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Dachdeckerin aus Neviges: Eine Meisterin auf dem Dach

Dachdeckerin aus Neviges: Eine Meisterin auf dem Dach

Saskia Schröder setzt sich als Dachdeckerin in einem Männerberuf durch.

Neviges. Die junge Dame steht ihre Frau auf dem Bau: Vor sechs Wochen hat Saskia Schröder (20) die Meisterprüfung im Dachdeckerhandwerk abgelegt. Am Prüfungstag genau zwanzigeinhalb Jahre alt, ist die Nevigeserin eine der jüngsten Meisterinnen ihres Fachs in Deutschland. Nun arbeitet sie im familieneigenen Betrieb mit, in dem sie schon die Ausbildung absolviert hat.

Dass Saskia Schröder wie ihr Vater und seine Brüder einmal den Leuten aufs Dach steigen würde, war keineswegs absehbar. Mit der Dachdeckerei hatte sie nicht viel am Hut, als sie als Realschülerin ein Betriebspraktikum absolvieren sollte und im Büro des Familienbetriebs landete.

Auf den Geschmack kam die junge Nevigeserin, als sie einen Tag lang eine der Kolonnen bei der Arbeit begleitete und kurzerhand den Rest des Praktikums statt am Schreibtisch bei den Dachdeckern verbrachte.

„Ich habe dann noch drei Wochen in den Ferien in der Firma gejobbt“, erinnert sich die junge Frau. Danach stand ihr Entschluss fest, eine Ausbildung als Dachdeckerin zu machen.

Dass sie die Lehre im Betrieb der Familie antrat, hatte seinen Grund: „Viele Firmen haben sich auf bestimmte Bereiche spezialisiert. Wir machen dagegen so ziemlich alles, was irgendwie mit dem Dach zu tun hat“, erläutert Schröder, die so die ganze Bandbreite des Handwerks kennenlernen konnte.

Als Frau in einer von Männern dominierten Branche stieß sie zunächst auf Vorurteile, die mancher Handwerker deutlich formulierte: „Frauen gehören nicht aufs Dach — das war so ein Spruch“, erinnert sie sich. Doch als Feuerwehrfrau, die bereits mit elf Jahren zur Jugendfeuerwehr gestoßen war (auch eine Tradition im Hause Schröder), hatte sie längst gelernt, sich durchzusetzen. Heute sei seine Tochter bei den Mitarbeitern akzeptiert, sagt Vater Manfred Schröder.

Zum Ende der Lehre entschied sich die 20-Jährige, sofort mit der Meisterschule weiterzumachen: „Ich war gerade im Lernprozess, und je später man noch mal die Schulbank drückt, umso schwieriger wird es.“

Unter rund 100 Meisterschülern — die Ältesten über 50 Jahre alt — am renommierten Bundesbildungszentrum des Deutschen Dachdeckerhandwerks in Mayen bei Koblenz war sie die jüngste von vier Frauen in dem neunmonatigen Lehrgang, doch das spielte keine Rolle: „Das war eine ganz feine Truppe. Wir haben uns alle gegenseitig geholfen.“

Geschenkt gab es indessen nichts: Eine ganze Reihe von Teilnehmer fiel in der Prüfung durch, darunter auch zwei der vier Frauen. Saskia Schröder hingegen bestand. Und gewann noch mehr: In Mayen funkte es zwischen ihr und einem jungen Dachdecker aus dem Sauerland.

Die Nevigeserin führt jetzt im Familienbetrieb eine eigene kleine Kolonne und ist für die Azubis zuständig: „Sie hat frischen Wind in den Betrieb gebracht“, sagt Vater Manfred nicht ohne Stolz. Auch bei den Kunden werde sie angenommen. „Der Ton ist auch ein ganz anderer, wenn eine Frau vor Ort ist“, sagt der 46-Jährige.