Denkmal : Das Postamt wird bald 130 Jahre alt

Das Gebäude mit der markanten Fassade steht seit 1983 unter Denkmalschutz. Der Kundenverkehr wurde vor über zehn Jahren eingestellt.

Die Eingangstür zum alten Postamt an der Wilhelmstraße 80/82 ist geöffnet, doch schon nach wenigen Stufen zum Hochparterre wird deutlich, dass sich in diesem Gebäude nicht mehr allzu viel Publikumsverkehr einfindet. Ein Metallschild, das links in die Schalterhalle und rechts zu den Postfächern weist, sagt nur noch zur Hälfte die Wahrheit: Denn während es rechterhand tatsächlich zu den Postfächern geht, ist die Tür nach links in die alte Schalterhalle verschlossen. Auch ein Fernsprechkabine hat wahrscheinlich schon bessere Zeiten erlebt: „Öffentliche Sprechstelle geschlossen!“, klärt ein Schild daran auf – für den vermutlich etwas unwahrscheinlichen Fall, dass jemand auf der Suche nach einer Telefonzelle ist und es ihn ins Postamt führt.

Fast 130 Jahre hat das alte Postamt in Wülfrath „auf dem Buckel“, doch als echte Postfiliale fungiert das Gebäude schon seit Mai 2007 nicht mehr. Wer Briefe und Pakete abgeben möchte, der muss die Dienste der Postagenturen in Anspruch nehmen – gleich schräg gegenüber dem alten Postamt findet sich eine solche in einer Lotto-Filiale.

Gleichwohl nutzt die Post das freistehende Gebäude, das seit Mai 1983 unter Denkmalschutz steht, weiter. Hier findet sich nach wie vor der Zustellstützpunkt der Deutschen Post DHL Group für Wülfrath. Zwölf Briefträger starten von dort ihre täglichen Touren: Acht Zusteller befördern Briefe und Pakete in die Außenbezirke der Stadt, vier weitere Briefe im Innenstadtbereich, wie der Sprecher der Deutschen Post DHL in Düsseldorf, Rainer Ernzer, erklärt. Derzeit gebe es auch keine Pläne, an dieser Praxis etwas zu ändern.

Das Postamt trägt seinen Namen also nach wie vor zu Recht – auch wenn es die Funktion eines öffentlichen Amtes nicht mehr erfüllt. Das Gebäude macht einen soliden Eindruck und wirkt wahrlich nicht baufällig. Was vielleicht auch daran liegen mag, dass zuletzt 2006 an der Klinkerputzfassade des Objektes Arbeiten durchgeführt wurden.

Das zweigeschossige Denkmal hat auch insofern eine ungewöhnliche Historie, als das Gebäude niemals etwas anderes als ein Postamt war. Der Kaufmann und 1. Beigeordnete Friedrich Wilhelm Frickenhaus hatte es 1891 an der heutigen Wilhelmstraße bauen lassen und mit der Fertigstellung an die Post verpachtet. Ein Architekt aus Essen hatte das Objekt bauen lassen, wie die Stadtchronik zu berichten weiß. Das neue Gebäude lag in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Rathauses und des mittlerweile nicht mehr existierenden Sparkassengebäudes, fand sich also im Zentrum des Stadtlebens. Die Klinkerputzfassade weist historisierende – also an der Vergangenheit orientierte – Elemente auf. Die Fassade hat zudem neun mit Fenstern versehene Achsen: Die Mittelache hat ein Dachhaus, die linke Ache krönt ein Turm.

Nur wenige Details zur Geschichte des Gebäudes sind bekannt

Über die Geschichte des Gebäudes finden sich sowohl in der Stadtchronik wie auch bei der unteren Denkmalbehörde der Stadt nur wenig Infos: Im Jahr 1959 wurde das Postamt umgebaut und die Schalterräume erneuert, 1976 der Telefonbetrieb in einen Neubau verlegt. Im Mai 2007 wurde dann die Schalterhalle geschlossen und der Kundenverkehr eingestellt. Die Post begründete diesen Schritt damals damit, dass ihre Leistungen im digitalen Zeitalter vor Ort immer weniger nachgefragt würden. Deutschlandweit waren von der Rationalisierung damals 200 Post-Filialen betroffen.

Das Postamt an der Wilhelmstraße war allerdings nicht die erste Postfiliale in Wülfrath. Im damaligen Haus Hasenpflug (heute Am Heumarkt 1) nahm am 1. April 1842 ein sogenannter Postexpediteur seine Arbeit auf: Postsendungen konnten dort abgegeben werden. Mit einer Postkutsche wurde die Post dann weitertransportiert, abends brachte das Gefährt die an Wülfrath adressierten Sendungen vorbei. Ab 1888 übernahm dann die Eisenbahn diese Aufgabe.