Die Ahnenforschung liegt stärker im Trend

Der Genealogische Stammtisch des BGV trifft sich heute Abend. Das Internet erlaubt mittlerweile neue Möglichkeiten der Recherche.

Neviges. In Zeiten der Digitalisierung erlebt das Interesse an der eigenen Familiengeschichte einen Aufschwung. Die Genealogie, wie die Ahnenforschung im Fachbegriff heißt, sei in Zeiten der sekundenschnellen Internetsuche deutlich beliebter geworden, als sie es noch vor der Jahrtausendwende war, sagt Hans-Joachim Lünenschloß, Vorstandsmitglied des Bergischen Geschichtsvereins (BGV), Abteilung Velbert-Hardenberg. „Durch das Internet ist die Suche nach historischen Unterlagen einfacher geworden“, sagt Lünenschloß. Der gelernte Diplom-Ingenieur ist Hobby-Historiker und Experte für Genealogie. Er hat unter anderem schon Kurse zu dem Thema an der Volkshochschule Velbert/Heiligenhaus gegeben.

Im Auftrag des BGV bietet er heute Abend wieder einen genealogischen Stammtisch (siehe Infokasten) an. „Zwischen 15 und 25 Leute kommen zu den Abenden“, erzählt Lünenschloß, der zwar in Essen lebt, dessen Familie aber aus Neviges stammt und dort ein Landgut unterhielt. Über Sprockhövel und Hagen reichen die Spuren der Familie dann bis nach Essen. Bis zum „Stammvater“ Jacobus zu Lünissla (etwa 1500 bis 1579) konnte Lünenschloß seine Familiengeschichte rekonstruieren.

Auch wenn die Recherche zur Familiengeschichte durch das Medium Internet einfacher wurde, so warnt Lünenschloß davor, sich bei der Spurensuche im Internet nur auf seinen eigenen Spürsinn zu verlassen und dann möglicherweise falsche Verbindungen zu konstruieren. „Die Leute arbeiten oft nur im stillen Kämmerlein und ziehen dann mitunter falsche Schlüsse“, sagt er. Deshalb sei es wichtig, sich auf Veranstaltungen wie dem genealogischen Stammtisch auszutauschen und von Experten helfen zu lassen. „Die Unterstützung durch den Verein ist wichtig“, betont das BGV-Vorstandsmitglied. Zudem sei es nicht immer einfach, die Schreibschrift in alten Dokumenten zu entziffern — weil sie zum Beispiel in der deutschen Kurrentschrift verfasst wurde.

Auch von kirchlicher Seite wird das Thema vorangetrieben. So bieten etwa die Mormonen über die Internetseite familysearch.de Hilfestellung bei der Suche nach den Vorfahren. Und die evangelische Kirche hat vor einigen Jahren das kirchenbuchportal.de gestartet. Das gebührenpflichtige Angebot wird von der evangelischen Kirche in Deutschland und mehreren evangelischen Landeskirchen getragen.

Zweimal im Jahr findet der genalogische Stammtisch des BGV statt. Früher sei die Genealogie als „Rentnerhobby“ verschrien gewesen, mittlerweile würden aber auch immer mehr junge Leute Spaß an der Ahnenforschung bekommen, erklärt Lünenschloß. Hilfe bei der Ermittlung der Vorfahren gibt unter anderem der Bergische Verein für Familienkunde mit Sitz in Wuppertal, der 1980 gegründet wurde. Er verfügt auch über eine umfangreiche Bibliothek zu dem Thema.

Neben der Generationenforschung befassen sich Genealogen auch immer wieder mit der Genese von Namen. In der Regel orientierten sich Namen wie Müller oder Schmidt an alten Berufsbezeichnungen, manchmal standen auch körperliche Merkmale wie etwa die Körperlänge bei der Namensgebung Pate, erklärt Lünenschloß. In anderen Fällen wieder spielten der Wohnort oder lokale Besonderheiten bei dem Namen eine Rolle.

Bei der Forschung zu den Namen gebe es allerdings das Problem, dass Namen bis Mitte des 19. Jahrhunderts immer wieder verändert wurden. Das konnte passieren, weil die Pfarrer beim Eintrag der Namen in das Kirchenbuch nicht sonderlich sorgfältig auf die Schreibweise achteten oder „so eine Klaue“ hatten, dass der Name später kaum noch zu lesen war, sagt das BGV-Vorstandsmitglied. Erst im Jahr 1876 veränderte sich die Situation grundlegend: Damals wurden die Standesämter deutschlandweit eingeführt. Sie waren fortan für die Dokumentation von Heiraten und Geburten zuständig — und für die Fortschreibung der korrekten Namen.

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