Velbert : Narrenschiff fährt dieses Jahr nicht

Ohne Corona ginge die fünfte Jahreszeit heute mit Rathaussturm und Weiberfastnacht in die heiße Phase.

Harte Zeiten für eingefleischte Narren: Sitzungen und Umzüge wurden früh abgesagt, öffentlich wahrnehmbar ist der eigentliche Höhepunkt der Session allenfalls keimfrei im Fernsehen. Daneben haben die Karnevalisten vor Ort aber mit viel Ideenreichtum manche Online-Alternative ins Internet gebracht.

So rufen der Festausschuss Velberter Karneval und die Stadt zu einem Mitmachvideo auf (siehe Infobox), und das Kinderprinzenpaar hat heute einen Video-Auftritt: „Die Schule am Thekbusch feiert jedes Jahr eine Karnevalsparty, dieses Mal wegen der Pandemie online“, berichtet Christian Nikolaus, Präsident des Festausschusses. „Fynn I. und Lili-Minou I. haben einen Videogruß aufgenommen, der in die Feier eingespielt wird.“

Es ist der einzige, zudem virtuelle Auftritt des Kinderprinzenpaares, das wie Prinz Markus I. und ihre Lieblichkeit Saskia I. aufgrund der Umstände nach der letzten Session im Amt blieb. „Es gab einige Anfragen zum Beispiel von Altenheimen, ob wir nicht wenigstens draußen vor der Tür etwas mit Musik machen könnten“, so Nikolaus. Letztlich hatte der Festausschuss aber aufgrund der verschärften Kontaktregeln davon abgesehen. Die Entscheidung, frühzeitig alle Veranstaltungen abzusagen, habe sich als völlig richtig herausgestellt. Besonders gern hätten die Narren Jens Klein, dem Leiter des Rosenmontagszuges, eine Überraschung bereitet: „Er hat an diesem Tag Geburtstag.“ Letztlich wolle aber jeder, dass zum Beispiel die Geschäfte wieder öffnen. Deshalb müsse man alles vermeiden, was die Infektionszahlen nach oben treibe. Schon jetzt sei die Euphorie für die Planung der kommenden Session riesig – in der Hoffnung, dass man dann wieder Karneval feiern kann.

Ebenfalls zutiefst bedauerlich, aber vollkommen richtig findet Janine Richardt, Vorsitzende der KG Zylinderköpp, die Absage von Zug und Karnevalstreff auf Tönisheide. Hier haben einige Jecken mit Einbruch des Winters eine WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen, in der sie kostümierte Schneemänner präsentieren. Auch Umzüge aus Playmobil oder Lego wurden schon vorgestellt: „Die Gruppe ist richtig kreativ.“ Dennoch fehlt was: „Gedanklich sind wir immer dabei, was jetzt sein könnte“, sagt Richardt. Dass man vor einem Jahr dicht an dicht nebeneinander auf dem Kirchplatz stand, sei heute ganz weit weg, und es stelle sich die Frage, ob und wie es im nächsten Jahr weitergehe: „Vielleicht müssen wir Umzug und Treff zeitlich trennen - wenn beides überhaupt möglich ist.“

Was ihr auch sehr fehle, seien die gemeinsamen Wochenenden, wenn etwa der Zugwagen vorbereitet wurde. „Die Vorbereitung ist meist schöner und lustiger als der Auftritt“, bestätigt Wilhelm Funken von der Kolpingsfamilie Neviges. Er hat mit den „Comedy Scouts“ – Pfadfindereltern aus dem Förderverein – oft den Schluss-Act der Sitzung im Glockensaal gestaltet. Jetzt trifft sich die Gruppe virtuell: „Wir sammeln Gags und haben so ein wenig Spaß“, berichtet der Nevigeser, der schmunzelnd wie alle anderen Narren auch gewisse „Entzugserscheinungen“ in Sachen Karneval einräumt.

So wird auch Andrea Fricano, in verschiedenen Funktionen in der Nevigeser Pfarrei Maria, Königin des Friedens tätig und zum Beispiel im Kinderkarneval der Gemeinde engagiert, immer wieder von den Kindern der Garde „Rote Funken“ gefragt, wann sie wieder tanzen dürfen: „Die Kinder vermissen den Karneval sehr“, ist die Erfahrung der Nevigeserin. Mit Tochter Adriana ist sie auch Katechetin in der Kommunionkindervorbereitung, die zur Zeit ebenfalls nur über Videokonferenz stattfinden kann: „Wir haben die Kinder eingeladen, sich für das Meeting am Samstag zu verkleiden und werden Karneval zum Thema machen.“ Ihre Tochter hat außerdem in ihrem Kindercafé Bimbilandia „Weiberfastnachtstüten to go“ gepackt. Andrea Fricano vermisst außerdem den alljährlichen Ausflug mit der Kolpingsfamilie zum Schull- und Veedelszug nach Köln: „Wir hoffen jetzt auf nächstes Jahr.“