Deutsches Schloss- und Beschlägemuseum Velbert: Ein Ausflug mit dem Schmied zu den Wurzeln

Velbert : Ein Ausflug mit dem Schmied zurück zu den Wurzeln

Historiker Olaf Fabian-Knöpges fertigt Klingen auf traditionelle Weise. Er ist auch Gast beim Abschiedsfest des Schloss- und Beschlägemuseums.

Hell klingen Hammerschläge über den Platz vor dem Forum Niederberg. Reihum mit zwei Besuchern bearbeitet Olaf Fabian-Knöpges ein Stück glühendes Eisen auf dem Amboss. Aus dem acht Millimeter starken Rundstahl fertigt der Hattinger mit Hilfe seiner Gäste ein Messer. Funken fliegen, dann legt der Schmied das Werkstück zurück ins Holzkohlenfeuer, um es für den nächsten Arbeitsschritt erneut auf Temperatur zu bringen. Der Schmiede-Workshop ist eine Werbe-Aktion für die noch bis zum 14. Juli laufende Neanderland-Biennale, erläutert Yvonne Gönster. Den Museumsschmied kennt sie aus ihrer Zeit in Duisburg: „Ich finde seine Arbeit faszinierend“, so die Mitarbeiterin des Deutschen Schloss- und Beschlägemuseums, die den 58-Jährigen umgehend auch für das Abschiedsfest des Museums, das wegen des Umzugs in neue Gebäude für ein Jahr seine Pforten schließt, engagierte. Beim Fest am kommenden Wochenende wird Olaf Fabian-Knöpges Samstag von 13 bis 17 Uhr wieder Messer mit kleinen und großen Besuchern schmieden.

Der studierter Historiker und Museumspädagoge hat später noch eine Ausbildung zum Schmied absolviert und war unter anderem als Museumsschmied für das Ruhrmuseum Essen (früher Ruhrlandmuseum) am Halbachhammer tätig. Die einfache Esse hat er selber aus Gasbetonsteinen gebaut, ebenso den Blasebalg, den die Besucher im Wechsel betreiben, um das Feuer auf die notwendige Temperatur zu bringen: „Der Job am Blasebalg war früher typische Kinderarbeit“, berichtet Fabian-Knöpges.

Die Esse ist wie ein Exemplar
von vor 300 Jahren aufgebaut

Der simple Aufbau ist vom Prinzip derselbe, der dem hiesigen Schlotschmet zur Verfügung stand, als sich Velbert vor rund 300 Jahren in Europa als Herkunftsort von Schlössern und Beschlägen einen Namen machte. Auch das Anzünden der Holzkohle erfolgte unter Mitwirkung der Besucher nach althergebrachter Weise mit einem Feuerstein.

Inzwischen ist der Stahl wieder rotglühend, und der Schmied schlägt im Wechsel mit Andreas Meding die Spitze des Werkstücks weiter in Form: „Ich wollte gern mal etwas ganz anderes machen als immer nur Akten wälzen“, erklärt der 61-jährige Steuerberater, warum er zu dem Workshop gekommen ist. Die Klinge ist inzwischen schon gut erkennbar, sie wird nun mit einem Schlichteisen geglättet. Der nächste Schritt, die Formung des Messergriffs, erfordert jedoch die Kunst des Handwerkers. Olaf Fabian-Knöpges übernimmt die Arbeit selber, lässt zuvor das Eisen erneut an. Vor dem Feuer schützt er sich mit einer Lederhose, an den Füßen trägt er holländische Holzschuhe: „Die Klompen sind besser als moderne Sicherheitsschuhe, denn die schützen nur vorn die Zehen“, meint er.

Ein paar Schläge, dann ist das kleine Messer fertig. Zischend versinkt es im Wassereimer, dann nimmt Andreas Meding es mit zu den neben der Esse aufgebauten Schraubstöcken, wo er der Klinge mit einer Feile den letzten Schliff verpasst. An Esse und Amboss sind die nächsten Besucher an der Reihe: Alexander Spruck übernimmt den Blasebalg, während sein zwölfjähriger Sohn Luca und der 13-jährige Patrick zu den Hämmern greifen, um ein weiteres Stück Rundstahl zum Messer zu schmieden.

neanderland-biennale.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung