Der Trend geht zur Urne

Es gibt immer weniger Sargbestattungen — und darum viel Platz auf den Friedhöfen.

Velbert. Bis zum Jahr 2050 wird die Bevölkerung in Deutschland um rund sieben Millionen Menschen auf 75 Millionen schrumpfen, hat das Statistische Bundesamt berechnet. Auch in Velbert sinkt die Zahl der Einwohner schon seit vielen Jahren kontinuierlich. In den vergangenen zwei Jahren um rund 1000 auf nunmehr rund 84 000 Einwohner, sagt Bernd Ewald, Leiter des Velberter Standesamtes.

Im demografischen Bericht der Stadt wird der Einwohnerschwund mit einer eindrucksvollen Zahl belegt: In Velbert übersteigt die Zahl der Sterbefälle die Zahl der Neugeborenen jedes Jahr um 300. „Statistisch gesehen ist die Zahl der Neugeborenen zwar fast genau so hoch wie die der Sterbefälle, aber in Velbert entbinden sehr viele Frauen aus Nachbarstädten wie Heiligenhaus, Wülfrath oder Hattingen“, sagt Ewald.

Im ersten Halbjahr 2012 sind in Velbert 528 Menschen gestorben. „Die Zahl der Sterbefälle ist in seit 2009 eigentlich stagnierend“, sagt Ewald. Vor drei Jahren registrierte das Standesamt 1058 Verstorbene, 2010 waren es 1064 und im vergangenen Jahr 1069. „Wobei es sich natürlich nicht bei allen Toten um Velberter handelte. Denn es sterben hier ja auch Menschen, die nicht aus Velbert kommen.“

Auf den fünf kommunalen Friedhöfen Velberts ist nach Auskunft von Gisbert Böker, bei den Technischen Betrieben Velbert (TBV) für die Bereiche Forst und Friedhöfe zuständig, derzeit nicht geplant, die Flächen zu erweitern. Es gebe für den Friedhof Hohlstraße in Langenberg Erweiterungsflächen, „aber wir planen momentan nicht, davon Gebrauch zu machen“, sagt Böker. Denn auf allen städtischen Friedhöfen gebe es noch ausreichend Kapazitäten, „auch wenn wir nicht alle Bestattungsformen auf jedem Friedhof anbieten können“, sagt Böker. Die letzte Friedhofserweiterung, so Böker, hat die Stadt in den 1970er-Jahren für den Nordfriedhof an der Werdener Straße vorgenommen.

Wie in anderen Städten lag die Zahl der Urnenbestattungen und Ascheausstreuungen auch auf den kommunalen Friedhöfen über den Erdbestattungen. „Im vergangenen Jahr hatten wir 214 Erd- und 283 Urnenbestattungen und Ascheausstreuungen“, sagt Thorsten Brandt von der Friedhofsverwaltung der TBV. Auch auf den beiden katholischen Friedhöfen in Neviges gibt es — anders als vor Jahren befürchtet — kein Platzproblem. „Immer mehr Menschen wählen eine Urnenbestattung, und die braucht weniger Platz“, weiß Bruder Frank von den Franziskanern. Während vor einigen Jahren die Sargbestattung noch deutlich überwog, gebe es mittlerweile gleich viele Urnenbeisetzungen. Ein weiterer Trend sorgt ebenfalls für weniger Flächenverbrauch auf den Friedhöfen: Rasenfelder, in denen Sarg oder Urne beigesetzt werden. Bruder Frank: „Viele machen sich inzwischen Gedanken darüber, ob sie 25 Jahre lang eine Grabstätte pflegen und unterhalten können, und entscheiden sich dann für eine Beisetzung in einem Rasenfeld.“ Die hätten aber den Nachteil, dass dort keine Blumen oder Gestecke niedergelegt werden können, was vielen erst im Nachhinein bewusst werde.

An den Bau eines Kolumbariums, wie er auf dem evangelischen Friedhof geplant ist, denkt Bruder Frank derzeit aber nicht.

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