Velbert : Busfahrer ignorieren Attest

„Ich fahre nie wieder nach Velbert“, hat sich Britta B. vorgenommen. Der richtige Name der Dame aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis ist der Redaktion bekannt, an sie wandte sie sich, weil sie in Velbert eione unangenehme Erfahrung in Sachen Maskenpflicht im Linienbus sammeln musste.

B. hat eine ärztliche Bescheinigung, dass sie von der Maskenpflicht befreit ist, sie leidet unter Atemproblemen und unter Schwindelanfällen. „Normalerweise bin ich auf einen Rollator angewiesen, meine Behinderung sieht man mir so nicht an. Meinen Schwerbehindertenausweis und das Attest zur Maskenbefreiung habe ich selbstverständlich immer dabei.“
Ende August machte sie sich in Begleitung ihrer Tochter nach Heiligenhaus-Hetterscheidt auf den Weg, wo sie eine im Internet ersteigert Gardine abholen wollte. Mit der Bahn fuhr sie bis Wuppertal, von dort mit dem Bus weiter zum Zentralen Omnisbus-Nahnhof (ZOB) in Velbert, wo sie in einen Bus der Linie 771 umstieg. „Der Fahrer machte Pause, als wir einstiegen, er hat gesehen, dass ich keinen Mund-Nase-Schutz trug. Viele der Fahrgäste hatten ihre Masken unter der Nase, das interessierte keinen. Später stieg ein älterer Herr zu, der die anderen über die Maskenpflicht belehrte. Einen Jugendlichen hatte er unhöflich aufgefordert, die Maske aufzusetzen. Als er mich ohne Maske entdeckte, wurde ich sehr unfreundlich angesprochen und er redete von Strafen, die mir drohen.“

Britta B. wies auf ihre medizinische Befreiung hin, es wurde laut, der Busfahrer schaltete sich genervt ein und stellte sich an die Seite des älteren Fahrgastes. Das Attest interessierte den Fahrer nicht: „Sie müssen einen Mundschutz tragen oder aussteigen.“ Den Einwand, dass Britta B. den Fahrer verklagen wird, falls sie umkippen würde, quittierte dieser mit einem Grinsen. So setzte sie eine Maske ihrer Tochter auf, kurze Zeit später stellte sich die befürchtete Luftnot ein. Die Tochter drängte zum Ausstieg, glücklicherweise war man an der Zielhaltestelle. Es kam zu großer Atemnot, Britta B. bekam starke Schmerzen und brach zusammen. Die Tochter kann mit einer solchen Situation umgehen und stabilisierte ihre Mutter. Auf den Rückweg mit einen Bus der Linie 770 wurde der Fahrer sofort gefragt, ob er sie ohne Mundschutz wegen ärztlicher Befreiung mitnimmt. „Nein“, kam die Antwort.
Inzwischen hatten Tochter und Mutter den Kundenservice der Rheinbahn angerufen, der erst beim dritten Mal reagierte. Als das Duo dem Fahrer erklärte, dass sie diesbezüglich mit der Leitstelle gesprochen hätten, war der Mann verärgert. Beim Aussteigen am ZOB sprach Britta B. ihn nochmals an und erhielt die Antwort, dass es in Velbert so etwas wie ein ärztliche Befreiung nicht gäbe.

„Auf dem weiteren Weg nach Hause mit den Wuppertaler Stadtwerken und Abellio gab es keine Probleme, die kennen die ärztlichen Befreiungen und waren viel freundlicher“, so der Eindruck von Frau B.

Heike Schuster von der Unternehmenskommunikation der Rheinbahn hat den Vorfall gegenüber der WZ bestätigt: „Es handelt sich um einen Fahrer eines Subunternehmens. Aber auch die müssen sich an die Vorgabe halten, das Fahrgäste mit ärztlichem Attest ohne Mundschutz mitgenommen werden. Wir haben Kontakt mit dem Unternehmen aufgenommen und werden auch mit dem Fahrer reden. Wir entschuldigen uns bei der Frau im Namen der Rheinbahn.“

Britta B. hat der Vorfall so geprägt, dass sie kaum noch aus dem Haus geht. Kürzlich ist sie auch in einem Drogeriemarkt angegangen worden: „Es sind meistens ältere, deutsche Männer, von denen ich wegen des nicht getragenen Mund-Nase-Schutzes angemacht werde“, sagt sie.