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Neviges: Der ganzheitliche Blick auf den Schmerz

Neviges : Der ganzheitliche Blick auf den Schmerz

Die Vorsitzende des Biochemischen Vereins, Alexandra Nau, legt einen Ratgeber zur naturheilkundlichen Therapie vor.

Biochemie“ – der Begriff klingt für die meisten Menschen immer noch mehr nach Labor und nicht gerade so, als könnte etwas Natürliches dahinter stecken. Die aktuell 42 Mitglieder des Biochemischen Vereins Neviges wissen es besser. Sie sind Anhänger der naturheilkundlichen Lehre des Arztes Wilhelm Schüßler (1821 bis 1898), dessen Ansatz es war, dass viele Erkrankungen durch einen unausgeglichenen Mineralhaushalt der Körperzellen ausgelöst werden. Die Heil- und Chiropraktikerin Alexandra Nau ist seit dem Frühjahr 2018 Vorsitzende des Vereins. Seit der vergangenen Woche ist ihr dritter Ratgeber auf dem Markt. Der lenkt den Blick aber nicht in erster Linie auf die Anwendung der zwölf Schüßler-Salze, sondern auf die „Ganzheitliche, naturheilkundliche Schmerztherapie“. Es gibt Antworten auf die Frage: Welche Möglichkeiten der Behandlung bestehen für Patienten und Therapeuten, neben der schulmedizinischen Schmerztherapie?

Neuer Ratgeber ist aus Skript
für einen Workshop entstanden

„Ich arbeite in meiner Praxis in Velbert-Langenberg sehr viel chiropraktisch sowie mit Faszientechniken, Triggerpunkten, Osteopressur beziehungsweise Akupressur, da zu mir viele Patienten mit akuten oder chronischen Schmerzen kommen. Ich erkläre ihnen, wo ihre Schmerzen her kommen, wie sie zustande kommen können und wie sie selber etwas dagegen machen können. Für einen Kongress-Workshop hatte ich ein Skript erstellt mit den Dingen, die ich den Patienten immer erkläre. Aus dem ist dann ein 150 Seiten langes Buch geworden“, erklärt Alexandra Nau, wie ihr neuer Ratgeber entstanden ist.

Ihre Schmerztherapie mache aus, dass man eben nicht nur den Schmerzpunkt in Augengenschein nimmt, sondern den ganzen Körper. „Es gibt viele Faktoren, die für Schmerzen verantwortlich sein können. Wir haben sogenannte myofasziale Verbindungen im Körper, das heißt, kein Muskel arbeitet isoliert für sich. Jeder ist mit einem anderen Muskel verbunden und auch dieser wieder mit einem weiteren Muskel. Schmerzen, die in der Schulter sitzen, können zum Beispiel durch eine Fußfehlstellung oder einen Beckenschiefstand ausgelöst sein“, verdeutlicht Alexandra Nau.

Schmerzen könnten aber auch durch falsche Ernährung, ein hormonelles Ungleichgewicht, einen Nährstoffmangel oder ein fehlgeleitetes Immunsystem ausgelöst werden. Es müsse genau analysiert werden, was der Auslöser sei.

Und an welche Grenzen stößt der ganzheitliche Therapieansatz? „Wenn eine Kniegelenks­arthrose so weit fortgeschritten ist, dass der Knorpel völlig abgenutzt ist, kann man nur noch symptomatisch arbeiten. Den Knorpel kann ich nicht regenerieren. Man kann in den Fall nur den Schmerz mindern, in dem man guckt, warum der Knorpel denn abgenutzt wurde, um dort therapeutisch anzusetzen“, erklärt Nau.

Wenn ein Patient nicht mitarbeite, keine Übungen macht, nichts an seiner Lebenshaltung ändert, dem könne auch sie nicht helfen. „Der Therapeut gibt 40 Prozent in dem er die Schwachstelle sucht und findet, Blockaden beseitigt, Muskeln lockert. Der Patient gibt die restlichen 60 Prozent“, beschreibt Nau.

In der Regel haben ihre Patienten therapeutisch schon fast alles ausprobiert, um ihre Schmerzen los zu werden. „Bei einer Patientin mit Rheuma konnten wir zum Beispiel über das Immunsystem und die Ernährung sehr gut arbeiten und den Schmerz mindern sowie die Beweglichkeit der Gelenke verbessern. Eine andere mit anhaltendem Schwindel konnte sehr gut geholfen werden, in dem wir am Becken, am 1. Halswirbel sowie an der Muskulatur des Schulter-Nacken-Bereichs gearbeitet haben. Sie ist immer wieder lange Phasen schwindelfrei. Bedingt durch die berufliche Anspannung muss sie aber täglich selber mit Übungen aktiv werden“, nennt Nau Bespiele für erfolgreiche Behandlungen.