Wülfrath : Charakter des Bölkumer Buschs erhalten

Der BUND ist entsetzt über die Fällung von 100 Buchen – die Naturschutzbehörde hat allerdings nichts zu beanstanden.

. Motorsägen kreischen durch den Bölkumer Busch, krachend fallen riesige Buchen auf den Waldboden unweit des Neandersteigs. Das bringt die Naturschützer auf die Palme. „Da geht es richtig zur Sache“, entsetzt sich Carsten Haider, der über 100 zur Fällung markierte Bäume ausgemacht hat. Der Velberter BUND-Vorsitzende hebt den Bereich als Lebensraum für Fledermäuse, Amphibien und Reptilien hervor. Es handelt sich derzeit um ein Landschaftsschutzgebiet, dass zum einem Naturschutzgebiet heraufgestuft werden soll.

Laut BUND-Vorsitzendem Lederer sehen die Bäume gesund aus

Götz-Reinhardt Lederer findet, dass die markierten Bäume  überwiegend einen gesunden Eindruck machen. In einem offenen Brief an Landrat Thomas Hendele, Bürgermeister Rainer Ritsche und Förster Lothar Schnegelsberg befürchtet der Vorsitzende des BUND Wülfrath eine drastische Minderung des ökologischen Werts. Außerdem stellt er die Frage, ob der Wald unter den derzeitigen Klimabedingungen sich überhaupt noch erholen kann.

Gleichzeitig respektiert er den Privatbesitz: „Sicher, es ist einem Waldbesitzer nicht grundsätzlich verboten, Holz aus seinem Wald zu vermarkten“, räumt er ein. Das bestätigt der zuständige Förster von Wald und Holz der WZ: „Der Eigentümer hat mich informiert, dass er dort Brennholz macht“, so Lothar Schnegelsberg.  „Es ist völlig legitim, dass ein Teil des Bestandes naturgemäß bewirtschaftet wird.“

Der Leiter des Regionalforstamtes Bergisch Land sieht die Baumentnahmen als sinnvoll an, gerade in Zeiten des Klimawandels: „Dadurch wird die Naturverjüngung gefördert. Durch die Trockenheit der vergangenen Jahre ist es bereits jetzt fünf nach zwölf für den Wald. Wir werden massivste Probleme kriegen. Mit der Naturverjüngung stehen wir gut da, denn wir haben die Hoffnung, dass sich diese jungen Pflanzen an die neuen Bedingungen anpassen. Die alten Bäume packen die Wasserknappheit nicht, 400 Liter Wasser am Tag für eine alte Buche ist einfach nicht mehr da. Mein Dienstgeschäft ist es jetzt, den Gefahrenbäumen hinterher zu laufen.“

Waldbesitzer Einhart im Brahm hat den Bölkumer Busch vor zwei Jahren erworben und macht auf seine Verkehrssicherungspflicht aufmerksam, zumal der Vorbesitzer kaum was gemacht hat: „Da sind viele alte und kranke Bäume, die nicht nur bei Sturm umfallen. Den alten Buchen sieht man manchmal den Zustand nicht an, sie fallen bei Windstille um oder die dicken Bäume verlieren plötzlich einen Ast. Das ist lebensgefährlich für die Spaziergänger. Deshalb sind links und rechts vom Neandersteigs Sicherungsmaßnahmen nötig“, begründet der Waldbesitzer die Fällungen der Buchen, die einfach an ihrem Lebensende angekommen sind.

Die kranken Bäume schaffen den Klimawandel nicht mehr

Ebenso wie der Förster setzt der Landwirt aus Kettwig auf die Naturverjüngung, die bereits im Gange ist. „Die alten, kranken Bäume schaffen den Klimawandel nicht und stellen ein große Brandgefahr dar.“ Für die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann gibt es an den Fällungen nichts zu beanstanden. „Die Verkehrssicherungsmaßnahmen sind absolut nachvollziehbar, es gibt keine forstrechtlichen  Verstöße“, versichert Georg Görtz, der augenblickliche Leiter des Naturschutzamtes. „Die Befürchtungen, dass das ganze Gebiet seinen Charakter verliert, sind nicht begründet. Auf 75 Hektar werden 100 Einzelbäume gefällt, das ist kein Kahlschlag.“ Der Vorwurf der Naturschützer, dass ungeprüft Habitatsbäume gefällt werden, die verschiedenen Tieren Unterschlupf bieten, trifft nicht zu. „Der Eigentümer hat auf seine eigenen Kosten den Baumsachverständigen und Forstwissenschaftler Redde beauftragt, die zu fällenden Bäume genau zu untersuchen. Die Habitatsbäume bleiben stehen. Außerdem ist ein PEFC-zertifiziertes Forstunternehmen beauftragt worden, das nachhaltige Waldbewirtschaftung betreibt“, so Georg Görtz abschließend.