Neviges : Die Kleine Schweiz erhebt eine „Maut“

Parkplätze werden immer mehr von Wanderern belegt – Restaurantgäste sind sauer.

Wer in der Schweiz die Autobahn befahren will, muss seit Jahrzehnten eine Abgabe entrichten. Wer in der Kleinen Schweiz parken möchte, muss auch künftig eine Gebühr entrichten. Im Laufe des Monats wird ein Parkscheinautomat aufgestellt. „Das Tagesticket kostet fünf Euro und gilt ab 10 Uhr. Wer morgens noch eine schnelle Runde mit dem Hund drehen möchte, kann umsonst parken, wenn er bis dahin wieder weg ist,“ sagt Jonas Wiehoff. „Der Automat nimmt keine EC-Karten an, sondern nur Bargeld oder Zahlung per App. Der Besucher erhält zwei Zettel: Einen für hinter der Windschutzscheibe und einen fürs Restaurant. Die Parkgebühr wird beim Kassieren erstattet, wenn entsprechend verzehrt wurde“, kündigt der Koch des traditionsreichen Ausflugslokals an der Wimmersberger Straße in Tönisheide an.

Die 70 Stellflächen werden
von vielen Ausflüglern benutzt

„Wenn jemand nur eine Limo für 2,50 Euro trinkt, ist das nicht angemessen. Eine Firma für Parkraumbewirtschaftung stellt den Automaten auf. Von dem Unternehmen erhalten wir ein spezielles Gerät. Wer ohne Ticket parkt, wird fotografiert. Die Daten schicken wir an das Unternehmen, die anschließend eine Strafgebühr von 30 Euro eintreibt, wir kriegen davon nur unsere fünf Euro“, beschreibt Wiehoff junior das Vorgehen. Er betont ausdrücklich, dass seine Familie nichts daran verdienen will. Aber die rund 70 Stellflächen würden zunehmend von Wanderern und Ausflüglern belegt, die nicht ins Restaurant einkehren.

Diese Entwicklung habe vor einigen Jahren begonnen und habe sich durch Corona noch verschärft. Weil im Freizeitbereich nichts mehr angeboten wird, entdecken die Menschen das Wandern. „Immer öfter kam es vor, dass unsere Gäste keinen Parkplatz fanden und teilweise eine halbe Stunde warten mussten, dass einer frei wurde. Selbst wo wir jetzt coronabedingt niemanden bewirten dürfen, finden die Speisenabholer teilweise keine Parkmöglichkeit. Die Gäste sind genervt und beschweren sich über diese Situation“, begründet Senior-Chef Frank Wiehoff den Schritt zur Parkraummiete und verweist darauf, dass man für die Gäste diesen Parkplatz hergerichtet hat, dessen Unterhaltung Kosten verursache. „Wir haben vieles versucht, unter anderem den Bau eines zusätzlichen Wanderparkplatzes, der wurde wegen des Landschaftsschutzgebietes nicht genehmigt“, ergänzt Jonas Wiehoff. „Wenn wir in der Vergangenheit die Parkenden angesprochen hatten, war es immer der falsche Ton. Obwohl dies unser Privatgrundstück ist, meinen viele, es ist Allgemeineigentum. Wenn man etwas sagt, bekommt man unverschämte Antworten und schlechte Restaurantbewertungen im Netz“, so die Erfahrung von Frank Wiehoff.

Der Senior-Chef beschreibt Alternativen: „Besucher des Eignerbach-Rundweges können an allen Zugängen des Weges parken. Die sind am Meiberger Weg, Hochstraße, Neustraße, Auf ́m Angst, Burgfeld, Burgstraße und an der Mettmanner Straße. Dort kann überall auf öffentlichen Flächen geparkt werden.“