Neviges : Da plätschert ein Bach im Keller

Nevigeser Georg Schmidt hofft auf Besserung durch die Kanalsanierung Rommelssiepen.

Es plätschert munter im Keller von Georg Schmidt: Kristallklares Wasser fließt aus einem Rohr unter der Bodenplatte in einen Schacht, in dem drei Pumpen bereitstehen, um das kühle Nass in den Kanal zu befördern. Die Frostperiode in der Vorwoche konnte den Strom nicht stoppen, der bei den heftigen Regenfällen in den Wochen davor merklich anschwoll. Georg Schmidt hatte sich vorsorglich eine weitere Tauchpumpe schicken lassen, damit nicht plötzlich der Keller unter Wasser steht, was schon mehrfach vorkam. „Ich will nicht übertreiben, aber mindestens 80 Kubikmeter am Tag werden es schon sein“, so der Nevigeser Metzger im Ruhestand und überschlägt dabei die Stundenleistungen der Pumpen, die an verschiedenen Stromkreisen angeschlossen sind und die zu unterschiedlichen Zeiten laufen, um eine Überlastung zu vermeiden.

„Das ist kein Oberflächenwasser, sondern eine Quelle“, ist sich Schmidt sicher und zeigt auf eine Karte aus dem Jahr 1816, wo ein Bach durch den Rommelssiepen zwischen der heutigen Wilhelmstraße und der Tönisheider Straße fließt und im Ortskern verschwindet.

„Da gibt es kein offizielles Gewässer, so hat sich die Untere Wasserbehörde festgelegt“, beruft sich Bernhard Wieneck auf die amtliche Sachlage. „Ob es sich um Schichtenwasser oder Bachwasser handelt, ist nicht geklärt“, so der Geschäftsbereichsleiter Tiefbau der Technischen Betriebe Velbert (TBV). Er fügt hinzu, dass das Haus so konzipiert ist, dass das Wasser dadurch fließt.

Seit gut vier Jahren fließt
deutlich mehr Wasser

Dies bestreitet Schmidt nicht. Wasser floss immer in den Schacht, aber seit gut vier Jahren habe es deutlich zugenommen, als mit der Sanierung und dem Umbau der Alten Post und Rathaus begonnen wurde. „Bei dem Aushub wurde das alte Bachbett kaputt gemacht“, vermutet Georg Schmidt.

Bauherr André Grimmert versichert auf Nachfrage der WZ, dass ein Drainagekanal angelegt wurde, der das Wasser ordnungsgemäß in den Kanal der Stadt abführt.

„Wir sanieren den Kanal“, bekräftigt Bernhard Wieneck. „Nicht nur der Kanal wird erneuert, auch die Stadtwerke werden neuen Anschlüsse verlegen“, so der Diplom-Ingenieur und verweist auf den planerischen Aufwand. „Das ist ein großer Kraftakt, bei dem der Teufel im Detail steckt. Im Rommelssiepen ist alles sehr eng, da ist wenig Platz.“ Der Boden sei zuvor untersucht worden, es wird sehr tief gegraben. Unter einigen Häusern müssen Unterfangungen geschaffen werden. Fundamente werden freigelegt und mit Beton unterfangen. „Dazu mussten wir das Einverständnis der Eigentümer einholen und sie zuvor überzeugen, dass die Maßnahme auch für sie Vorteile bringt“, gibt Wieneck einen Einblick in die anspruchsvolle Vorbereitung der Sanierung auf einer Länge von 60 Metern.

Im Wirtschaftsplan der TBV sind dafür rund 690 000 Euro veranschlagt, letztendlich finanziert durch die Kanalgebühren. Derzeit liege die Erstellung des Leistungsverzeichnisses in den letzten Zügen. Es bildet die Grundlage für die Ausschreibung, die damit bald beginnen kann. „Dann muss sich eine Baufirma finden, die das machen möchte, denn es kann wegen der beengten Platzverhältnisse nicht mit großen Maschinen gearbeitet werden. Geplant ist der Baubeginn für das zweite Quartal“, so der Tiefbaufachmann Wieneck.

Er hofft, dass sich nach Abschluss der Arbeiten die geschilderten Probleme im Schmidt’schen Keller verringern. „Unser System wird funktionieren, Herr Schmidt muss allerdings für die Anschlüsse an seinem Haus selber sorgen.“