Wülfrath : Darüber sprach Wülfrath Ende 2020

Fünfter und letzter Teil des WZ-Jahresrückblicks für die Kalkstadt.

November

Der neue Bürgermeister Rainer Ritsche gedenkt an Allerheiligen mit der polnischen Konsulin Barbara Parmirska mit Kranzniederlegungen auf dem Friedhof in Düssel 40 polnischer Zwangsarbeiter, die am 26. März 1944 bei einem Luftangriff der Alliierten in Wülfrath ihr Leben verloren hatten.

Das Land verfügt angesichts wieder steigender Infektionszahlen einen Teil-Lockdown. Treffen sollten auch im privaten Raum unterbleiben. Das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes ist in der Öffentlichkeit fast ausnahmslos ein Muss. Wülfrather Supermärkte und Discounter appellieren an ihre Kunden, Hamsterkäufe zu unterlassen. In den Schulen wird jetzt stoßgelüftet. Im Rathaus kann nur noch das Bürgerbüro ohne Termin besucht werden. Bei strahlendem Herbstwetter ersetzen Spaziergänge für viele Wülfrather die Gastro-Besuche. Die Awo schließt abermals mit Blick auf das Alter ihrer Besucher die Begegnungsstätte an der Schulstraße und schaltet ein Sorgentelefon.

Anstelle des Martinszuges stellt die Fördergemeinschaft St. Martin ein Video ins Netz, gestaltet in einem Leerstand in der Fußgängerzone ein Martinsfenster und verteilt dennoch 550 Weckmänner. Die Pandemie schmälert auch den Absatz von Lhoist Germany. Die Spedition Wilhelm Casper besteht seit 140 Jahren – die Feier soll 2021 nachgeholt werden. Das DRK bringt den Test jetzt mit dem eigenen „Corona-Taxi“ zu den Menschen. Die evangelisch-reformierte Gemeinde stellt ihren Weihnachtswald an der Stadtkirche und den Krippenweg in der Stadtkirche für die Adventszeit und das Fest in der Pandemie vor.

Bei der konstituierenden Ratssitzung werden die Mitglieder und der Bürgermeister vereidigt. Rainer Ritsche erklärt, dass er ein Bürgermeister für alle Wülfrather sein will. Um Themen besser bündeln zu können, bekommen die Fachausschüsse des Rates zum Teil einen neuen Zuschnitt. Neu ist der Ausschuss für Bürgerservice, Ordnung und Feuerwehr. Daneben gibt es jetzt den Ausschuss für Soziales, Kultur und Sport, einen für Umwelt, Mobilität und Digitalisierung und einen für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung.

Der Wülfrather Sänger Olli Henrich (39) von der bekannten Bon Jovi-Tribute-Band „Bounce“ lässt nun auch bei der Fernseh-Show „The Voice of Germany“ (Sat.1/ProSieben) aufhorchen. Er erreicht die nächste Runde und nimmt danach nicht ganz problemlos auch die Hürde der „Battle Show“ und erreicht das „Sing off“. Doch in der dritten Runde scheint alles vorbei zu sein. Das Halbfinale verpasst Henrich, weil er den Hot Seat seines von Yvonne Catterfeld und Stefanie Kloß betreuten Teams an Nachrückerin Dimi verliert.

Die ehemalige Ratsfrau, Tierärztin und Sachbuchautorin Ophelia Nick wird von den Bündnisgrünen als Bundestagskandidatin für den Wahlkreis Mettmann-Nord nominiert. Die aus dem Jahr 1912 stammenden Fenster der Parkschule müssen saniert werden. Dafür investiert die Stadt in den nächsten vier Jahren 760 000 Euro.

Auf dem Außengelände der künftigen Kindertagesstätte an der Schulstraße wurde im Untergrund ein Stahlbetonblock von stattlichen Ausmaßen gefunden (2,5 x 3 x 7 Meter). Zu den weiteren bösen Überraschungen zählen Altlasten in Gestalt von Schwarzdecken, die mit Asphalt oder Teer bestrichen sind. Die Eröffnung verzögert sich weiter. Die WZ beleuchtet die Geschichte des Bauplatzes, an dem die Bandweberei Krommes über 84 Jahre Höhen und Tiefen erlebte.

Das evangelische Gemeindehaus am Pütt ist der neue Standort der Schuldnerberatung der Diakonie. Die Kreissparkasse Düsseldorf gibt bekannt, dass ihre Filiale in der Fliethe künftig nur als SB-Center den Kunden zur Verfügung steht.

Die Sanierung und Umgestaltung des Schulhofes der Sekundarschule ist abgeschlossen. Die Stadt hat in mehr Aufenthaltsqualität 330 000 Euro investiert.

Aus der Initiative „Wülfrather Ideen Räume“ wird ein Verein: Gut 40 Teilnehmer nehmen online an der Gründung teil. Den geschäftsführenden Vorstand bilden die ehemalige Bürgermeisterin Claudia Panke, Sandra Leidig-Diekmann und Heiko Beneke, die einstimmig gewählt wurden. Die Vertragsunterzeichnung für die Nutzung des alten VHS-Gebäudes fand bereits am 14. Oktober statt.

Elf Aussteller beleben mit ihrem Kunsthandwerk jeweils freitags und samstags in vier sonst leerstehenden Geschäften die Innenstadt.

Dezember

Der Tresor in der Feuerwache wird aufgebrochen, die Kamera der Jugendfeuerwehr ist verschwunden, die Gelder der Löschzüge 3 und 5 sind weg – der oder die Täter werden in den Reihen der Freiwilligen Feuerwehr vermutet, das geht aus einem Schreiben des stellvertretenden Wehrleiters Benjamin Hann hervor, das der WZ vorliegt. Die Polizei ermittelt. Hann bezeichnet die Straftaten auf Nachfrage als „interne Angelegenheit der Freiwilligen Feuerwehr“ und will sich nicht weiter dazu äußern. Der Bürgermeister kündigt als Konsequenz an, die Regeln für die Lagerung von privaten Geldbeständen und Wertgegenständen überprüfen lassen zu wollen.

Die Tafel bietet vor der Kreissparkasse erstmals einen Drive-In-Schalter für Spenden für die traditionellen Weihnachtstüten an. Und die Wülfrather beteiligen sich wieder zahlreich an der Aktion. Für die rund 230 Mitglieder des Bürgervereins Wülfrath liegt das Vereinsleben seit März auf Eis. Die Absage der großen Weihnachtsfeier schmerzt besonders. Mit dem durch ausgefallene Feste ersparten Geld wird nun Gutes getan: Bedacht werden die Tafel und der WIR-Verein. Man will zwei Anteile der Zeittunnel-Genossenschaft erwerben, und das Niederbergische Museum bekommt eine neue Spüle gesponsert. Weil das Kreisgesundheitsamt in Mettmann durch die Nachverfolgung der Corona-Infektionsketten personell aus allen Nähten zu platzen droht, sollen 120 Arbeitsplätze nach Wülfrath ausgelagert werden – in das ehemalige ADP-Gebäude. Die evangelischen und katholischen Präsenzgottesdienste zu Weihnachten werden doch abgesagt.

Der Wirtschaftsingenieur Gerd Schlüter (38) wird als neuer Klimaschutzmanager der Stadt vorgestellt. Breiter Konsens besteht im Haupt- und Finanzausschuss darüber, die Hundesteuer um 27 Prozent anzuheben. Ein Hund kostet ab Januar 168 statt 132 Euro. Die Hundehaltung ist damit in Wülfrath mit Abstand am teuersten im Kreisvergleich. Insgesamt sollen jährlich rund 60 000 Euro mehr in die Stadtkasse fließen. Die Stadt erhält mehr als 6,9 Millionen Euro nach dem Gewerbesteuerausgleichsgesetz NRW für Corona-bedingte Einbrüche – rund 400 000 Euro mehr als erwartet. Der kommissarische Kämmerer Stefan Hölterscheidt sagt: „Die Summe reicht in diesem Jahr für Wülfrath aus.“ Bürgermeister und Kämmerer schlagen vor, die Grundsteuer B über zwei Jahre um 22,6 Prozent anzuheben. Sie soll von 530 auf 650 Prozentpunkte steigen und danach auf 580 Prozentpunkte gesenkt werden. Die Stadtspitze verspricht sich eine Mehreinnahme von gut einer Million Euro. Der Verwaltungschef Rainer Ritsche rechnet mit harscher Kritik seitens der Bürger. Aber: „Da steht jetzt die Gretchenfrage an. Schlank bleiben oder in Köpfe investieren“, sagt Ritsche mit Blick auf die dünne Personaldecke im Rathaus. Das Rathaus-Dach soll eine Solaranlage erhalten. Mehr als 62 Doppel- und Einfamilienhäuser sollen laut Stadt bis 2024 am Haselnussweg entstehen.

Olli Henrich zieht doch in das Halbfinale von „The Voice of Germany“ ein. Weil ein Semifinalist erkrankt ist, rückt der Wülfrather nach. Und der 39-Jährige schafft tatsächlich den Sprung ins Show-Finale. Mit der kraftvollen Rockballade „Before you go“ von Lewis Capaldi überzeugt er. Seine Fans voten fleißig für ihn per SMS, online oder per Anruf. Schließlich wird Oliver Henrich im Finale mit 18,06 Prozent der Zuschauerstimmen zweiter Sieger. Die Schweizerin Paula Dalla Corte (19) kommt auf rund 43 Prozent. „Ich habe in Paula genau das Talent gesehen, das alle anderen auch gesehen haben“, sagt der Musiker, der das TV-Duell nie als Konkurrenzkampf gesehen hat.

Der Wülfrather CDU-Vorstand spricht sich einstimmig dafür aus, Peter Beyer 2021 wieder ins Rennen für die Bundestagswahl zu schicken. Die neue Ratsmehrheit steht: Christdemokraten und Grüne verständigen sich auf die Zusammenarbeit.