Wülfrath : Demenz erfordert Umdenken im Alltag

Die Caritas hatte zu einem Informationsabend zum Krankheitsbild in Wülfrath eingeladen.

Rund 50 Veranstaltungen rund um das Thema Demenz unter dem Motto „Mittendrin und nicht vergessen“ hat das Netzwerk Demenz der Caritas im Kreis Mettmann jetzt kreisweit organisiert. Im Nachgang zu diesem „Monat der Demenz“, der im Rahmen der Feierlichkeiten zum 50-jährigen Bestehen der Caritas veranstaltet worden war, besucht Anika Hagedorn von der für den gesamten Kreis Mettmann zuständigen Fachstelle Demenz in Erkrath alle zehn kreisangehörigen Städte, um Pflegekräfte, Angehörige, in Sozialamt zuständige Kräfte und alle, die das Thema Demenz entweder betrifft oder interessiert zu einem Erfahrungsaustausch einzuladen.

Trotz schwacher Resonanz zufrieden mit der Diskussion

Dieses Treffen fand vor kurzem in Wülfrath in den Räumen der Awo statt. Doch obwohl nur zwei Interessierte der Einladung zu diesem lokalem Treffen folgten, war Anika Hagedorn mit dem Ergebnis der Diskussion sehr zufrieden. „Es spielt keine Rolle, wie viele Menschen zu so einem Erfahrungsaustausch kommen. Jede Veranstaltung ist auf ihre Weise bereichernd und es kommen immer neue Gesichtspunkte hinzu, die in die Arbeitsunterlage einfließen, die ich im Nachgang erstellen werde“, sagt die engagierte Demenz-Fachkraft. Sie bringt zu den Treffen drei Themenkomplexe mit, zu denen sie die Antworten auf Zettel schreibt, an ein Flipchart heftet und sie dann später für ihre Dokumentation mitnimmt. „In welchen Situationen fühle ich mich unsicher, beziehungsweise würde ich mich unsicher fühlen im Umgang mit dementen Menschen“, lautet die erste Frage. Die zweite behandelt die gegenteilige Situation: Wann fühlt man sich sicher? Abschließend wurde noch eine Liste mit „Handlungsempfehlungen“ erstellt, an der Jutta Fiege, die beim Sozialen Dienst der Stadt Wülfrath in der Pflege- und Wohnberatung arbeitet, sowie Hermann-Josef Roder, Lebens-, Sterbe- und Trauerbegleiter ihre Erfahrungen beitrugen.

Der engagierte Ehrenamtler, der im örtlichen Hospitz mitarbeitet, hat sowohl in seinem privaten wie auch beruflichen Umfeld Erfahrungen mit dementiell veränderten Personen gesammelt. Mit Anika Hagedorn diskutierten sie ausführlich und hatten schnell zu allen drei Komplexen zahlreiche Antworten und Erfahrungen gesammelt.

Die Scham der Betroffenen und der Angehörigen bekämpfen

Einigkeit herrschte bei den drei Experten in die Schlussfolgerung: Die Gesellschaft muss offen für alle Menschen sein, die „anders“ sind, besonders auch für an Demenz Erkrankte. Denn nur so lässt sich die Scham bekämpfen, die Betroffene und Angehörige empfinden, wenn die Diagnose gestellt ist, und die meistens zur Abkehr vom sozialen Leben führt. Der Umgang mit dementiell veränderten Menschen muss in jeder Alltagssituation von Normalität geprägt sein.

Dazu muss die Information über die Krankheit am besten bereits in der Kita beginnen, war man sich einig, damit die Erkrankten nicht auf ihre Krankheit reduziert werden, sondern in all ihren persönlichen Facetten angenommen werden. Oder wie Herrmann-Josef Röder seine Motivation, sich um demente Menschen zu kümmern auf den Punkt bringt: „Ich liebe Menschen mit Demenz.“

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