Velbert : Das Museum soll im Blickfeld bleiben

Ab 15. Juli schließt das Deutsche Schloss- und Beschlägemuseum für ein Jahr, um in die Villa Herminghaus umzuziehen und präsentiert sich in dieser Zeit in einem Ladenlokal in der Fußgängerzone.

. Die Tage im Forum Niederberg sind gezählt: „Am 13. und 14. Juli feiern wir noch ein großes Abschiedsfest“, kündigt Museumsmitarbeiterin Dr. Yvonne Gönster an. Von 10 bis 18 Uhr gibt es spannende Familienaktionen für Groß und Klein bei freiem Eintritt. Wenn dann am letzten Abend die Türen schließen, startet der Countdown für den Umzug. Die Dauerausstellung wird abgebaut, doch sie umfasst nur einen Teil des Bestandes: Insgesamt müssen rund 17 000 Exponate verpackt und pünktlich zum Jahresende in die neuen Räume geschafft werden. Bis zum 31. Dezember soll das Museum geräumt sein, denn laut Planung beginnt im neuen Jahr der Umbau des Forums.

Auch an zwei weiteren Standorten wird in Schaufenstern geworben

Damit das Museum in der Zwischenzeit nicht in Vergessenheit gerät, wurde in Zusammenarbeit mit dem Innenstadt-Management ein leerstehendes Ladenlokal an der Friedrichstraße 198 akquiriert, in dessen Schaufenster nun Ausstellungsstücke und Info-Tafeln zu Museum und Umzug zu sehen sind. Vorrangiges Ziel bleibe natürlich, Nachmieter für die freien Geschäftsräume zu finden: „Ein gestaltetes Schaufenster ist als Zwischennutzung aber deutlich besser als ein leeres“, erläutert Silke des Roode vom Innenstadtmanagement. Gleiches ist auch Neviges und Langenberg geplant, wo sich das Museum ebenfalls in leeren Ladenlokalen präsentieren will.

Ins ehemalige Geschäft an der Friedrichstraße hatten Museum und Immobilienservice nun außerdem zum sechsten Themennachmittag eingeladen, um die baulichen und konzeptionellen Neuerungen des Museums zu erläutern. Mit rund 750 Quadratmetern entspricht die Fläche in etwa der des alten Standortes, ist aber völlig anders aufgeteilt: Die neue Ausstellungshalle erstreckt sich an der Oststraße beiderseits neben beziehungsweise unter der Brücke zum Parkhaus. Das fünf bis acht Meter hohe Gebäude erhält eine Fassade aus gebürsteten Aluminiumplatten, berichtet Karsten Fangmann vom städtischen Immobilienservice. Vier Vitrinen an der Straßenseite dienen zur Präsentation von Exponaten, eine große Öffnung erlaubt zudem den Blick ins Museum. Eine durchgängige Trockenbauwand teilt die Halle, die auch das Foyer mit dem Empfangsbereich enthält.

Das Foyer ist außerdem so gestaltet, dass es zum Beispiel für Vorträge genutzt werden kann und dann Platz für etwa 70 Besucher bietet. Ein Zwischenbau führt ins Erdgeschoss der alten Villa, mit einer Rampe für barrierefreien Zugang, da Neu- und Altbau auf unterschiedlichen Niveaus liegen. Während das Obergeschoss die Büros beherbergt, gibt es im Erdgeschoß Räume für Sonderausstellungen und einen „Escape Room“, in dem Besucher Fragen rund um das Museum lösen können. Ein Wintergarten dient als museumspädagogischer Raum, in dem zum Beispiel Kinderaktionen stattfinden: „Das läuft bisher alles im Ausstellungsbereich“, ergänzt Gönster.

Sie erläutert das neue Konzept: Neben dem Anspruch, ein besonderes und aktives Erlebnis zu schaffen sollen die historische und technische Entwicklung und Bedeutung aufgezeigt, außerdem die globale Bedeutung der hiesigen Industrie und die Einmaligkeit des Standortes dargestellt werden. Schon die „Eintrittskarte“ ist ungewöhnlich – ein Bund mit Schlüsseln unterschiedlicher Epochen. Der Rundgang verläuft weiterhin chronologisch und startet vor etwa 4000 Jahren, wird künftig auch verstärkt die Zukunft von Schlössern und Schließsystemen darstellen.

Neu ist, dass neben den Erfindungen in den einzelnen Epochen nun auch Ursachen und Auslöser für diese Erfindungen – Bedrohungen, Ängste – gezeigt werden. In insgesamt elf Bereichen werden unter anderem Gebäude verschiedener Epochen und ihre Sicherungssystem dargestellt. Lichttechnik, Geräusche – zum Beispiel aus einer Schlossproduktion – und interaktive „Gespräche“ mit Zeitzeugen sorgen für einen stimmungsvollen Besuch, ebenso wie ein virtueller Schmied in der Wönnemann‘sche Schmiede. Besonderen Dank richtete Gönster an die Förderungsgemeinschaft des Museums, die bei der Konzeption mit Rat und Tat zur Seite stand.

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