Die Hausmannskost überzeugt die Nevigeser

Bereits seit 1973 ist das Parkhaus Seidl eine feste Größe in Neviges. Die ganze Familie ist hier um das Wohl der Gäste bemüht.

Neviges. „Der Mai war immer unser Wonnemonat, da kamen die Pilger in Scharen“, erinnert sich Hans-Josef Seidl. Der Inhaber des Parkhaus Seidl schwärmt von Zeiten, als 10 000 Menschen durch den Ort „getrieben wurden“. Morgens kamen mehrere Sonderzüge, die bis zur Rückfahrt am Spätnachmittag auf verschiedenen Wuppertaler Bahnhöfen abgestellt wurden. „Beim Polen-Sonntag machten wir sogar schon um 8 statt um 10 Uhr auf, weil die immer einen kleinen Aufwärmer brauchten“, sagt „Bubi“ Seidl, dessen Familie auf eine 51-jährige Gastronomietradition in Neviges zurückschauen kann.

„Zuerst hatten wir im Bahnhof angefangen, das war schwierig, weil die Gaststätte einen schlechten Ruf hatte.“ Doch Mutter Gertruds deftige Hausmannskost überzeugte die Nevigeser, und als nach zwei Jahren die Sparkassenmitarbeiter zum Mittagessen kamen, war der Bann gebrochen. 1973 eröffneten die Seidls das Parkhaus, in das nur noch wenige Pilger einkehren.

Die Gründe sind vielfältig. Bei einem Besuch in der Eifel fiel Franz-Josef Seidl an einem Reisebüro ein Plakat auf, das eine Wallfahrt nach Neviges ankündigte, darüber war ein Streifen geklebt „Fällt aus!“. „Da bin ich rein und habe nach dem Grund gefragt. Man gab mir zur Antwort, dass die Leute nicht mehr nur an einen Ort fahren wollen, sondern eine Rundfahrt machen möchten, um den Baldeneysee oder anderes zu sehen.“ Eine Entwicklung, die der Gastronom fast täglich beim Blick auf den Pilgerparkplatz beobachten kann. „Die Busse kommen für ein Stündchen, dann sind sie wieder weg.“

Der Gastwirt wünscht sich, dass in der Stadt wieder was los ist: „Die Kirche kann eine Menge Leute holen, das habe ich vor einem halben Jahr in Kevelear gesehen, da war es voll. Wir haben viele Möglichkeiten in Velbert, da müssen die Leute nicht nach Schloss Burg zum Kaffeetrinken fahren. Ich denke, Kirche und Stadt müssen mal die entsprechenden Busunternehmen ansprechen.“

Statt der Pilger kommen vermehrt Wanderer. „Der Neanderlandsteig hat sich positiv ausgewirkt“, freut sich der 60-Jährige. „Zwar passiert es schon mal, dass sich eine 20-köpfige Gruppe anmeldet, dann ist das Wetter schlecht, und es erscheinen nur zehn.“ Aber das sei nicht die Regel.

Der Wohnmobil-Stellplatz gleich nebenan kommt gut an. „Die wollen abends nicht kochen, die essen lieber hier, dafür bekommen sie den Strom umsonst.“ Veranstaltungen in der Vorburg und der Mittelaltermarkt beleben das Geschäft kaum, „aber bei Minigolf-Turnieren kommen schon einige.“

Neben dem Umsatz mit auswärtigen Gästen wollen die Seidls den Nevigeser Vereinen eine Heimat bieten. „Vater liegen vor allem die Gesangsvereine am Herzen“, verrät Franz-Josef Seidl. Als die Schließung der Stadthalle drohte, ließ Franz Seidl einen Probenraum mit Flügel einrichten. Das Fanfaren-Corps ernannte den Senior wegen seiner Verdienste zum Ehrenmitglied.

Enkel Martin stellt fest, dass mittlerweile die jüngeren Menschen wieder ausgehen: „Die laden gerne schon mal die Eltern zum Essen ein.“ Für Familien mit kleinen Kindern hat die Familie Seidl ein bewährtes Rezept: „Es ist unheimlich wichtig, dass der Nachwuchs zuerst sein Essen bekommt.“