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Neviges: Das Mittelalter feiert fröhliche Urstände

Neviges : Das Mittelalter feiert fröhliche Urstände

Die Marktgilde zu Hardenberg lädt am Wochenende im „verflixten siebten Jahr“ zum bunten Treiben in die Vorburg ein.

Ute Meulenkamp erinnert sich noch gut, wie der Markt im Jahr 2013 aus der Taufe gehoben wurde. Damals hatte die kurz zuvor gegründete Marktgilde erstmals den Frühjahrsmarkt gestemmt, der nicht nur bei den Besuchern hervorragend angekommen sei: „Die Händler haben uns angesprochen, ob man so ein Event nicht auch mal zu Weihnachten anbieten könnte“, berichtet die Vorsitzende der Marktgilde. Das sei zwar ein Risiko gewesen, aber der Erfolg gab den Initiatoren recht – im „verflixten siebten Jahr“ hat sich die vorweihnachtliche Veranstaltung in dem schönen Ambiente der Vorburg von Schloss Hardenberg längst etabliert.

„Wir haben in diesem Jahr rund 30 Händler und Handwerker zu Gast“, sagt Andrea Hofer. Die Velberterin kümmert sich um die aus ganz Deutschland anreisenden Aussteller und das Programm, ihr Lebensgefährte Lutz Lembach ist für Aufbau und Organisation des Marktes zuständig. Das Angebot ist wieder weit gefächert und beinhaltet eine ganze Reihe von Händlern, die auch den Frühjahrsmarkt bereichern. Sie verteilen sich auf den Innenhof sowie auf Ost- und Westflügel der Vorburg. Die meisten werden im Innern des alten Gebäudes ihre Stände aufbauen. „Das ist für uns natürlich ein ganz anderer Kostenfaktor“, sagt Meulenkamp, weshalb die Marktgilde nicht umhin kommt, einen kleinen Obulus für den Eintritt zu verlangen.

„Feilgeboten werden zum Beispiel edles Geschmeide und Schmeichelndes aus schönem Tuch“, erläutert Hofer. So gibt es eine Bernstein-Schleiferei oder heute eher ungewohnten Knochenschmuck. Jorgen, der Knochenschnitzer alias Hans Jürgen Bülles aus Duisburg fertigt aus Beinscheibe, Rippe oder anderen Knochen aber auch Nadeln oder Brettchen zum Weben von Borten – in früheren Zeiten durchaus gängige Gebrauchsgegenstände. Selbst gemachte Seifen und angenehm riechende Duftstoffe sind ebenfalls im Angebot, in Anbetracht der Jahreszeit fehlt allerdings der Bader mit seinen Zubern. Entspannung wird aber wieder die beliebte Leibkneterei bieten. Daneben kommt das leibliche Wohl mit herzhaften und süßen Gaumenfreuden nicht zu kurz. Ein Fest wird sicherlich das Wildschwein vom Grill. Die jungen Bierbrauer, im Frühjahr erstmals in Neviges zu Gast, kredenzen die Erzeugnisse ihrer Braukunst, außerdem gibt es heißen Met und Whisky.

Show von „Lacuna ad Ignem“
soll den Besuchern einheizen

Für musikalische Untermalung sorgt das „musizierende Tier“, auch die „Ein-Mann-Krippe“ genannt. In entsprechender Maskerade gibt es Vertreter des Tierreiches von der Eule bis zum Wildschwein zu sehen und zu hören. Mit der Falknerei ziehen aber auch echte Tiere ein. Richtig einheizen soll den Besuchern die Feuershow von „Lacuna ad Ignem“, seit Jahren eine feste Größe auf dem Weihnachtsmarkt am Schloss. Für eigene Aktivitäten der Zuschauer wird zum Beispiel Bogenschießen angeboten. Was es nicht geben wird sind Weihnachtsschlager aus der Konserve oder flackernde Beleuchtung, stattdessen sorgen Kerzen für anheimelnde Atmosphäre: „Der Markt soll Ruhe und Besinnlichkeit ausströmen, die Besucher sollen sich Zeit nehmen und den Markt genießen“, sagt Hofer, „das ist es, was wir in dieser Zeit brauchen.“

Außerdem wird ein besonderer Gast erwartet: „Man könnte ihn einen speziellen Weihnachtsmann nennen“, sagt Andrea Hofer. Nikolaus, Wintergeist, Krampus – jede Kultur kenne zu dieser Jahreszeit eine entsprechende Figur. Die Velberterin erinnert daran, dass der alte Herr bis Mitte des 19. Jahrhunderts ein Gewand in Braun und Grün trug. Der heute gängige rote Overall gehe hingegen auf einen großen Brausehersteller zurück.