Toter Winkel : Der Abbiegeassistent rettet Leben

Die Technischen Betriebe Velbert rüsten ihre Großfahrzeuge nach, um Unfällen mit Radfahrern vorzubeugen.

Es ist die Horrorvorstellung für jeden Radfahrer oder Fußgänger - und auch für jeden Lkw-Chauffeur: Radler oder Passant stehen unbemerkt im toten Winkel rechts neben dem Laster und geraten beim Rechtsabbiegen unter die Räder des tonnenschweren Fahrzeugs. Immer wieder wurde in den vergangenen Monaten über den meist tödlichen Ausgang solcher Unfälle berichtet. Elektronische Abbiegeassistenten können die Verkehrssicherheit erheblich erhöhen und derartige Unglücksfälle verhindern, deshalb rüsten die Technischen Betriebe Velbert (TBV) ihre Großfahrzeuge seit September 2018 mit dem lebensrettenden Kamerasystem aus. Landrat Thomas Hendele, Bürgermeister Dirk Lukrafka, TBV-Vorstand Sven Lindemann und Erster Polizeihauptkommissar Ralf Schefzig, Direktionsleiter Verkehr der Kreispolizeibehörde und Vorsitzender der Kreisverkehrswacht, stellten jetzt die neue Ausrüstung vor, außerdem die Aktion „Toter Winkel“ der Verkehrswacht, an der sich auch die TBV beteiligen.

Ein mächtiger Dreiachser steht dazu mitten auf dem Betriebshof. Der 360 PS starke Scania ist das neueste Müllfahrzeug der TBV, erst vor einigen Tagen geliefert und noch keinen Meter auf der Straße gefahren. Eine grüne, dreieckige Plane rechts neben dem Lkw stellt plastisch den toten Winkel dar, den der Fahrer mit Hilfe eines Monitors, der in der Kabine über der Beifahrertür installiert ist, einsehen kann. Der 26-Tonner ist eines von drei neuen Fahrzeugen, die bereits mit dem Abbiegeassistenten ausgeliefert werden. Hinzu kommen die 14 nachgerüsteten Laster, insgesamt also 17 Großfahrzeuge: „Müllwagen, Kanalspülwagen, ein Abrollmuldenfahrzeug, die Groß-Lkw mit Ladekran aus den Geschäftsbereichen Grün, Straßenunterhaltung sowie Bauwerks- und Brückenunterhaltung“, zählt Sven Lindemann auf. Verzichtet wurde auf das System lediglich bei den Großkehrmaschinen, da sie Rechtslenker sind, und bei allen Traktoren mit vollverglaster Kabine: „Bei denen ergibt sich das Problem des toten Winkels nicht“, so der TBV-Chef. Auch zwei ältere Lkw wurden nicht mehr nachgerüstet, da sie in Kürze die TBV verlassen.

Verkehrswacht sponserte Aufkleber für die Fahrzeuge

Zusätzlich haben die Fahrzeuge von der Verkehrswacht gesponserte Aufkleber bekommen, die an der Beifahrerseite und am Heck auf die Gefahr des toten Winkels hinweisen. Im Rahmen der Aktion „Toter Winkel“ haben erstmals im Oktober 2018 Fünftklässler der Gesamtschule praktische Erfahrungen an und in einem Großfahrzeug der TBV gesammelt, berichtet Tanja Smigoc, Projektmanagerin der Verkehrswacht. Die toten Winkel des Fahrzeugs wurden dazu über Bodenplanen sichtbar gemacht. Die Schüler konnten sich dann aus der Fahrerkabine heraus davon überzeugen, wie ihre Mitschüler im toten Winkel verschwanden. Thomas Hendele bedankte sich für die Unterstützung durch die TBV: Für die Kinder, die auf den Fahrersitz steigen durften, sei es sehr beeindruckend zu sehen, was der Fahrer durch den toten Winkel eben nicht sieht: „Da verschwand eine ganze Klasse aus dem Blickfeld“, ergänzt Ralf Schefzig. Hendele, zugleich Schirmherr der Kreisverkehrswacht, unterstrich die Bedeutung der Aktion: Die Kinder würden für Gefahren sensibilisiert und lernten, Risiken im Verkehr besser einzuschätzen.

Bürgermeister Lukrafka war ebenfalls sichtlich beeindruckt: „Auch vielen Erwachsenen ist gar nicht bewusst, wie groß der Raum ist, den ein Fahrer ohne technische Hilfsmittel nicht überblicken kann. Ich hätte das auch nicht gedacht.“ Lukrafka bekräftigte, auch vor dem Hintergrund des zunehmenden Fahrradverkehrs, dass neue Großfahrzeuge der TBV künftig nur noch mit dem Abbiegeassistenten beschafft werden, um die Verkehrssicherheit für alle Teilnehmer zu erhöhen: „Als Familienvater ist es ein gutes Gefühl, wenn die TBV damit die Sicherheit unserer Kinder im Straßenverkehr verbessern.“