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Corona-Gedenktag schafft auf Friedhöfen Orte zur inneren Einkehr

Neviges : Corona-Gedenktag schafft auf den Friedhöfen Orte zur inneren Einkehr

„Der Anlass ist traurig: Seit mehr als einem Jahr haben wir Corona und daran sind fast 80 000 Menschen in Deutschland gestorben“, stellte Dietgard Reith fest. Die Presbyterin und stellvertretende Vorsitzende des Friedhofsausschusses der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Neviges hielt in Vertretung des verhinderten Pfarrers Detlef Gruber eine Andacht auf dem Friedhof an der Siebeneicker Straße.

„Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den 18. April als Gedenktag vorgeschlagen. Wir als Kirchengemeinde haben uns entschlossen, uns dem anzuschließen.“

Martin Luther hätte in hoffnungsloser Zeit ein Apfelbäumchen gepflanzt, die Gemeinde wollte dieser Tradition folgen, hatte sich entgegen der ursprünglichen Absicht dann für eine Birne entschieden. Martin Straßer, Landschaftsarchitekt und fachkundiges Mitglied im Friedhofsausschuss, hat kein Bäumchen, sondern einen fast 40-jährigen, gestandenen Baum gespendet. „Von dem können wir im Herbst Früchte ernten.“

Dietgart Reith sieht in dem Birnbaum, dem eine Ruhebank zur Seite gestellt wird, ein wunderbares Gleichnis für Hoffnung und Leben: „Der Baum wächst aus der Erde, aus dem Dunklen ans Licht. Und das nur, weil zuvor eine Frucht in die Erde gelegt wurde. Aus dieser Beerdigung ist nun ein Baum entstanden, der selber Früchte hervorbringen kann.“ Die Rednerin bezieht sich auf das Osterfest: „An Karfreitag hat Jesus sein Leben in Gottes Hand gelegt und es ihm anvertraut. Gott hat daraus an Ostern Hoffnung und Leben für alle Menschen geschaffen. Heute vertrauen wir darauf, dass Gott unsere Trauer, Mangel und Schaden mit neuer Freude und Zuversicht erfüllt.

Zuvor hatte Dietgard Reith an die besonders durch Corona betroffenen Menschen in Krankenhäusern und Altersheimen gedacht, die an ihren letzten Tagen allein waren. „Eine schmerzhafte Situation für die Angehörigen, denen eine Begleitung der Liebsten oft nicht möglich war und ein Gefühl der Schuld entstehen ließ. Auch in unserer Gemeinde sind bis heute etliche mit oder an Corona verstorben.“

Wie die anderen evangelischen Gemeinden in Niederberg, hat sich die evangelische Kirchengemeinde Tönisheide dem Projekt „Baum der Hoffnung“ angeschlossen und auf ihrem Friedhof an der Kuhlendahler Straße zwei Zierapfelbäume gepflanzt und ein Kunstobjekt aufgestellt: „Die drei gusseisernen Ringe haben keinen Anfang und Ende, so wie die Liebe für die Corona-Toten keinen Anfang und kein Ende hat“, so Pfarrer Detlef Schneider.

Die Presbyter Dorothea Wagner, Gudrum Joest und Frank Seiler schlüpften bei den Fürbitten in die Rollen einer Krankenschwester, eines Altenpflegers und eines Altenheimbewohners. Posaunenchormitglied Ulrich Bernhard spielte auf dem Horn verbindende Stücke. Eine Angehörige schilderte, wie sie ihre Mutter nicht in den letzten Stunden begleiten konnte: „Ich hatte das Gefühl, dass ich etwas falsch gemacht habe.“ In den Fürbitten wurde nicht nur der Corona-Opfer und deren Angehörigen gedacht, sondern auch jenen Menschen, die ihren Beruf nicht mehr ausüben können. Außerdem wurde für die Politiker gebetet, damit sie „kluge Entscheidungen“ treffen. Ein solcher war Bürgermeister Dirk Lukrafka, der als stiller Zuschauer teilnahm. „Ich finde es sehr bewegend, zu hören, wie einsam gestorben wurde. Momentan bereitet es mir große Sorgen, das jetzt besonders die Jungen betroffen sind.“ Lukrafka hofft, dass die Menschen den neu geschaffenen Ort mit den Bäumen und Sitzbank dazu nutzen, um Einkehr zu halten.