Velbert : Die halbe Miete gibt’s geschenkt

Dem zunehmenden Leerstand von Ladenlokalen in allen drei Velberter Ortszentren, von denen Neviges besonders hart betroffen ist, will die Wirtschaftsförderung aktiv entgegentreten. Aus deren Budget stehen für dieses Jahr 10 000 Euro zur Verfügung.

Der Rat beschloss auf seiner jüngsten Sitzung, für 2021 weitere 30 000 Euro in den Haushalt einzustellen. Anne van Boxel, die vor sieben Monaten von den Heiligenhauser Wirtschaftsförderern in die Leitung der Velberter Wirtschaftsförderung wechselte, ist von der breiten Unterstützung aus der Politik begeistert. „Das hat im Kreis hohe Wogen geschlagen, es gibt bereits Anfragen aus anderen Städten.“

Kein Wunder, denn das Angebot kann sich sehen lassen: Wer im zentralen Versorgungsgebiet von Neviges, Tönisheide, Langenberg oder Velbert-Mitte in einem leerstehenden Ladenlokal ein Geschäft oder eine Gastronomie eröffnet, kann mit einem 50-prozentigem Zuschuss zu der Nettokaltmiete für einen Zeitraum von zwölf Monaten rechnen. „Das ist doch was“, findet Anne van Boxel und setzt noch einen drauf: „Dazu kommt ein einmaliger Basisbetrag als Zuschuss zu den Anschaffungs- und Gestehungskosten bis maximal 2000 Euro.“ Weitere Förderungen, wie zum Beispiel für Dienstleistungen, Handwerk mit Verkauf sowie freie Berufe, sind im Einzelfall möglich. Auf jeden Fall muss das Vorhaben zu einer Belebung und Vielfältigkeit der Zentren beitragen und darf nicht zu einer weiteren Abwärtsspirale führen.

„Dieses eigene Förderprogramm gibt uns die Möglichkeit, die Zielgruppe der Unternehmensgründer besser ansprechen und unterstützen zu können als bisher“, so Anne van Boxel, die das neue Angebot in den Sozialen Netzwerken bewirbt: „Da sind die jungen Start-ups unterwegs und informieren sich.“ Daneben sollen die Immobilienbesitzer auf die Hilfen für die möglichen neuen Mieter aufmerksam gemacht werden. Ausgeschlossen ist die Zuwendung zum Beispiel für Vergnügungsstätten, Filialisten und Textil- oder Ein-­Euro-Discounter.

Nur leerstehende Lokale im Erdgeschoss erhalten Zuwendung

Die Öffnungszeiten des zu fördernden Gewerbes orientieren sich an den Ladenöffnungszeiten der Geschäfte derselben Nutzungsart in der jeweiligen Handelslage. Die Zuwendung wird nur für leerstehende Ladenlokale im Erdgeschoss gewährt und erfolgt nicht bei Erstbezug. Es sei denn, ein Leerstand steht unmittelbar bevor und kann verhindert werden.

Stephanie Rulf, Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderung, hat das neue Förderprogramm maßgeblich mit ins Leben gerufen. „Ich hoffe auf eine große Resonanz, wobei wir unser bestehendes Angebot stärken und ergänzen wollen. Beispiele könnten ein Unverpackt-Laden, eine Kaffeerösterei oder ein ­Coworking Space sein“. Bei letzterem handelt es sich um Büros, die von unterschiedlichen Nutzern zeitweise gemeinsam belegt werden können. So etwas wurde bereits von der Werbegemeinschaft Neviges und von der Piratenpartei ins Gespräch gebracht.

Die Wirtschaftsförderung muss allerdings noch einiges unternehmen, um die neue Offerte in Neviges bekannt zu machen. „Davon habe ich noch nichts gehört“, staunte Barbara Knapp, die mit vielen Nevigesern ins Gespräch kommt, wenn sie mit ihrem Partyservice jeden Mittag die Kunden kulinarisch betreut. „Wer macht sich in Corona-Zeiten denn selbstständig?“ fragt sich Katrin Maier, die hofft, dass die irgendwann vorbei gehen. Die Inhaberin einer Modeboutique kann der Initiative der Stadt einiges Positives abgewinnen: „Im Grunde ist das keine schlechte Idee. Es muss aber zu Neviges passen. Einen Handy-Laden brauchen wir nicht, auch keinen zweiten Kiosk oder eine weitere Buchhandlung. Wenn man nur irgendwas hier hin bekommen möchte, wäre das ­schwachsinnig.“