ergänzt Schmidt.

Und zu diesen Regeln gehört unter anderem: Kein Bier unter 16, Zigaretten erst ab 18, den verursachten Müll ordnungsgemäß entsorgen und keine Passanten anpöbeln. Die gute Seele des Jugendhauses ist im Umgang mit den Jugendlichen „gnadenlos offen“, wie Schmidt selbst von sich sagt. Er spricht die Sprache der Jugend, scheut sich aber auch nicht davor, ihnen Zigaretten wegzunehmen und klare Worte zu finden — präventive Arbeit, wie es das zweiköpfige Team nennt.

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