Neviges : „Eine Katastrophe biblischen Ausmaßes“

Waldbesitzer und Förster sehen den heimischen Wald wegen der Trockenheit stark bedroht.

.  Nach dem dritten heißen Sommer mit viel zu wenig Niederschlag sind die Trockenschäden im Wald nicht zu übersehen: Fichten stehen ohne Nadeln da, die Buchen weisen seit Wochen vertrocknete, braune Blätter auf. Für  Lothar Schnegelsberg, der als Revierförster für das Bergische Land die privaten Waldbesitzer berät, stellt sich die Lage dramatisch dar: „Eine absolute Katastrophe von biblischen Ausmaßen. Wir haben ein massives Buchensterben.“

Ursache ist der ausbleibende Regen, der örtlich sehr unterschiedlich ausfällt: So hat es in Wülfrath ein bisschen mehr geregnet als im Windrather Tal. Dort auf dem Hof Judt ist Thorsten Wemmers als Landwirt und auch als Waldbesitzer besonders  betroffen. „Nicht nur die Buchen, sondern auch die Eichen, Eschen und Ahorn sterben ab, das ist ein massives Problem.“

Der ehemalige Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Velbert/Wülfrath verweist auf den ausbleibenden Regen: „Im langjährigen Mittel fallen im Jahr 1150 Liter Wasser auf den Quadratmeter, in den letzten Jahren waren es weniger als 500 Liter. Von März bis Ende August, also genau in der Vegetationsphase, fielen knapp 100 Liter Wasser. Wenn es jetzt regnet, hilft das den abgestorbenen Laubholzbeständen nicht mehr, die sind tot. Vielleicht stellt sich bei einzelnen Bäume im nächsten Jahr nochmal eine Belaubung ein.“

Für den Waldbauer ist das ungeheuerlich: „Das sind stabile  Mischwaldstände mit 120 bis 140 Jahren alten Buchen. Die Bäume brechen auseinander, das Holz ist nicht mehr zu vermarkten.“  Einfach neue Bäume in die Erde setzen löst das Problem nicht: „Dafür bracht man Wasser. Der größte Teil der Neuanpflanzungen aus den vergangenen fünf Jahren ist vertrocknet. Mal sehen, wie sich das entwickelt, ich habe das Gefühl, dass hier etwas gekippt ist.“

Thorsten Wemmers räumt ein, dass er  diese Ausmaße nicht für möglich gehalten hat. Umso mehr ist er verwundert, dass die meisten Menschen das Problem nicht wahrnehmen. Für die Privatwaldbesitzer ist die Situation eine kostspielige Angelegenheit. So hat Till Bredtmann in den vergangenen Jahren ein fünfstelligen Betrag aufwenden müssen, um der Versicherungspflicht nachzukommen. „Verkaufen braucht man das Holz erst gar nicht, ich nutze es zum Heizen des Hauses.“

Peter Tunecke, der Geschäftsbereichsleiter Forst bei den Technischen Betrieben Velbert, hätte solche Schäden ebenfalls nicht für möglich gehalten und beurteilt die Lage pessimistisch: „Ein Drittel aller Buchen geht kaputt, bei den Altbuchen wird es komplett so sein. Die Fichte hat in unserer Höhenlage keine Zukunft mehr.  Der Borkenkäfer geht auch an andere Nadelbäume, Spitzendürre sehen wir bei der Lärche. Die Eiche bildet viel Totholz, bei der Roteiche sieht es etwas besser aus, der Ahorn macht große Sorgen, weil sich dort der Rußige Rindenpilz breit macht. Die Buche ist extrem betroffen, sie stirbt rasant ab, das kannten wir bisher nicht. Die hohen Temperaturen schädigen das Kambium, die Rinde bekommt einen regelrechten Sonnenbrand.  Seit etwa 250 Jahren hat es solche Waldschäden nicht gegeben. Seit drei Jahren schlagen wir noch Schadholz ein, auch deshalb, weil wir einen Erholungswald gestalten wollen. Bäume, die ein Risiko darstellen, entnehmen wir.“

Der Forstwirt in städtischen Diensten setzt wie sein Vorgänger seit vielen Jahren auf einen artenreichen Mischwald, der zeigen wird, welche Bäume letztlich überleben werden.  Die Hitze erhöht die Waldbrandgefahr, weshalb rund um Neviges die Wege im Wald ausgebaut wurden, weswegen Peter Tunecke von Spaziergängern heftig angegangen wurde. „Ein Wegekonzept und bestimmte Breiten sind notwendig, damit Feuerwehrfahrzeuge Wasser in den Wald bringen können.“