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Die Geschichte von Gut Thielenhaus in Wülfrath-Flandersbach

Wülfrath : Auf ganz persönlicher Spurensuche

Dietrich W. Thielenhaus hat nach einem Aufruf in der WZ spannende Informationen über das Gut Thielenhaus in Wülfrath erhalten.

Ein paar Bilder und Urkunden, viel mehr besaß Dietrich W. Thielenhaus nicht über das namensgleiche Gut Thielenhaus in Wülfrath-Flandersbach, als er sich auf die Suche nach Informationen machte. Mit einem Aufruf in der Westdeutschen Zeitung wollte er am 16. Juli dieses Jahres die Bevölkerung motivieren, ihm Wissenswertes über seine Dokumente, aber auch über die Historie des Gutshofs zukommen zu lassen. „Mir ging es darum, dass ich Leute finde, die mich bei meiner Ahnenforschung unterstützen“, erinnert sich der Wuppertaler Unternehmer, dessen Vorfahren über Jahrhunderte hinweg auf eben diesem Hof gelebt haben sollen. „Das Gut wurde 1915 von den Kalksteinwerken – heute Lhoist – zu einem Kaufpreis von 186 000 Mark mit dem Ziel übernommen, auf dem 186 Morgen großen Gelände Kalk abzubauen. Dazu ist es allerdings bis heute nicht gekommen. Das Anwesen steht heute noch, allerdings ohne das charakteristische Giebeltürmchen, das auf alten Gemälden und Fotos zu sehen ist“, erklärt Dietrich W. Thielenhaus.

Der Artikel schlug in der Bevölkerung hohe Wellen der Beteiligung und so konnte der Hobby-Ahnenforscher schnell neue Erkenntnisse gewinnen. „Erstmals urkundlich erwähnt worden ist der damalige Hof Teylenhus im Jahr 1362, um 1400 wurde daraus Thielenhusen. Im Jahr 1430 wird der Kotten erstmalig unter dem heutigen Namen dokumentiert. Eine eindrucksvolle Landkarte des „Oberste Amt Medemen“ aus dem Jahr 1477 weist den Hof als Bestandteil der Honschaft Püttbach aus“, so Thielenhaus.

Das Stadtarchiv Wülfrath weist 1584 Hermann zu Thielenhaus als zum Hofesverband Wülfrath zugehörig aus. Ein weiterer schriftlicher Nachweis findet sich im alten Familienstammbuch der Familie Thielenhaus, das im Jahr 1808 die Eheschließung von Wilhelm Thielenhaus („Bauer zu Thielenhaus“) mit seiner Frau Anna festhält, die offenbar nach dem Tode ihres Mannes im Jahr 1846 das Gut verlassen und nach Elberfeld, heute ein Stadtteil Wuppertals, gezogen ist. In der Folgezeit wechselte das Gut Thielenhaus mehrfach seine Besitzer. „Nur der Name blieb bis heute erhalten“, weiß Dietrich W. Thielenhaus, der noch nicht am Ende seiner Erkenntnisse angelangt ist.

„Der WZ-Aufruf hat eine ganze Reihe interessanter Reaktionen ausgelöst. So haben sich mehrere Leser gemeldet, die im 20. Jahrhundert selbst auf dem Gut gelebt haben“, freut sich der Unternehmer. „Es war eine angenehme Erfahrung, auf diese Weise mit liebenswürdigen Zeitgenossen in Kontakt zu kommen, deren Familiengeschichte Schnittstellen mit der meinigen aufweist. Dafür möchte ich allen Zeitzeugen ausdrücklich danken.“

Das Türmchen musste in den
1970ern entfernt werden

Zu den besonders interessanten Zuschriften gehört ein langer, handgeschriebener Brief einer Dame, deren Eltern das Gut Thielenhaus ab 1930 als Pächter bewirtschaftet haben. „Darin beschreibt sie sehr anschaulich die unterschiedlich alten Gebäudeteile mit ihren Funktionen“, berichtet Thielenhaus, der dank dieser Zuschrift auch das Rätsel um das verschwundene Türmchen lösen konnte. „Das Türmchen musste in den 1970er Jahren entfernt werden, weil durch Sprengungen im nahen Steinbruch Risse im Mauerwerk entstanden sind“, so der Wuppertaler, der noch weitere Ausschnitte des Briefes wiedergeben kann. „In prägnanter Handschrift resümiert die Dame, dass das Gut Thielenhaus ihr Elternhaus war. Je älter sie wird, desto mehr Erinnerungen hat sie an ihre Kinder- und Jugendzeit. Außerdem erwähnt sie, dass sich ihre Eltern oft auf dem Hof mit den Eheleuten Thielenhaus aus Wuppertal getroffen haben.“

Eine andere Dame berichtet, ihre Mutter habe im Zweiten Weltkrieg nach einer Bombardierung Zuflucht auf Gut Thielenhaus gefunden. „Sie selbst wurde 1957 geboren, hat ihre ersten Lebensjahre dort verbracht und später ihre weiterhin dort lebenden Verwandten immer wieder gerne besucht“, berichtet Thielenhaus, der zudem zahlreiche Bilder aus dem Privatarchiv der Dame erhielt. Die dritte ungewöhnlich eindrucksvolle Wortmeldung kam von einer Familie, die von 1968 bis 1997 das Gut Thielenhaus bewirtschaftet hat. Der Urgroßvater des Brief-Schreibers hatte bereits Ende des 19. Jahrhunderts dort gelebt.

Tatkräftig unterstützt worden ist Dietrich W. Thielenhaus bei seiner Ahnenforschung durch Ulrich Erbach, einen ehrenamtlichen Mitarbeiter des Niederbergischen Museums. „Er hat es dankenswerter Weise auch übernommen, die im Stadtarchiv Wülfrath verfügbaren Quellen und Dokumente zu sichten und aufzuarbeiten. Und er hat bisher unbekannte Fotos sowie die erwähnte Landkarte von 1477 als Nachdruck beschafft“, zeigt sich der Unternehmer beeindruckt. „Ich ziehe ein rundum positives Fazit der WZ-Aktion. Es ist eindrucksvoll zu erleben, wie viele Menschen sich für Heimatgeschichte interessieren und engagieren. Die Bereitschaft, einem ,Spurensucher’ mit zum Teil sehr persönlichen Berichten und nützlichen Hinweisen zu helfen, habe ich als Bereicherung empfunden.“