Velbert : Das Abizeugnis gibt es im Autokino

Nach der strikten Kontaktsperre im Zuge der ­Corona-Pandemie haben die Velberter Schulen ihren Betrieb eingeschränkt wieder aufgenommen. Besonders betroffen sind die Abiturienten, die ihren erfolgreichen Abschluss nichtie früher üblich – ausgelassen feiern können.

„Alles, wirklich alles ist anders als sonst“, beschreibt beispielsweise Gabriele Commandeur, die Leiterin des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, die Situation.

Keine Mottowochen, keine Verabschiedung, es herrschte Unsicherheit, ob überhaupt Abiturklausuren geschrieben werden. Dazu kam die Frage, ob es einen Abiturball gibt und ob das Zeugnis per Post zugeschickt wird. Mit der Renaissance der Autokinos in der Corona-Krise plobbte eine Idee bei den Schülern auf: Das wäre doch was für die Zeugnisausgabe, das könnte doch bei uns stattfinden.

Ordnungsamt war unerwartet schnell vom Konzept überzeugt

Nachdem das Ordnungsamt unerwartet schnell von dem Konzept überzeugt war, sprudelten die Ideen nur so. „Unser Motto ist ,Habiwai’, da kann man viel mit Pflanzen, Palmen und Lampions machen, Kerzen könnten auf den Treppenstufen stehen, Lichterketten, Girlanden und Surfbretter kommen dazu“, stellt sich Sara Metternich vom Vorbereitungsteam die Dekoration vor. Ein weiterer Vorschlag ist, den Flügel aus der Aula zu schieben. Das Podest mit seinen Treppen vor dem C-Gebäude wird zur Bühne, auf dem anschließenden Schulhof und Parkplatz nehmen die Abiturienten in den Autos Aufstellung. „Jede Familie kommt in einem Auto“, erklärt Cem Bekdamar, der auch an eine Großbildleinwand denkt, so dass alle etwas sehen können. „Das wird noch eine Herausforderung sein, wie man die Fahrzeuge aufstellt“, grübelt Sara Metternich.

Darüber wird man sich den Kopf zerbrechen, nachdem in der kommenden Wochen die letzten mündlichen Prüfungen absolviert sind. Geldsorgen haben die Abiturienten nicht: Mit den Stufenpartys wurde ordentlich etwas eingenommen, das nun in die Zeugnisausgabe gesteckt werden kann. „Ursprünglich war die Zeugnisausgabe im Paul-Ludowigs-Haus in Wülfrath geplant Zum Glück haben wir keine großen Stornokosten“, ist Cem Bekamar ­erleichtert.

Zufrieden mit dem angestrebten Abschlusszeremonie sind auch die Eltern: „Unsere Tochter ist sehr enttäuscht über den Ausfall der Feierlichkeit. Jetzt muss man das Beste daraus machen“, sieht Susanne Friedrich der Realität ins Auge. Die ungewöhnliche Zeugnisausgabe soll am 26. oder 27. ­Juni stattfinden – das wird ein bisschen vom Wetter abhängen.

Neben den restlichen Abiturprüfungen wird an den Gymnasien zunächst die Q 1 der Oberstufe beschult. Ab Dienstag ist der Präsenzunterricht tageweise rollierend für weitere Jahrgangsstufen vorgesehen. An der 2019 mit einem fünften Jahrgang gestarteten Gesamtschule Velbert-Neviges erfolgt der Unterricht bereits täglich wechselnd zwischen Präsenzunterricht und Homeschooling. Dafür wurde der Jahrgang geteilt und wird im Wechsel unterrichtet. Die Schüler sind jeden zweiten Tag an der Schule.

Die Realschule Kastanienallee unterrichtet zunächst bis Mittwoch, 10. Juni, neben den zehnten Klassen zusätzlich rollierend einen weiteren Jahrgang. Anschließend kommt pro Tag ein weiterer Jahrgang hinzu, die in Lerngruppen aufgeteilt werden, die zeitlich versetzt zum Unterricht erscheinen und zeitlich begrenzt Unterricht haben. An der Martin-Luther-King-Hauptschule ist ein rollierender Unterricht für die Jahrgänge sechs bis neun ab Dienstag vorgesehen, wobei bis zu den Sommerferien vier Präsenztage pro Jahrgang geplant sind. Der Präsenzunterricht an den weiterführenden Ganztagsschulen für die Sekundarstufe I findet nur bis zum Vormittag statt, daneben wird eine Notbetreuung für die Jahrgangsstufen fünf und sechs aufrechterhalten.

Seit dem 11. Mai findet in den Grundschulen bereits Unterricht für alle Jahrgänge in einem Rotationsmodell statt. Für Schüler an Offenen Ganztagsschulen und in Kurzzeitbetreuung erfolgt das dazugehörige Angebot an den jeweiligen Präsenztagen. Ein Mittagessen wird nach Bedarf angeboten. Unabhängig vom Präsenzunterricht ist eine Notbetreuung an den Grundschulen sichergestellt, wenn ein Elternteil in einem systemrelevanten Beruf arbeitet.